Nahost

Was die Einnahme von Aleppo durch Rebellen bedeutet

Syrische Oppositionsanhänger stehen am Samstag, den 30. November 2024, auf einem erbeuteten syrischen Armeepanzer in der Stadt Maarat al-Numan südwestlich von Aleppo in Syrien. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

In Syrien sind die Kämpfe nach mehreren Jahren wieder heftig aufgeflammt. Eine Rebellen-Allianz hat innerhalb kurzer Zeit die Millionenstadt Aleppo im Norden des Bürgerkriegslandes eingenommen. Der Vorstoß kam auch für die Regierung von Präsident Baschar al-Assad anscheinend überraschend. Experten sprechen von einem einschneidenden Ereignis in dem Krieg, der seit fast 14 Jahren wütet.

Wer sind die Rebellen, die Aleppo angegriffen haben? 

Bei den Kämpfern handelt es sich um eine Rebellen-Allianz unter der Führung der islamistischen Gruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS). Sie gilt als die kontrollierende Kraft im Nordwesten von Syrien, wohin die meisten Aufständischen und Rebellengruppen im Laufe des syrischen Bürgerkriegs zurückgedrängt wurden. Die HTS entstand aus der Nusra-Front heraus, die als Ableger der Terrororganisation Al-Kaida galt. Zwar verkündete HTS offiziell bereits vor Jahren den Bruch mit Al-Kaida, dennoch folgt die Gruppe der dschihadistischen Ideologie. Die USA listen HTS als Terrororganisation. Experten gehen davon aus, dass mehrere Zehntausend Kämpfer zu den Rebellen gehören.

Warum flammt der Konflikt jetzt wieder auf?

Es gibt mehrere Faktoren, die dazu geführt haben, dass die Blitzoffensive genau jetzt stattfindet. Der wichtigste Faktor dürfte die regionale Schwächung der Verbündeten von Syriens Präsident Baschar al-Assad sein: Russland und der Iran sind die Hauptunterstützer Syriens und haben dazu beigetragen, dass Assad die Aufständischen vor einigen Jahren zurückdrängen konnte. Aber beide Länder sind derzeit in anderen Konflikten gebunden und dadurch geschwächt: Russland kämpft in der Ukraine, und der Iran ist durch den Konflikt der Terrormiliz Hisbollah im Libanon mit Israel militärisch geschwächt. Dazu kommt, dass sich die Rebellen offenbar langfristig auf einen Angriff vorbereitet haben. Sie nutzten schwere Waffen und teilweise auch Drohnen, um so schnell vorrücken zu können.

Welche Konfliktparteien gibt es in Syrien? 

Im Jahr 2011 schlug Syriens Präsident Assad Demonstrationen im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings brutal nieder. Aus den Protesten entwickelten sich schnell Massenproteste und schließlich ein Konflikt und Stellvertreterkrieg mit internationaler Beteiligung. Syrien wird von Russland und Iran unterstützt. Pro-iranische Milizen wie die Hisbollah unterstützen die syrische Regierung. 

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Bei den Rebellengruppen gibt es unterschiedliche Kräfte, eine der stärksten ist die islamistische HTS. Daneben kontrollieren zudem kurdische Kräfte, die von den USA unterstützt werden, einen Großteil Nordsyriens, unter anderem entlang der Grenze zur Türkei. Auch einige Stadtteile von Aleppo werden bereits seit mehreren Jahren von kurdischen Rebellen kontrolliert.

Die Türkei hält in Nordsyrien infolge mehrere Militäreinsätze, die sich hauptsächlich gegen Kurdenmilizen richteten, Grenzgebiete besetzt. Sie kooperiert dabei mit Rebellengruppen. Auch Israel flog zuletzt immer wieder Luftangriffe in Syrien, die sich unter anderem gegen Kämpfer der libanesischen Hisbollah richteten. Das trug ebenfalls weiter zur Schwächung der syrischen Regierung bei. 

Wieso hat Aleppo so eine zentrale Bedeutung? 

Aleppo ist die zweitgrößte Stadt Syriens und die größte Metropole im Norden des Landes. Sie war lange das wirtschaftliche Zentrum Syriens und ist ein wichtiger Knotenpunkt. Hinzu kommt ein symbolischer Charakter. Lange kontrollierten Rebellen Aleppo. Im Dezember 2016 konnte die syrische Regierung mit Hilfe Russlands die Stadt zurückerobern. Große Teile von Aleppo wurden zerstört, die Oppositionellen verließen Aleppo in Richtung der Provinz Idlib. Die Rückeroberung von Aleppo im Jahr 2016 gilt als ein entscheidender Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg, in dem die Regierungstruppen seitdem wieder rund zwei Drittel des Landes kontrollieren. 

Was bedeutet der Angriff auf Aleppo jetzt? 

Auch die aktuelle Rebellenoffensive könnte wieder einen Wendepunkt bedeuten. Die Aufständischen haben gezeigt, dass sie trotz jahrelanger Rückschläge immer noch in der Lage sind, militärische Erfolge zu erzielen. Dazu zeigt die Offensive die aktuelle Schwäche der Regierung und ihrer Verbündeten auf. Entscheidend wird sein, ob die Rebellen die Stadt halten können und wie Iran und Russland Syrien unterstützen. dpa/ja

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