Israel/Gaza

Verhandlungen um Waffenruhe und Geiseldeal kommen nicht voran

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: POOL

Die Bemühungen um eine neue Feuerpause und Freilassung der Geiseln haben einen Rückschlag erlitten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist nicht bereit, eine Verhandler-Delegation zurück nach Kairo zu schicken, wo die Verhandlungen internationaler Vermittler an diesem Donnerstag weitergehen sollten.

Der Grund: die überzogenen Forderungen der Terrororganisation Hamas, die auch diesen Krieg begann und Israel laut ihrer Satzung auslöschen will. Bisher fordern die Terroristen, die die Kontrolle über Gaza weitgehend verloren haben, einen kompletten Abzug der israelischen Streitkräfte (IDF).

Außenministerin Annalena Baerbock rief bei ihrem Besuch in Israel – der fünfte seit dem 7. Oktober 2023 – zu einer erneuten Feuerpause in dem Krieg auf. Diese würde ein Zeitfenster eröffnen, »um die Geiseln freizubekommen und um mehr humanitäre Hilfe hineinzubekommen«, sagte Baerbock am Mittwoch.

Feuerpause und Freilassung

Die Ministerin rief nach Gesprächen in Jerusalem die palästinensischen Terroristen und den Staat Israel dazu auf, einen Vorschlag Katars und Ägyptens für eine Feuerpause und Freilassung weiterer Geiseln anzunehmen. Israels Regierungschef verlangt jedoch vor weiteren Verhandlungen ein Einlenken der Hamas.

»Ich bestehe darauf, dass die Hamas ihre wahnhaften Forderungen aufgibt. Wenn sie dies tut, werden wir in der Lage sein, voranzukommen«, sagte Benjamin Netanjahu am Mittwochabend.

Ranghohe Vertreter aus den USA, Israel, Katar und Ägypten hatten am Vortag in Kairo keine Einigung erzielt, sich aber auf eine Verlängerung der Gespräche auf niedrigerer Beamtenebene um drei Tage verständigt, wie die »New York Times« unter Berufung auf einen ägyptischen Beamten berichtete.

Sichere Korridore

Die israelische Delegation unter Leitung des Chefs des Geheimdienstes Mossad, David Barnea, reiste indes am Abend aus Kairo wieder ab. »In Kairo wurde kein neuer Vorschlag der Hamas für die Freilassung unserer Geiseln übermittelt«, sagte Netanjahu.

Er vertritt laut israelischen Medien den Standpunkt, dass eine Rückkehr zu den Gesprächen in Kairo keinen Sinn mache, solange die Hamas die Freilassung einer großen Zahl von palästinensischen Häftlingen im Gegenzug für die Geiseln fordere.

Neben den stockenden Verhandlungen kam bei Baerbocks Treffen in Israel die Situation in Rafah zur Sprache. Die Menschen dort benötigten »sichere Orte und sichere Korridore, um nicht noch weiter ins Kreuzfeuer zu geraten«, sagte die Bundesaußenministerin. Die Menschen in Rafah könnten sich »nicht einfach in Luft auflösen«, sagte sie erneut.

Einseitige Appelle

Am Mittwoch hatte die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) auch Baerbocks Position kommentiert. Die Organisation kritisierte die Forderung der Ministerin nach einer Streichung der Pläne für eine IDF-Offensive in Rafah – einer der letzten Hochburgen der Hamas im Gazastreifen.

»Wer einen Angriff auf Rafah vermeiden will, muss die Hamas dort zur Kapitulation, zur Übergabe der Geiseln und Abgabe der Waffen bewegen«, erklärte die DIG. »Hier ist außenpolitische Initiative gefordert, statt alle Appelle einseitig an Jerusalem zu richten.«

Baerbock sagte derweil in Israel, es müssten mehr Grenzübergänge geöffnet werden, damit mehr Hilfsgüter und Medikamente eingeführt werden könnten. Die UN-Mitarbeiter müssten sich außerdem auf Sicherheitsgarantien verlassen können, um weiterhin Hilfsgüter verteilen zu können. UNRWA, die für die Palästinenser zuständige UN-Unterorganisation, ist derzeit Gegenstand zweier Untersuchungen, da einige ihrer Mitarbeiter an den Massakern vom 7. Oktober beteiligt gewesen sein sollen.

Herzog und Gantz

Heute setzt Außenministerin Baerbock ihren Besuch in Israel fort. Die Grünen-Politikerin wird unter anderem am Morgen mit Israels Staatspräsident Isaac Herzog zusammenkommen. Zudem ist ein Treffen mit Benny Gantz, Minister im israelischen Kriegskabinett, geplant.

Bei den Gesprächen dürfte es weiterhin um die von Israel geplante Militäroffensive in Rafah sowie die humanitäre Lage der Zivilbevölkerung gehen. Baerbock will auch Angehörige der in Gaza weiter festgehaltenen Geiseln treffen. Am Donnerstagabend reist sie zurück nach Berlin. dpa/ja

Teheran/Tel Aviv

Israel greift Chameneis unterirdischen Bunker an

Ein Bunker im Herzen Teherans, genutzt von Irans Elite - jetzt war er Ziel eines israelischen Angriffs. Damit will Israel laut eigenen Angaben Irans Führung und deren Fähigkeiten weiter schwächen

 06.03.2026

Jerusalem

Ministerin will Sanktionen gegen israelische Justiz von Trump

Die Leiterin des Umweltressorts, Idit Silman, wendet sich auf X an den US-Präsidenten

von Sabine Brandes  06.03.2026

Alltag

Die Sache mit dem Duschen im Krieg

Die Webseite »canishower.com« will berechnen, wann das Risiko eines Raketenalarms gering genug ist, das Wasser aufzudrehen

von Sabine Brandes  06.03.2026

Nord-Israel

»Wir lassen uns nicht unterkriegen«

Lior Shelef ist Tourguide im Norden Israels. Doch jetzt hat er wieder die Uniform angezogen und beschützt als Chef des Sicherheitsteams seinen Kibbuz und seine Familie

 06.03.2026

Interview

»Wir haben die Lufthoheit«

Oberstleutnant (Reserve) Oren Leshem über die Erfolge der israelischen Luftwaffe, die Herausforderung für die Piloten und die Ziele im Iran-Krieg

von Detlef David Kauschke  06.03.2026

Sicherheit

Israel sieht erhöhte Anschlagsgefahr für seine Bürger im Ausland

Tausende Israelis sind derzeit im Ausland gestrandet. In den vergangenen Tagen sollen bereits Anschläge auf israelische Staatsbürger verhindert worden sein. Das Land spricht deshalb nun Warnungen aus

 06.03.2026

Israel

Schulen bleiben geschlossen

Während Schüler online unterrichtet werden, dürfen Unternehmen wieder Präsenzarbeit zuzulassen – unter einer Bedingung

 06.03.2026

Tel Aviv

»Michelle«: Israel stellt seinen Eurovision-Song 2026 vor

Das von Noam Bettan gesungene Lied kann man nun auch hören

 06.03.2026

Jerusalem

Israel Katz: Entscheidung für Tötung Khameneis fiel im November

Der Zeitplan für die Operation sei beschleunigt worden, nachdem landesweite Anti-Regime-Proteste im Iran den strategischen Rahmen verändert hätten, sagt Israels Verteidigungsminister

 06.03.2026