Tourismus

Urlaub auf »grünen Inseln«

Traumurlaub: allein am Toten Meer Foto: Flash 90

Auf den Souvenirs sammelt sich der Staub, die Stühle und Tische der Restaurants sind unter Plastikplanen gestapelt, Hoteleingänge verriegelt. Die Strandpromenade der Badestadt Eilat bietet ein trauriges Bild. Besucher – ob einheimische oder aus dem Ausland – gibt es nicht. Die Tourismusindustrie in Israel ist durch die Corona-Pandemie vollständig zum Erliegen gekommen. Das Ministerium will sie nun mit einem neuen Plan wieder ankurbeln.

Dafür sind sowohl Eilat als auch die Gegend um das Tote Meer zu sogenannten grünen Inseln erklärt worden. Die Regierung hatte den Plan in der vergangenen Woche bereits angenommen. Demzufolge müsste jeder, der entweder nach Eilat oder ans Tote Meer will, einen aktuellen negativen Coronatest vorlegen und könnte dann dort urlauben.

Die neue Tourismusministerin Orit Farkash-Hacohen von Blau-Weiß erläuterte, dass dem Vorhaben sehr komplexe Gespräche mit dem Gesundheitsministerium vorausgegangen sind. »Es war eine große Anstrengung, das Vorhaben ins Kabinett und letztendlich in Bewegung zu bringen.« Farkash-Hacohen hatte das Amt von Assaf Zamir, ebenfalls Blau-Weiß, übernommen, der vor einigen Wochen aus Protest gegen die Regierungspolitik zurückgetreten war.

KONTAKT Vorgesehen ist, dass zuerst die Hotels in Eilat und am Toten Meer entsprechend den Hygienevorschriften des Gesundheitsministeriums öffnen dürfen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen weitere Einrichtungen und Geschäfte folgen, die von den Hotelgästen genutzt werden können.

Die Besonderheit der abgelegenen Region am Toten Meer erlaube einen sogenannten sterilen Bereich, in dem die negativ getesteten Besucher zusammenkommen können, ohne Risiko der Virus-Verbreitung. Außergewöhnlich sei zudem, dass es in der Gegend um die Hotelkomplexe in Ein Bokek keine lokale Bevölkerung gibt, die in Kontakt mit den Urlaubern kommen könnte.

Reisende müssten einen negativen Covid-Test vorlegen.

Ähnlich sei es mit der Badehochburg Eilat am südlichen Zipfel des Landes, direkt am Roten Meer. »Die Eigenschaften von Eilat und seine relative Isolation machen es möglich, dass die Einreise in die Stadt überwacht werden kann«, so die Ministerin.

Sie erwartet, dass die Entscheidung in den beiden Regionen viele Jobs wiederherstellen wird. Die Arbeitslosigkeit dort war auf bis zu 70 Prozent gestiegen. Eilat und das Tote Meer erzielen ihre Einkünfte fast ausschließlich aus dem Tourismus.

Die zweite nationale Abriegelung dauert bereits seit sieben Wochen an und wird nur langsam gelockert. Der erste Lockdown im Frühjahr hatte fast zwei Monate gedauert. Die Tourismusbranche hatte sowohl Pessach als auch die Hohen Feiertagen um Rosch Haschana und Sukkot in diesem Jahr verloren.

ARBEITSLOSE Noch immer sind sämtliche Unterhaltungsbetriebe, Restaurants und Läden im ganzen Land geschlossen. Viele Wirtschaftszweige verzeichnen einen enormen Schaden durch die Maßnahmen gegen das Coronavirus. Die Zahl der Arbeitssuchenden liegt bei fast einer Million, die Arbeitslosenrate lag Ende Oktober bei nahezu 23 Prozent.

Bereits vor dem zweiten Lockdown hatte der Bürgermeister von Eilat, Yitzhak Halevi, die Regierung in Jerusalem gebeten, seine Stadt von der Abriegelung auszunehmen. »Wenn die Leute nach Griechenland fliegen können, warum dann nicht nach Eilat?«, fragte er. Halevi hatte das Modell »Schutzschild Eilat« vorgestellt, das es Besuchern erlauben würde, hier Ferien zu machen.

