Libanon

Waren die Pager mit Sprengstoff manipuliert?

Die Überreste eines explodierten Pagers der Hisbollah Foto: picture alliance / abaca

Libanon

Waren die Pager mit Sprengstoff manipuliert?

Das legen Recherchen der »New York Times« nahe

 18.09.2024 11:55 Uhr

Einen Tag nach dem spektakulären Pager-Angriff auf die Hisbollah mit neun Toten und mehr als 2700 Verletzten ist noch immer nicht vollständig geklärt, wie Tausende der Geräte in den Hosentaschen und Händen der Terroristen explodieren konnten. Unmittelbar nach dem Angriff vermutete ein Hisbollah-Mitglied, dass die Lithium-Batterien in den Pagern durch einen Cyberangriff mit Schadsoftware zum Explodieren gebracht worden sein könnten.

Der Pager eines Hisbollah-Mitglieds explodiert, während der Mann im Supermarkt einkaufen geht

Doch Recherchen der »New York Times« zeichnen ein anderes Bild: Dem Blatt zufolge habe Israel eine Lieferung der Pager abgefangen und mit etwa sechzig Gramm Sprengstoff und einem Schalter versehen. Das berichten amerikanische Regierungsvertreter dem Blatt.

Am Dienstag um 15.30 Uhr sei dann eine Nachricht verschickt worden, die augenscheinlich von der Hisbollah-Führung stammte. In dem Moment, in dem viele der Terroristen den Pager in die Hand genommen haben dürften, sei er dann explodiert. So hat etwa der iranische Botschafter im Libanon, Modschtaba Amani, bei dem Angriff ein Auge verloren. Das andere ist schwer verletzt.

Israel schweigt zu dem Angriff

Eine offizielle Bestätigung für diese Version der Ereignisse gibt es nicht. Weder die israelische Regierung noch die Armee übernehmen öffentlich für den Angriff Verantwortung, noch wollen sie ihn kommentieren. Der »New York Times« zufolge habe aber Verteidigungsminister Gallant die US-Regierung kurz vor dem Pager-Angriff über eine Aktion der Israelis gegen die Hisbollah informiert, allerdings ohne Details zu nennen.

Lesen Sie auch

Außerdem gehen mehrere Sicherheitsexperten nach Sichtung der zahlreichen Aufnahmen von dem Angriff davon aus, dass die Batterie eines Pagers nicht ausreicht, um solch eine Explosion zu verursachen.

Der taiwanesische Hersteller der Pager, das Unternehmen Gold Apollo, bestreitet derweil, dass sie in Eigenproduktion hergestellt wurden. Die an die Hisbollah gelieferten Pager seien stattdessen von einem Vertragspartner in Budapest (Ungarn) hergestellt worden. nko

Wohltätigkeit

Gal Gadot ganz großzügig

Die Hollywood-Schauspielerin spendet Geld vom Genesis-Preis an Organisationen für die Rehabilitation psychisch Kranker

von Sabine Brandes  23.09.2026

Emmanuel Macron spricht vor der UN-Vollversammlung

Vereinte Nationen

Jerusalem nennt Macrons Behauptung zur Hamas »absurd«

Der französische Präsident behauptet vor der Vollversammlung, die Terrororganisation sei im Westjordanland nie aktiv gewesen. Tatsächlich verübt sie dort regelmäßig Anschläge

von Sabine Brandes  23.09.2026

Jerusalem

Israel startet Kampagne gegen Voreingenommenheit der UN

Ein Video zeigt Papageien bei der UNO-Vollversammlung, die »Beschuldigt Israel!« durch den Versammlungssaal schreien

 23.09.2026

Jerusalem

Lucien Lazare gestorben

Der Historiker und Pädagoge schloss sich während der deutschen Besatzung Frankreichs dem Widerstand an. In Israel gehörte er zur Kommission von Yad Vashem

 23.09.2026

Jerusalem

Israel droht mit Räumung Gazas im Falle neuer Entführung

Fast drei Jahre nach dem beispiellosen Hamas-Massaker am 7. Oktober droht Israels Verteidigungsminister mit drastischen Folgen, sollte erneut ein Israeli verschleppt werden

 23.09.2026

Israelische Zeitungen

Wahlergebnisse

»Sieg der Extreme«

Nach dem AfD-Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern wächst in Israel die Aufmerksamkeit für Deutschlands politische Verschiebung

von Sabine Brandes  22.09.2026

Debatte

Wehret den Anfängen gilt rechts und links

Ein Offener Brief an Bischof Christian Stäblein vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin/Brandenburg

von Cornelia Seibeld  22.09.2026

Reaktionen

Besorgnis in Israel nach Berlin-Wahl

Der Wahlsieg der Linken sorgt vor allem mit Blick auf Antisemitismus und das jüdische Leben in der deutschen Hauptstadt für Aufmerksamkeit in israelischen Medien

von Sabine Brandes  22.09.2026

Umfrage

Mehrheit sieht keine Chance für friedliche Zwei-Staaten-Lösung

Eine friedliche Koexistenz ist für eine Mehrheit der Israelis und eine noch größere Mehrheit der Palästinenser im Westjordanland und in Ostjerusalem derzeit nicht vorstellbar

 22.09.2026