Kurzmeldungen

Wahlsplitter

Am 17. März wird in Israel gewählt. Foto: Flash 90

Am 17. März wird in Israel über die Zusammensetzung des Parlaments abgestimmt. Lesen Sie in den »Wahlsplittern« regelmäßig alles rund um Kampagnen, Parteien, Kandidaten und Prognosen.

Präsident
Präsident Reuven Rivlin redet Klartext. Am Dienstagabend lud er 100 Israelis in seine Residenz ein, um sie zu überzeugen, ihre Stimme abzugeben. Die Menschen hatten zuvor auf der Facebook-Seite des Präsidenten geschrieben, warum sie nicht wählen gehen wollen. Das Staatsoberhaupt veranstaltete daraufhin eine Konferenz unter dem Motto: »Gib nicht auf – entscheide dich, wählen zu gehen!« Unter den Teilnehmern war beispielsweise eine Mutter von fünf Kindern, Naava Itali. Sie sagte, dass es bei diesen Wahlen nur um Korruption und Randthemen ginge. »Das wirklich Wichtige aber wird überhaupt nicht angegangen. Ich habe nicht einen Kandidaten gehört, der mir Hoffnung auf eine Wende gegeben hat.«

Die Wahlexpertin Mina Tzemach erklärte daraufhin, dass jede nicht abgegebene Stimme eine Verschwendung sei. »Denn in Israel können schon einige Zehntausend Stimmen den Unterschied zwischen Gewinner und Verlierer ausmachen. Wenn Hunderttausende nicht an die Urnen gehen, hat das eine große Wirkung.« Rivlin wollte die Anwesenden nicht belehren, sondern hörte ihren Sorgen aufmerksam zu. Am Ende sagte er aber: »Nicht wählen zu gehen, ist ein Eigentor. Eine geringe Wahlbeteiligung ist ein Indikator für sozialen Abstieg. Sie verstärkt nur die klaffende Lücke zwischen den Gewählten und den Bürgern. Die Lösung ist nicht, weniger zu tun, sondern mehr. Geht und wählt!«

Zeitung

Israel Hayom (Israel Heute) ist Israels einzige kostenlose Zeitung. Im Volksmund wird sie auch »Bibiton« genannt, da sie als Sprachrohr von Benjamin »Bibi« Netanjahu gilt. Jetzt will die Grassroot-Organisation »Harov Hadomem« (Die stille Mehrheit) ihr eigenes Gratis-Papier herausgeben. Vor einem Monat startete die Gruppierung eine Kampagne gegen die Netanjahu-Regierung Eine halbe Million Zeitungen sollen am Freitag vor den Wahlen auf den Straßen verteilt werden. Szenario auf den Seiten: der Tag nach der Wahl. Der Name will dabei Programm sein. Statt »Israel Heute« wird sie »Israel Morgen« heißen. Initiator Eyal Arad, der hinter der Idee steckt, will jedoch die alte Tageszeitung nicht ersetzen. »Israel Morgen ist keine richtige Zeitung. Es ist eine Satire. So etwas wie ein festliches Auf Nimmerwiedersehen.«

Unterstützung
Der ehemalige Staatspräsident Schimon Peres hat am Donnerstag offiziell erklärt, dass er den Kandidaten der Arbeitspartei, Isaac Herzog, unterstützt. »Er ist ein vernünftiger Anführer, der enorme Verantwortung gegenüber der israelischen Öffentlichkeit zeigt. Ich bin mir sicher, er ist geeignet für den Posten des Premierministers«, ließ der Nobelpreisträger wissen. Es sei normal, dass die Menschen unterschiedliche Ansichten hätten und entsprechend ihres Bewusstseins wählten, erklärte Peres weiter. Er kenne Herzog und seine Familie seit vielen Jahren und habe ihn gesehen, wie er Top-Positionen meisterte und an den Entscheidungen zu den wichtigsten Anliegen in Sachen Israels Zukunft mitwirkte. »Er ist der Premier, der weiß, wie man Brücken baut und die israelische Gesellschaft mit Solidarität und Hoffnung zusammenschweißt.«

Hamas

Missbrauch als Waffe

Auf Basis von Tausenden Videos, Fotos und Zeugenaussagen dokumentiert ein neuer Bericht systematische sexuelle Übergriffe der Terroristen am 7. Oktober und danach

von Sabine Brandes  24.05.2026

Tel Aviv

Hilfe für das »Liebling Haus«

Das Besucherzentrum der »Weißen Stadt« wird nach Raketenschäden mit deutscher Hilfe repariert

von Sabine Brandes  24.05.2026

Studie

Wird Israel unbezahlbar?

Die Lebenshaltungskosten im Land gehören zu den höchsten weltweit. Dafür gibt es zahlreiche Gründe – manche sind hausgemacht

von Sabine Brandes  24.05.2026

Essen

Balagan auf der Zunge

Zwischen Frena-Ofen und French Malawach: Das EAT Tel Aviv Food Festival zeigt, wie Israels Küche Traditionen aus aller Welt aufgreift, neu mischt und daraus ein lebendiges Geschmacks-Chaos macht

von Sabine Brandes  24.05.2026

Essay

Erinnerungen an Schawuot in Be’eri

Unsere Autorin ist in dem Kibbuz aufgewachsen, der durch das Massaker traurige Bekanntheit erlangte. Eines der prägendsten Feste ihrer Kindheit war das Wochenfest – wird jene Freude je wieder zurückkehren?

von Eshkar Eldan Cohen  21.05.2026

Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der Aktivist Yoseph Haddad will den Sprung in die Politik wagen und könnte im festgefahrenen Rennen um die Knesset entscheidend sein

von Sabine Brandes  21.05.2026

Aschkelon

Israel schiebt Hunderte Flottillen-Aktivisten ab

Während die ausländischen Flottillenaktivisten vom Flughafen Ramon aus ausgeflogen werden, steht die israelische Teilnehmerin Zohar Regev in Aschkelon vor Gericht

 21.05.2026

Jerusalem

»Nicht das Gesicht Israels«: Sturm der Entrüstung gegen Ben-Gvir

Der rechtsextreme Politiker steht in der Kritik, weil er ein Video veröffentlichte, in dem Aktivisten der Gaza-Flotille gedemütigt werden. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von seinem Minister

von Sabine Brandes  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026