Knesset 2019

Wahl mit Widrigkeiten

Benjamin und Sara Netanjahu bei der Stimmabgabe in Jerusalem Foto: GPO

Um 16 Uhr israelischer Zeit lag die Wahlbeteiligung der Parlamentswahlen bei 40 Prozent und noch immer unter der von 2015. Die Wahllokale haben bis 22 Uhr geöffnet. Bis zuletzt versuchen die Kandidaten, mit ihren Aussagen die Wähler auf ihre Seite zu ziehen, obwohl Kampagnen am Wahltag selbst verboten sind. Den Tagesablauf des zentralen Wahlkomitees bestimmen verschiedene Störungen sowie Einsprüche von Kandidaten und Parteien.

So wurde es der ultraorthodoxen Sefardenpartei Schas untersagt, Kerzen vor den Wahllokalen zu verteilen und damit zur Einhaltung des Schabbats aufzurufen. Geschenke zu verteilen, ist nach Wahlrecht verboten. Naftali Bennett erhob Einspruch gegen die Veröffentlichung eines Videos, in dem er dazu aufrief, für das »Jüdische Haus« zu stimmen. Die Aufnahme stammt aus 2015, und Bennett ist Vorsitzender einer anderen Partei, Hajamin Hachadasch.

Premier Benjamin Netanjahu gab seine Stimme gemeinsam mit Ehefrau Sara in Jerusalem in der Nähe seiner Residenz ab.

residenz Premier Benjamin Netanjahu gab seine Stimme gemeinsam mit Ehefrau Sara in Jerusalem in der Nähe seiner Residenz ab. »Wählen ist ein heiliger Akt, die absolute Essenz der Demokratie«, machte er deutlich. Kurz zuvor war in verschiedenen Medien berichtet worden, dass 1200 Likud-Aktivisten mit versteckten Körperkameras in arabischen Ortschaften heimlich den Wahlvorgang filmten.

Der Vorsitzende des zentralen Wahlkomitees, Richter Chanan Melcer, zeigte dies bei der Polizei an, die daraufhin mehrere Kameras konfiszierte. Melcer erklärte, es sei nicht erlaubt, in Wahllokalen zu filmen. Derzeit berät das Komitee noch, ob dies einen Eingriff in den Wahlvorgang darstellt. Netanjahu verteidigte die Kameras mit den Worten, »sie sollten überall sein, damit ein korrektes Vorgehen bei der Stimmabgabe garantiert ist«. Die Beteiligung in den arabischen Gemeinden lag am Nachmittag mit 20 Prozent nur bei der Hälfte des nationalen Durchschnitts. Die Aktivisten der verschiedenen arabischen Parteien versuchen verzweifelt, die Menschen zu mobilisieren, noch am Abend an die Urnen zu gehen.

Auf WhatsApp kursierten zudem Nachrichten über mögliche Störungen bei der Wahl. Eine lautete: »Achtet auf die Rückseite eures Zettels. Wenn jemand darauf gekritzelt hat, ist er ungültig. So soll die Wahl für den politischen Gegner verhindert werden.« In Israel macht man kein Kreuz, sondern sucht den passenden Zettel für die Partei seiner Wahl aus einem Aufsteller hinter einer Trennwand, steckt ihn in einen Umschlag und dann in die Urne.

sicherheitsbehörden Außerdem hieß es, dass mehrere Zettel bestimmter Parteien verschwunden seien. Richter Melcer instruierte die Sicherheitsbehörden daraufhin, diese Fälle genauer zu untersuchen. Das Komitee machte allerdings bereits klar, dass, »sollte es ein vermehrt auftretendes Phänomen sein, die markierten Stimmzettel als gültig angesehen werden«.

Yair Lapid von der Union Blau-Weiß kam mit Frau und zwei Kindern zur Wahl. Er ließ wissen: »Wir sind nur einen Schritt vom Sieg entfernt. Aber wir brauchen noch zwei Mandate, um diese historische Wahl in Israel zu gewinnen. Eine Stimme für jede andere Partei als Blau-Weiß ist eine Stimme für Netanjahu.«

Im ganzen Land herrscht am Wahltag eine Art Ferienstimmung, viele nutzen die Freizeit für Familienaktivitäten.

