Pandemie

Vierte Impfung gegen fünfte Welle

Gesundheitsminister Horowitz besucht eine Kinder-Impfstation. Foto: Flash 90

Sollte die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Israel wieder ansteigen, werde es nötig werden, eine vierte Impfung zu verabreichen. Das machte Gesundheitsminister Nitzan Horowitz am Mittwoch klar. Verschiedene Gesundheitsexperten warnen bereits vor einer fünften Welle in Israel. Einige meinen sogar, sie sei bereits da.

So zum Beispiel der Corona-Berater der Regierung, Salman Zarka. »Wir befinden uns nicht zwischen zwei Wellen, die fünfte Welle ist bereits angekommen.« Wenn man an eine weitere Welle gedacht habe, hatte man zunächst eine neue Variante des Virus in Betracht gezogen. »Doch diese Zahlen sind zu hoch – zu früh.« Er bestätigte ein Missverständnis in Israel: »Viele denken, die Gefahr ist vorbei. Doch das stimmt nicht. Und die Impfung ist immer noch unser bestes Werkzeug, das Virus zu bekämpfen.«

booster Am Wochenbeginn veröffentlichte das Gesundheitsministerium Daten, die zeigen, dass neun Prozent der Neuinfizierten eine Booster-Impfung erhalten hätten. Allerdings ist nicht klar, ob sich diese Menschen infiziert hatten, bevor die zwei Wochen nach der Verabreichung vergangen waren, die nötig sind, um die volle Wirksamkeit des Vakzins zu erreichen.

»Wer da nicht mitmacht, verhält sich schlicht asozial. Ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen.«

Familienvater Amit Schechter

Die Auffrischungskampagne hatte am 31. Juli begonnen. Kürzlich wurde eine israelische Studie veröffentlicht, die besagt, dass die dritte Spritze einen 93-prozentigen Schutz vor einer schweren Covid-19 Erkrankung bietet. Selbst wenn auch ihre Wirkung mit der Zeit nachlasse, erläutern die Experten, sei der Schutz doch wesentlich.

KRANKENHÄUSER Von den 605 bestätigten Fällen am Mittwoch waren etwa 76 Prozent nach Angaben des Ministeriums in Jerusalem nicht geimpfte Menschen. Die Positivrate der Tests lag bei 0,73 Prozent. Währenddessen sinkt die Zahl der schwerkranken Patienten in den Krankenhäusern weiter. Derzeit werden noch 120 Personen stationär behandelt. Die Zahl derjenigen, die eine Impfung erhalten könnten, sie aber ablehnen, liegt bei derzeit rund 700.000. Das umfasst nicht die jüngeren Kinder.

Premierminister Naftali Bennett hatte die Erhöhung der bestätigten Fälle zunächst als »Welle der Kinder« bezeichnet. Währenddessen hatte am Dienstag im ganzen Land die Impfung der Fünf- bis Elfjährigen begonnen. Zuvor hatte die US-Behörde für die Zulassung von Lebens- und Arzneimitteln das Vakzin von BioNTech/Pfizer für die jüngeren Kinder freigegeben. Etwa eine Million Mädchen und Jungen in Israel gehören in diese Altersgruppe.

»Es gibt keinen Grund, mit einer Impfung für sein Kind zu warten.«

gesundheitsminister nitzan horowitz

Eine aktuelle Umfrage von Krankenkassen zeigte, dass derzeit etwa 44 Prozent der Eltern ihre Sprösslinge in dieser Altersgruppe impfen lassen wollen. Allerdings hätten bis Donnerstag erst vier Prozent einen Termin vereinbart. Einer, der mit seinen zwei Töchtern bereits im Impfzentrum war, ist Amit Schechter. »Es ist doch so, dass wir alle im selben Boot sitzen. Natürlich haben wir alle gewisse Bedenken oder Unsicherheiten. Aber die ganze Welt befindet sich in einer Ausnahmesituation. Da müssen wir der Wissenschaft und den Experten vertrauen.«

Man müsse endlich einen Weg aus dieser Pandemie finden, so der Mann aus Tel Aviv. »Und das Wichtigste dafür ist jawohl die Impfung aller Menschen. Das haben wir doch mittlerweile verstanden. Wer da nicht mitmacht, verhält sich schlicht asozial. Ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen.«

LONGTERM-COVID Horowitz bestätigt das: »Es gibt keinen Grund, mit einer Impfung für sein Kind zu warten. Das Virus wartet ja auch nicht. Es kann gefährlich für Kinder werden«. Der Minister gab zu bedenken, dass es viele Fälle des sogenannten »Longterm-Covid« bei Kindern gebe, unter anderem Konzentrationsschwächen, Angstzustände und Atembeschwerden.

»Es ist auch nicht unzumutbar, ab einem gewissen Punkt eine vierte Impfkampagne für die Bevölkerung zu starten«, so der Gesundheitsminister. Allerdings wolle er noch nicht von einer fünften Welle sprechen. Dennoch: Sollten die Neuinfektionen auf über 1000 am Tag ansteigen, könnte es neue Restriktionen für das öffentliche Leben geben. »Und wenn tatsächlich eine neue Welle ankommt, bleibt es unsere Politik, schnellstens so viele Menschen wie möglich zu impfen – und gleichzeitig mit Covid zu leben.«  

Westjordanland

Das System der Gewalt

Wie extremistische Siedler und politische Kräfte das Gebiet destabilisieren – und warum Ex-General Gadi Shamni vor einer Eskalation warnt

von Sabine Brandes  10.09.2026

Meinung

Wahlkampf in Israel: Schluss mit der Schlammschlacht!

Niemand erwartet, dass Politiker einander mit Samthandschuhen anfassen. Aber eine Wahl in einer Demokratie ist keine Realityshow voller Gekreische

von Sabine Brandes  10.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  10.09.2026

Deutschland

Schoa-Überlebende und Antisemitismusbeauftragte rechnen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Maha El Hissy ab

Die Hintergründe

 09.09.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

Verteidigung

Nach Deal über VW-Werk: Israelische Rüstungsunternehmen wollen noch mehr in Deutschland investieren

Rafael und Elbit wollen die deutsch-israelische Zusammenarbeit bei der Produktion von Abwehrraketen und anderem Militärgerät erheblich ausweiten. Covenant will in Sachsen Marschflugkörper produzieren

 09.09.2026

Nachrichten

Basketball, Ärzte, Straßenbahn

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  09.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Tourismus

Chinesische Influencer für Israel

Vor dem Krieg reisten jährlich rund 150.000 Besucher aus dem Reich der Mitte in den jüdischen Staat. Die Regierung versucht nun, diese Zielgruppe zurückzugewinnen

von Sabine Brandes  09.09.2026