Israel

War Chaim Topol Mossad-Agent?

Chaim Topol wurde für seine Rolle als Teyve in »Fiddler on the Roof« weltberühmt. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der kürzlich verstorbene Schauspieler Chaim Topol, der durch seine Rolle als Tevye im Musical »The Fiddler on the Roof« (Deutscher Titel: »Anatevka«) weltberühmt geworden war, war auch ein Agent des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad. Das sagten seine Frau Galia und seine Kinder Adi und Omer der israelischen Tageszeitung »Haaretz«.

»Ich weiß nicht genau, was die richtige Definition für die Missionen und Aufgaben ist, die er ausgeführt hat«, so Omer Topol. »Aber klar ist, dass Papa an geheimen Missionen im Auftrag des Mossad beteiligt war.«

Heimliche Reisen Der Schauspieler habe häufig eine Minox-Miniaturkamera mit sich getragen und sei des Öfteren auch heimlich ins Ausland gereist. Er sei ein abenteuerlustiger Mensch gewesen, so seine Witwe Galia. Der israelische Schauspieler wurde durch seine Auftritte als Teyve in »The Fiddler on the Roof« ab 1967 berühmt und spielte auch dieselbe Rolle in der Verfilmung des Stoffes 1971.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

In dieser Zeit lebte die Familie in London, Topol kaufte sich dort eine Wohnung. Ein regelmäßiger Besucher dort war offenbar der Mossad-Offizier Peter »Zvika« Malkin. Er sei nicht nur ein Freund des Schauspielers, sondern auch seine Kontaktperson beim Geheimdienst gewesen. Malkin war einer von vier Mossad-Agenten, die 1961 den NS-Verbrecher Adolf Eichmann aus Argentinien entführt und nach Israel gebracht hatten.

Chaim Topol habe als eine Art Tarnung für Malkins geheime Operationen fungiert, sagte Galia Topol »Haaretz«. Ihr Sohn Adi fügte hinzu: »Er kam nach London und lebte zeitweilig bei uns. Vater half Zvika mit allen möglichen Dingen.« So seien die beiden gemeinsam in eine europäische Stadt gereist, um Abhöreinrichtungen in einer Wohnung neben der Botschaft eines arabischen Landes anzubringen. Es seien dort Löcher in die Wand gebohrt worden, um Abhörgeräte einzubauen.

BOHRUNGEN Da der Mossad befürchtet habe, dass die Bohrungen unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden, sei die Wohnung so hergerichtet worden, als sei sie eine Zahnklinik. Als das Sicherheitspersonal der Botschaft nachgeschaut habe, worauf der Lärm zurückzuführen sei, habe sich Topol schnell auf einen Zahnarztstuhl gelegt und Malkin habe so getan, als würde er eine Zahnbehandlung durchführen. Am Ende seien die Sicherheitsleute wieder abgezogen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch in Ländern, zu denen Israel keine offiziellen Kontakte hatte, habe Chaim Topol bei Stippvisiten Missionen für den Mossad unternommen. In London selbst lernte er Zvi Zamir kennen, den späteren Leiter des Mossad. In der britischen Hauptstadt habe der Mossad auch Ashraf Marwan, den Schwiegersohn des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdul Nasser und späteren Berater von Nasser-Nachfolger Anwar Sadat als Informanten angeworben. Es war Marwan, der Israel 1973 warnte, dass Ägypten und andere arabische Staaten an Jom-Kippur einen Angriff auf den jüdischen Staat planten.

Zamir, der damals als Attaché an der israelischen Botschaft in London tätig war, sei am Tag vor dem Ausbruch des Kriegs im Oktober 1973 zum Haus der Familie Topol gekommen und habe von dort die Nachricht nach Israel geschickt, dass am folgenden Tag der Krieg ausbrechen werde. mth

Luftfahrt

Wer kontrolliert die Flüge nach Israel?

Nach dem vereitelten Anschlag auf einen Flydubai-Flug gerät das israelische Sicherheitssystem für ausländische Airlines unter Druck

von Sabine Brandes  08.10.2026

Hintergrund

Terror über den Wolken

Wie Pilot und Passagiere im Flug von Dubai nach Tel Aviv eine Katastrophe verhinderten

von Sabine Brandes  08.10.2026

Diplomatische Beziehungen

Britisches Konsulat in Jerusalem bleibt als Mission bestehen

Israel reagiert auf britische Sanktionen gegen israelische Siedlungspolitik, mehrere Diplomaten verlassen das Land. Gänzlich geschlossen wird das britische Konsulat in Ost-Jerusalem aber doch nicht

 08.10.2026

Meinung

Wenn Journalisten Terroristen sind – 170 Namen und eine unbequeme Wahrheit

Unser Autor reflektiert über die grundsätzliche Frage, was »Journalismus« in einem Gebiet bedeutet, das seit Jahren von einer totalitären Terrororganisation beherrscht wird

von Daniel Neumann  08.10.2026

7. Oktober

»Erinnern heißt auch, nach der Wahrheit zu suchen«

Bei der großen Gedenkveranstaltung im Hayarkon-Park standen die Opfer im Mittelpunkt – und die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchungskommission

von Sabine Brandes  08.10.2026

Mentale Gesundheit

Die Einsamkeit wiegt am Schwersten

Fast eine Million Israelis suchten seit Kriegsbeginn Hilfe bei der psychischen Notfall-Hotline Eran

von Sabine Brandes  07.10.2026

Porträt

Nach der Musik das Essen

Der Norden war von Terror und Krieg besonders geschunden. Aber auch Absagen aus dem Ausland beendeten Shachar Bers Karriere als Drummer. Mit einer eigenen Aufstrich-Marke wagt er den Neuanfang

von Sabine Brandes  07.10.2026

Nachrichten

Massage, Kibbuz, Opposition

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kommentar

Wenn Chuzpe Leben rettet

Die bemerkenswerte Abwesenheit von Scham, Vorsicht und Selbstzweifel ist eine israelische Eigenart. Im Fall des Flydubai-Fluges half sie, eine Katastrophe zu verhindern

von Sabine Brandes  07.10.2026