»Unsere Stadt kann nicht noch eine wirtschaftliche Krise überstehen, denn unsere gesamte Wirtschaft hängt vom Tourismus ab«, warnte er. Sogar nach der Wiedereröffnung im Juli und August gab es noch mehr als 30 Prozent Arbeitslosigkeit, von 6700 Geschäften in der Stadt hatten etwa 900 ihre Pforten nicht wieder geöffnet. Die Kosten für den zweiten Lockdown gibt der Bürgermeister mit »mehr als 250 Millionen Euro im Monat« an.

schnelltest »Schutzschild Eilat« plant, sechs bis acht Schnelltest-Stationen an den Eingängen der Stadt aufzustellen für jene, die mit dem Auto anreisen. Leute, die vom Ben-Gurion-Flughafen bis nach Eilat fliegen, würden dort getestet. Jene, die positiv sind, werden an das Yoseftal-Krankenhaus weitergeleitet, um dort einen PCR-Test durchzuführen. »Und wer dann positiv ist, wird isoliert.« Zudem sollen die Angestellten der Hotels und Gastronomiebetriebe regelmäßig auf Covid-19 getestet werden.

Mittlerweile demonstrieren auch Ladeninhaber gegen die Regierungspolitik und schließen sich den Anti-Netanjahu-Protesten an. Die bringen jedes Wochenende Tausende von Menschen in mehreren Städten auf die Straße. Slogan der Geschäftsleute ist: »Eine halbe Million Geschäfte wird künstlich beatmet. Wir kriegen keine Luft mehr.«

Sie beklagen sich, dass Synagogen seit dem 1. November wieder geöffnet sind, Läden jedoch nicht. Das Kabinett hatte erklärt, dass voraussichtlich ab 8. November wieder Kunden im Einzelhandel bedient werden dürfen.

PILGER Mit den »grünen Inseln« könnten 30 Prozent der Tourismusindustrie wiederbelebt werden, nimmt Farkash-Hacohen an. Das ist der Anteil der Hotelzimmer in den beiden Regionen insgesamt. Die weiteren 70 Prozent befinden sich in den restlichen Teilen des Landes, in Jerusalem, Tel Aviv und anderen Orten.

Allerdings, ist sie sicher, sei die Bestätigung der Regierung lediglich der erste Schritt in die richtige Richtung. »Es braucht mehr Gesetzgebung und einen Mechanismus, der die Dinge voranbringt. Wir arbeiten mit verschiedenen Ministerien und den Leitern der lokalen Behörden zusammen, um Rahmenvereinbarungen zu testen.«

Während des Lockdowns werden zahlreiche Stätten renoviert.

Wann die Pläne in die Tat umgesetzt werden, ist noch unklar. »Es gibt für mich keinen Zweifel, dass trotzdem die gesamte Branche geöffnet und der einheimische Tourismus sofort wiederhergestellt werden muss.«

flüge Bis zur Ankunft ausländischer Gäste werden sich die Angestellten in der Tourismusbranche noch länger gedulden müssen. »Und so sind die bunten, lebendigen Straßen Jerusalems, auf denen die Touristen umherlaufen, ein weiteres Opfer von Corona. Wir warten auf den Tag, an dem die Himmel wieder geöffnet sind und die Flüge ins Heilige Land weitergehen«, sagte Farkash-Hacohen auf dem christlichen Mediengipfel, der in diesem Jahr virtuell stattfand.

Die »Zwangspause« nutze Israel, um verschiedene Stätten zu renovieren oder neu zu gestalten, damit »zukünftige Besuche noch besser werden als vorher«. Für viele Pilger sei eine Israelreise nicht nur Urlaub, sondern eine transformierende, inspirierende und lang andauernde Erfahrung.

Farkash-Hacohen ist sicher: »Die Verbindung Israels mit der christlichen Welt ist nicht zu zerbrechen. Auch nicht durch eine Pandemie oder Wirtschaftskrise. Und das Beste, was Sie für Israel tun können, ist es, bald wieder herzukommen.«

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