Nahost

Waffenstillstand in Sicht?

Israels Finanzminister Yair Lapid (r.) besucht eine Familie, auf deren Haus eine Rakete geschossen wurde. Foto: Flash 90

Angeblich soll ein Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas unmittelbar bevorstehen. Das berichtete heute Morgen die britische BBC unter Berufung auf Hamas-Quellen. Demnach soll Ägypten zwischen der Terrororganisation und Israel vermittelt haben. Die Waffenruhe sollte dem Bericht zufolge innerhalb der nächsten Stunden verkündet werden.

Allerdings wurden um zwölf Uhr Ortszeit wieder zwei Raketen aus Gaza abgeschossen, die in der südisraelischen Eshkol-Region landeten. Ein Armeesprecher sagte der Haaretz zufolge, Israel werde nur dann einem Waffenstillstand zustimmen, wenn die Hamas ihren Raketenbeschuss einstelle. »Der Ball liegt jetzt im Spielfeld der Hamas.«

Schutzräume Auch in der Nacht und am frühen Morgen gab es erneut Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Sderot und Umgebung im Süden Israels. Die Einwohner der Kleinstadt hielten sich ständig in Nähe ihrer Schutzräume auf.

Ein Wohnhaus wurde von einer Kassamrakete getroffen, andere Geschosse landeten auf freiem Feld oder wurden vom Raketenabwehrsystem »Iron Dome« abgefangen. Insgesamt waren in den vergangenen Tagen etwa 40 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Die IDF reagierte mit dem Beschuss von Waffenlagern und -produktionsstätten im Gazastreifen. Außenminister Avigdor Lieberman (Israel Beiteinu) sagte bei einem Besuch in Sderot am Nachmittag, ein Waffenstillstand wäre ein Fehler. Die Terrorinfrastruktur der Hamas müsse zerstört werden, so Lieberman.

Riots Am späten Donnerstagabend gingen auch die gewalttätigen Aufstände im Ostteil Jerusalems weiter. Arabische Demonstranten warfen Brandbomben in der Nähe des Damaskustores in der Altstadt sowie Steine auf die Straßenbahn im gemischten arabisch-jüdischen Stadtteil French Hill. Mehrere Polizeieinheiten rückten in den arabischen Stadtteilen Silwan und Issawija an, wo es ebenfalls zu Aufständen gekommen war.

Am heutigen Freitag sind Tausende Polizisten in Jerusalem stationiert, da am ersten Freitag des Fastenmonats Ramadan verstärkte Zusammenstöße erwartet werden. Der Zutritt zum Tempelberg mit der Al-Aksa-Moschee ist, um weitere gewalttätige Ausbrüche zu vermeiden, an diesem Tag nur Frauen sowie Männern über 50 Jahren gestattet. Dutzende palästinensischer Jugendlicher und junger Männer versuchten daraufhin, die Absperrungen in der Altstadt zu durchbrechen, um den Zugang zum Tempelberg zu erzwingen. Sicherheitskräfte waren damit beschäftigt, sie mit Blendgranaten zurückzudrängen.

Grund für die Unruhen ist der nach wie vor ungeklärte Tod des 16-jährigen Palästinensers Abu Khedir, dessen Leiche am Mittwoch in einem Wald bei Jerusalem gefunden worden war. Er wird heute nach dem muslimischen Freitagsgebet beigesetzt. Tausende Palästinenser nahmen heute an der Trauerprozession für Khedir im Ostjerusalemer Stadtteil Schuafat teil. Auch hier kam es zu Steinwürfen auf Polizisten.

demonstranten
Eine Theorie für den Tod von Abu Khedir lautet, es könne sich um einen innerfamiliären »Ehrenmord« gehandelt haben. Eine andere geht davon aus, dass es ein Racheakt rechtsgerichteter Israelis für die ermordeten Jugendlichen Eyal, Gilad und Naftali ist. Zahlreiche Demonstranten hatten nach dem Fund der Leichen Vergeltung gefordert und arabische Bürger angegriffen. Auch nahm die Zahl antiarabischer »Pricetag«-Graffiti wieder zu. Die Polizei ermittelt noch im Mordfall Khedir.

Die Familie des ermordeten Naftali Frenkel äußerte gestern in einer Pressemitteilung Entsetzen über den Tod des jungen Palästinensers. »Es gibt keinen Unterschied zwischen Blut und Blut«, heißt es darin. »Mord ist Mord, egal welcher Nationalität jemand angehört oder wie alt er ist. Es gibt keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung, keine Sühne für jeglichen Mord.«

Gaza

Israel nach Angriff auf Top-Terroristen: »Wir werden sie alle früher oder später fassen«

Kürzlich tötete Israel den Militärchef der Hamas, Iss al-Din al-Haddad. Nun hat die Armee laut Ministerpräsident Netanjahu auch dessen Nachfolger ins Visier genommen

 26.05.2026

Debatte

Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

von Stephan-Andreas Casdorff  26.05.2026

Jerusalem

Medienreform oder Angriff auf die Pressefreiheit?

Israels Kommunikationsminister Shlomo Karhi verspricht mehr Wettbewerb. Kritiker warnen jedoch vor politischer Einflussnahme und der Schwächung unabhängiger Sender

von Sabine Brandes  26.05.2026

Den Haag

Smotrich bestätigt Haftbefehl des ICC

Israels Finanzminister spricht offen über einen vermeintlichen internationalen Haftbefehl gegen ihn. Der Fall könnte weitere Spitzenpolitiker betreffen

von Sabine Brandes  26.05.2026

Diplomatie

Zini und Dahlan: Geheimtreffen mit vielen Fragen

Israels Schin-Bet-Chef reist heimlich in die Emirate – und spricht mit dem Mann, der als möglicher Schlüssel für Gazas Zukunft gilt

von Sabine Brandes  26.05.2026

Tel Aviv

Maxim Herkin veröffentlicht Tagebuch aus der Geiselhaft in Gaza

»Ich hoffe, dass diese Seiten Menschen berühren, ihnen etwas Echtes vermitteln und sie noch lange nach dem letzten Kapitel begleiten«, sagt die frühere Hamas-Geisel

 26.05.2026

Jerusalem

Lapid attackiert möglichen US-Iran-Deal

Lapid bezeichnet die geplante amerikanisch-iranische Vereinbarung als »Katastrophe«. Dass Israel nicht an der Ausarbeitung des Abkommens beteiligt gewesen ist, sei »absurd«, so der Oppositionspolitiker

 26.05.2026

Jerusalem

Netanjahu kündigt härtere Gangart gegen Hisbollah an

Der Ministerpräsident sagt, er habe das Militär angewiesen, den Druck deutlich zu erhöhen. Zuvor hatten die Terroristen Drohnenangriffe gegen Israel gestartet

 26.05.2026

Jerusalem

Netanjahu im Krankenhaus

Nach Angaben seines Büros handelte es sich um einen geplanten zahnärztlichen Eingriff

 26.05.2026