Im ganzen Land herrscht am Wahltag eine Art Ferienstimmung, viele nutzen die Freizeit für Familienaktivitäten, strömen in die Naturparks, an den Strand, in die Einkaufszentren und Restaurants der Städte, nachdem sie ihre Stimme abgegeben hatten. Nir Weiß aus Tel Aviv hatte sich für Blau-Weiß entschieden. »Eigentlich wähle ich immer Meretz. Aber dieses Mal ist mir der Wechsel wichtiger.«

alternative Miriam Ben-Ami, die eine Hälfte des Jahres in Israel und die anderen sechs Monate in Paris lebt, ist extra zur Wahl angereist. »Normalerweise komme ich erst kurz vor dem Seder zu Pessach. Aber dieses Mal habe ich beides verbunden. Ich stimme für Netanjahu. Mir gefällt wahrlich nicht alles an ihm, aber in Sachen Sicherheit für Israel sehe ich keine Alternative.«

Auch verschiedene Firmen machen beim Wählen mit – mit einem Augenzwinkern. Der Schönheitssalon von Schir Nakasch schrieb auf Instagram: »Alle Frauen wählen Schir – für eine bessere Zukunft der Augenbrauen«. McDonald’s holte zu einem Seitenhieb auf die Regierungspartei aus. In Anlehnung an die unechten Facebook-Seiten des Likuds veröffentlichte die Fastfood-Kette am Wahltag eine neue Werbung: »Ich bin kein Bot. Aber wählt mich trotzdem: Pommes frites. Gelb. Knusprig. Stark.«

Rüstung

Ein Iron Dome »Made in Germany«?

Israel hat Deutschland Unterstützung beim Ausbau seiner Luftabwehr angeboten. Man könne sich vorstellen, den Iron Dome nicht nur zu liefern, sondern auch vor Ort zu produzieren, sagt der Chef des Rüstungskonzerns Rafael

von Ralf Balke  16.03.2026

Hisbollah

Irans stärkster Proxy wankt

Geschwächt und unter Druck im eigenen Land versucht die schiitische Terrormiliz im Libanon, sich von Teheran zu distanzieren

von Sabine Brandes  16.03.2026

Ausnahmesituation

Club Med kostenlos für gestrandete Israelis

Der französische Tourismuskonzern zeigt sich großzügig in Kriegszeiten

von Sabine Brandes  16.03.2026

Krieg

Mullah-Regime soll Angriffe im Weltraum trainiert haben

Israel wirft dem Iran vor, »Fähigkeiten zur Kriegsführung im Weltraum« zu entwickeln. Die israelische Armee begründet damit einen neuen Angriff auf ein Ziel in Irans Hauptstadt Teheran

 16.03.2026

Krieg

Israel startet »großangelegte Angriffswelle« auf Iran

Israels Militär bombardiert eigenen Angaben zufolge erneut Ziele unter anderem in der iranischen Hauptstadt Teheran. Nachrichten von dort dringen nur noch langsam nach außen

 16.03.2026

Iran-Krieg

Israelische Armee beginnt Bodenoffensive im Libanon

Das israelische Militär geht eigenen Angaben auch am Boden gegen die Hisbollah vor. Einem Bericht zufolge wurden zuletzt auch Dutzende Mitglieder der Terror-Miliz bei Kämpfen am Boden getötet

 16.03.2026

Iran-Krieg

Chameneis Regierungsflieger in Teheran zerstört

Der Flughafen Mehrabad in Teheran war in den vergangenen Tagen mehrfach Ziel israelischer Bombardierungen. Nun melden Israels Streitkräfte die Zerstörung eines Regierungsfliegers

 16.03.2026

Terror

Israel sieht neue Terrorgruppe hinter Anschlägen auf Synagogen in Europa

Die israelische Regierung findet Hinweise auf eine koordinierte Einschüchterungskampagne. Verbindungen der Terroristen zu proiranischen Netzwerken werden vermutet

 16.03.2026

EXKLUSIV

»Es geht nicht mehr«: Andreas Büttner verlässt die Linkspartei

Nach einem Beschluss der Linken in Niedersachsen war für Brandenburgs Antisemitismusbeauftragten das Maß voll: Er tritt aus der Partei aus

von Michael Thaidigsmann  16.03.2026