Nach Netanjahu-Absage

»Verhältnis wird sich nicht ändern«

Sigmar Gabriel wartet vor dem Treffen mit Reuven Rivlin. Foto: Flash90

Damit hatte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel nach eigener Auskunft nicht gerechnet: Wegen eines Treffens mit regierungskritischen NGOs hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ihn am Dienstagnachmittag kurzerhand ausgeladen. Gabriel zeigte sich über diese Brüskierung äußerst verwundert. Am Verhältnis zwischen Deutschland und Israel werde sich dadurch aber nichts ändern, sagte Gabriel.

Der Außenminister bedauere die Absage sehr, es sei aber auch »keine Katastrophe«, denn man werde sich sicherlich bald wieder einmal treffen oder miteinander telefonieren. »Doch wir dürfen nicht zum Spielball der Innenpolitik Israels werden«, fügte Gabriel hinzu. Netanjahu sei, wie Gabriel auch, der Außenminister des Landes, »und die sollten ja in jeder Situation miteinander reden«, merkte der Vize-Kanzler an.

NGO Das Büro Netanjahus veröffentlichte eine Presseerklärung, die mit dem Satz »Stellen Sie sich vor« begann. Würden ausländische Diplomaten die USA oder England besuchen und sich dort mit NGOs treffen, die deren Soldaten als Kriegsverbrecher bezeichneten, würden die Staatsführungen das sicherlich nicht hinnehmen, hieß es.

»Diplomaten können sich mit Vertretern der Zivilgesellschaft treffen, doch Premierminister Netanjahu wird sich nicht mit jenen treffen, die den Organisationen Legitimität verschaffen, die zu einer Kriminalisierung israelischer Soldaten aufrufen. Unsere Beziehung zu Deutschland ist sehr wichtig und wird davon nicht beeinträchtigt.«

Bei den NGOs handelt es sich um die linksgerichteten Organisationen »Breaking the Silence«, die von ehemaligen Soldaten –viele von ihnen kommen aus Kampfeinheiten – gegründet wurde, sowie um die Menschenrechtsorganisation B’Tselem.

Kritik Oppositionsführer Isaac Herzog kritisierte Netanjahu scharf: »Er flieht vom Spielfeld.« Er rief Netanjahu dazu auf, sich mit Gabriel zu treffen, ihn mit seiner Position vertraut zu machen, ohne Angst vor der ein oder anderen Organisation zu haben. Herzog warnte, dass der Premier mit seiner Ausladung die Verbindungen zu Europas größter Wirtschaft – und einem wahren Freund Israels – gefährde.

Andere Koalitionsminister, darunter Bildungsminister Naftali Bennett (Jüdisches Haus) und sein Kollege im Innenministerium, Arie Deri, unterstützen in den sozialen Netzwerken die Entscheidung des Regierungschefs.

Später am Dienstagmittag traf sich Gabriel mit Staatspräsident Reuven Rivlin und zeigte sich beeindruckt: »Wir waren sehr froh darüber, ein langes und ausführliches Gespräch mit dem Staatspräsident zu haben. Er hat zu Beginn und am Ende des Besuches darauf hingewiesen, dass dies ein demokratisches Land sei, in dem das Recht auf freie Rede herrsche. Das war bemerkenswert.«

Rivlin merkte auch an, dass man als Demokratie mit Kritik umgehen, doch diese realistisch sein müsse. »Unsere Armee ist die moralischste der ganzen Welt. Es ist eine Armee, die aus unseren Kindern besteht«, sagte der Präsident.

Westjordanland

Bericht: Autonomiebehörde zahlt weiterhin »Märtyrer-Renten«

Eigentlich hatte Mahmoud Abbas das Ende der international verurteilten »Pay for Slay«-Praxis verkündet. Laut einem Bericht von Palestinian Media Watch hat er gelogen

 12.02.2026

Gaza

Sicherheitsstillstand

Die Terrororganisation Hamas macht auch in der zweiten Phase des Waffenruhe-Abkommens klar, dass sie einer Entmilitarisierung nicht zustimmen wird

von Sabine Brandes  12.02.2026

Nachrichten

Botschafter, Kontrolle, Künstliche Intelligenz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  12.02.2026

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Gesellschaft

Gewalt in arabischen Gemeinden eskaliert: Fünf Tote in zwölf Stunden

Die Gewalt in arabischen Gemeinden Israels eskaliert. Der Polizeichef spricht von einem »nationalem Ausnahmezustand«

von Sabine Brandes  12.02.2026

Gaza

Israel meldet Tötung eines Terror-Drahtziehers

Basel Himouni, ein Hamas-Terrorist aus Hebron, hatte einen Anschlag auf Busse in Beerscheba im Jahr 2004 organisiert. Damals wurden 16 Israelisch ermordet und über 100 Menschen verletzt

 12.02.2026

Melbourne

Herzog warnt vor Judenhass in Australien

Der Staatsbesuch des israelischen Präsidenten löste Proteste im Land aus. Herzog sagte, er habe eine Botschaft des guten Willens nach Australien gebracht und hoffe auf eine Entspannung der Lage

 12.02.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Trump beharrt auf Deal, Netanjahu betont Sicherheitsinteressen

Beim Treffen zwischen dem US-Präsidenten und dem israelischen Ministerpräsidenten ging es um die Verhandlungen mit dem Regime im Iran, aber auch um die Lage im Gazastreifen

 11.02.2026

Jerusalem

Israel bereitet offenbar neue Offensive zur Entwaffnung der Hamas vor

Hintergrund ist die Einschätzung in Sicherheitskreisen, dass die palästinensische Terrororganisation ihre Waffen nicht freiwillig abgeben wird

 11.02.2026