Sanktionen

US-Einreiseverbot gegen Elor Azaria

Elor Azaria beim Antreten seiner Haftstrafe 2016 Foto: Flash 90

Der ehemalige israelische Soldat Elor Azaria darf nicht mehr in die USA einreisen. Am Mittwoch teilte das US-Außenministerium mit, dass es Visabeschränkungen gegen ihn und seine unmittelbaren Familienangehörigen »aufgrund seiner Beteiligung an einer schweren Verletzung der Menschenrechte« verhängt hat.

Azaria hatte im März 2016 in Hebron im Westjordanland einen palästinensischen Terroristen, der verwundet und unbewaffnet am Boden lag, mit einem Kopfschuss getötet. Die Debatte um die Tat des Soldaten hatte die israelische Gesellschaft gespalten. Während viele meinten, Azaria solle überhaupt nicht angeklagt werden, fanden andere, er hätte eigentlich wegen Mordes vor Gericht stehen müssen.

Azaria wurde wegen Totschlags verurteilt

2017 verkündeten die Richter Urteil und Strafmaß in dem sogenannten »Hebron-Fall«. Der des Totschlags für schuldig befundene Azaria musste für 18 Monate ins Gefängnis. Ein weiteres Jahr erhielt er auf Bewährung, außerdem wurde sein Rang heruntergestuft. Die Richter des Armeegerichts in Tel Aviv erklärten ihre Entscheidung damit, dass der Soldat, der in der Sanitätseinheit eingesetzt war, die Regeln der Armee verletzt und unprofessionell gehandelt habe.

Die Familie des Angeklagten sang nach der Verlesung des Strafmaßes die israelische Nationalhymne und nannte Azaria einen »Helden«. Der Ankläger Nadav Weisman erklärte indes, die Haftstrafe sei eine deutliche Botschaft an die Kommandanten, die Werte der Armee zu beachten.

»Beschränkungen sollen gegen diejenigen verhängt werden, die Gewalt gegen Personen oder Eigentum angewendet haben.«

Us-aussenministerium

Auch viele Politiker hatten sich in den Fall eingemischt: Die ehemalige Kulturministerin Miri Regev hatte sich an den damaligen Armeechef Gadi Eizenkot gewandt und gebeten, den Soldaten zu begnadigen. Ohne Erfolg. Azaria selbst hatte die Richter um Milde ersucht. Die Ankläger der Armee indes hatten eine härtere Strafe von drei bis fünf Jahren Haft gefordert.

Beschränkungen weiterer Personen geplant

Das amerikanische Außenministerium teilte außerdem mit, dass es plant, Beschränkungen gegen weitere Personen zu verhängen, von denen sie glaubt, dass sie dieselben Verbrechen begangen haben, die Azaria zugeschrieben werden.

Die Sanktionen sollen »gegen diejenigen verhängt werden, die Gewalt gegen Personen oder Eigentum angewendet oder den Zugang von Zivilisten zu wesentlichen Dienstleistungen und Grundbedürfnissen, einschließlich des Zugangs zu Nahrungsmitteln, Wasser, Strom oder medizinischen Vorräten, unangemessen eingeschränkt haben«.

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Bildung

Fragt mich!

Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour besucht regelmäßig Schulen. Hier erzählt er, wie aus Sprachlosigkeit ein offener Austausch über Antisemitismus, Israel und den Nahostkonflikt entstehen kann

von Ahmad Mansour  04.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  04.09.2026

Jerusalem

Netanjahu: Sturz des Regimes im Iran »zentrale Mission« Israels

»Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen«, sagt der Ministerpräsident

 04.09.2026

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  04.09.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 04.09.2026

Interview

»Die meisten arabischen Staaten wollen, dass Israel gewinnt«

Dan Schueftan gilt als wichtigster israelischer Sicherheitsexperte. Er sieht Jerusalem so stark wie nie zuvor – und Europa auf einem ideologischen Irrweg

von Detlef David Kauschke  03.09.2026

Umfrage

Umfrage: Netanjahu-Lager holt auf, beide Blöcke bei 53 Mandaten

Noch vor einer Woche hatte dieselbe Umfrage ein deutlich anderes Bild ergeben. Damals lag die Opposition mit 57 Sitzen vorn

 03.09.2026

Missbrauch

Razzia gegen Kinderehen

Die Polizei ermittelt gegen eine strengreligiöse sektenähnliche Gruppe wegen illegaler Hochzeiten von Minderjährigen

von Sabine Brandes  03.09.2026