Entwarnung

Wasser marsch

Regenschirm statt Sonnenbrille: In Israel lässt der Frühling auf sich warten. Foto: Flash 90

Nach Pessach beginnt in Israel offiziell die Strandsaison. Die Bademeister nehmen nach den Winterferien den Dienst wieder auf, die Strandgäste kommen in Scharen. Am vergangenen Wochenende aber herrschte an Israels Küste gähnende Leere. Statt Sonnenstrahlen peitschten Regen und Hagel über den Sand, die Temperaturen fielen unter die Zehn-Grad-Grenze, auf dem Hermon schneite es. Das Winterwetter hatte ganz Israel fest im Griff. Gute Nachrichten für die Wasserbehörde, die Entwarnung in Sachen Wasserknappheit gab.

Allein am Wochenende stieg der Pegel des Sees Genezareth um drei Zentimeter. Für den April ist das eine außergewöhnliche Zahl. Normalerweise hat in dieser Zeit bereits die heiße Jahreszeit mit Temperaturen bis zu 30 Grad begonnen. Niederschlag fällt selten bis gar nicht. Und nach Auskunft des meteorologischen Dienstes soll es in den kommenden Tagen sogar noch regenreicher weitergehen.

Momentan liegt der Pegel des Kinneret, wie das größte Wasserreservoir des Landes auf Hebräisch heißt, bei -209,91 Metern unter der oberen roten Marke. Noch vor zwei Jahren war die schwarze Linie – die äußerste Grenze des Schöpfbaren – erreicht.

Sparen Früher hieß es in Israel: »Spar’ Wasser – dusch’ mit einem Freund.« Etwas züchtiger ging es in den vergangenen Jahren in Fernsehspots zu. Lokale Berühmtheiten, darunter Models und Schauspieler, ließen per Computer-Animation ihre hübschen Gesichter in dürre Wüsten verwandeln, um zu zeigen, was geschieht, wenn man Wasser verschwendet. »Israel trocknet aus«, lautete die düstere Botschaft, »also dreht den Wasserhahn zu!«

Die vergangenen beiden Winter jedoch brachten die Wende. 2011 hatte es im Januar an 30 Tagen fast ununterbrochen geregnet. Ein Rekord seit dem Beginn der Wetteraufzeichnung. Auch die kalte Jahreszeit 2012/13 war extrem nass. Zuvor allerdings hatte der gesamte Nahe Osten eine Dürreperiode von sieben Jahren erlebt. Das war vor vier Jahren Grund genug für die staatliche Wasserbehörde Mekorot, Alarm zu schlagen und Maßnahmen zum Sparen durchzudrücken. Dazu gehörten unter anderem das Verbot, private Rasenflächen zu wässern oder Autos außerhalb von Waschanlagen mit dem Schlauch zu reinigen.

Nun ist die »Dürreverordnung« offiziell aufgehoben worden. Mekorot-Leiter Alexander Kuschner erklärte, dass der starke Niederschlag der letzten zwei Jahre, gepaart mit dem Aufbereiten von sogenanntem »grauen Wasser« sowie die Entsalzungstechnologie Israel vor dem Austrocknen bewahrt hätten. Auch habe sich die Öffentlichkeit zum Großteil an die Regeln gehalten und im vergangenen Jahr zehn Prozent weniger Wasser verbraucht als noch vor einer Dekade. Sicherlich hatten die erhöhten Preise zum »guten Benehmen« beigetragen. Wer bei seinem Verbrauch über eine bestimmte Grenze kam, musste für jeden zusätzlichen Liter Wasser ein Vielfaches des normalen Preises zahlen.

Kosten Trotz der stabilen Lage werden die Preise in der nahen Zukunft nicht gesenkt werden. »Denn Wasseraufbereitung und Entsalzung sind sehr kostspielig«, so Kuschner. Die existierenden Werke müssten schließlich ständig unterhalten werden, auch wenn es draußen regnet.

Derzeit sind in Israel drei Entsalzungsanlagen am Netz, die alle in den vergangenen acht Jahren gebaut wurden. Aschkelon, Hadera und Palmachim produzieren zusammen fast die Hälfte des israelischen Bedarfs an Trinkwasser. Zwei weitere Anlagen befinden sich im Bau und sollen in den nächsten zwei Jahren fertiggestellt werden. Die Anlagen in Sorek und an der südlichen Küste von Aschdod werden weitere 25 Prozent des kostbaren Trinkwassers liefern.

Dennoch sei man weiterhin auf die natürliche Ressource angewiesen, erläutert der Experte. »Der Regen bietet uns ein Sicherheitsnetz und hält uns davon ab, die Wasserreservoirs bis ans Limit auszuschöpfen.« Kuschner ist sicher, dass man mit dem korrekten Wassermanagement einen Puffer aufbauen könnte, der bis zum Jahr 2025 reichen würde. »Und das gilt sogar, wenn wir noch einmal ein, zwei trockene Jahre bekommen sollten.«

»Die Wasserkrise ist vorbei«, resümiert Kuschner. Jedoch dürften die Israelis nicht verschwenderisch werden und sollten weiterhin sehr auf Sparsamkeit achten.

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