Knesset

Unter Vorbehalt

»Wir sind hier, um alle zu vertreten«: Benny Gantz Foto: Flash90

Nur Stunden, nachdem das Mandat der Regierungsbildung an den Chef der Zentrumsunion übergegangen war, setzte sich Benny Gantz ans Telefon und lud die einzelnen Parteivorsitzenden zu Gesprächen ein. Er wolle jetzt eine Einheitspartei für die »nationale Aussöhnung« bilden, angeführt von Blau-Weiß, versprach er.

Seine Koalition sei offen für alle, außer Rassisten und jenen, die Gewalt propagieren. »Ich werde alles tun, um eine Regierung für die Heilung der Gesellschaft zu schaffen, die die Stämme vereint«, sagte er. »Wir sind hier, um alle zu vertreten: die Charedim, mit denen wir zusammensitzen und wie mit Brüdern sprechen müssen, die arabischen Bürger, unsere drusischen Brüder und alle anderen.«

Auch Präsident Reuven Rivlin betonte, dass es möglich sei, eine Regierung zu bilden: »Es gibt keine Rechtfertigung für einen neuen, einen dritten Wahlgang. Wird keine Regierung zustande kommen, muss die israelische Öffentlichkeit den Preis dafür zahlen.«

BLOCK Auch der Likud mit Interimspremier Benjamin Netanjahu soll Teil der Koalition sein. Der bestätigte ein Treffen in den nächsten Tagen, allerdings betonte er, nur als Block gemeinsam mit den religiösen und kleineren Rechtsparteien verhandeln zu wollen. Damit scheint sich allerdings in Sachen Annäherung nichts getan zu haben, denn genau diese Prämisse des Likud hatte Blau-Weiß bereits vor den Wahlen am 17. September ausgeschlossen. Und tut es noch immer.

Auch Netanjahus Likud soll Teil der Koalition sein.

In den Gesprächen mit Netanjahu, Avigdor Lieberman von Israel Beiteinu, Amir Peretz vom Bündnis Arbeitspartei-Gescher und Nitzan Horowitz vom Demokratischen Lager betonte Gantz, »eine breite Einheitsregierung« auf die Beine stellen zu wollen. Alle seien bereit zu Treffen. In den Telefonaten mit den restlichen Parteien, darunter die religiösen, die Teil von Netanjahus Block sind, ließ Gantz diesen Satz offenbar weg. Der Vorsitzende der ultraorthodoxen Partei Vereinigtes Tora-Judentum, Yaakov Litzman, gab direkt an, kein Interesse an einem Gespräch zu haben, da er sich von Netanjahus Block bereits vertreten sieht.

ALTERNATIVE Der Leiter der Vereinten Arabischen Liste, Ayman Odeh, der zuvor ausgeschlossen hatte, Teil einer Koalition von Gantz zu werden, gab sich diplomatischer mit dem Satz, dass »alle Möglichkeiten auf dem Tisch liegen, wenn wir eine reale Alternative für Frieden und Gleichheit sehen«.

Mit der Übergabe des Mandats zur Regierungsbildung an den Chef von Blau-Weiß durch Präsident Rivlin ist es das erste Mal in zehn Jahren, dass Netanjahu dieses Recht abgenommen wurde. Derzeit laufen die Anhörungen vor Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit, der dann entscheiden wird, ob und in wie vielen Fällen der Ministerpräsident wegen Korruption angeklagt wird. »Ich wende mich heute Abend an Netanjahu«, so Gantz nach der Zeremonie beim Präsidenten. »Ich kenne Sie seit vielen Jahren und wünsche, dass Sie sauber aus den juristischen Herausforderungen herausgehen werden.«

Sofort nach dem Ende des Schabbats sollen die ersten Gespräche mit Blau-Weiß beginnen. Gantz und sein Team haben nun 28 Tage Zeit, um eine Regierung zu bilden.

Prognosen

Wende, Patt oder Weiter so?

Die Knessetwahl stellt dem Land eine neue Regierung in Aussicht - doch die Koalitionsbildung könnte erneut zum Machtpoker werden

von Sabine Brandes  24.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt kommende Woche über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  24.10.2026

Westjordanland

Zwei israelische Soldaten sterben bei Terroranschlag

Ron Yonatan Roytman (23) und Yuval Shai Svilem (20) erlagen ihren Verletzungen. Drei weitere IDF-Soldaten wurden in dem Feuergefecht verletzt

 23.10.2026

Terroranschlag bei Hebron

Netanjahu kündigt größte Militäraktion im Westjordanland seit 1967 an

»Die gesamte terroristische Infrastruktur wird aufgespürt und zerstört«, erklärt der Ministerpräsident am Anschlagsort im Westjordanland

 23.10.2026 Aktualisiert

Westjordanland

Terroranschlag nahe Hebron: Was bislang bekannt ist

Bei dem Angriff starben zwei israelische Soldaten, drei wurden verletzt. Die Angreifer konnten getötet werden

 23.10.2026 Aktualisiert

Demokratie

Auf der Zielgeraden

Am 27. Oktober werden die Parteien anhand von Buchstaben auf den Wahlzetteln gewählt. Politische Notizen und Personalien

von Sabine Brandes  23.10.2026

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 23.10.2026

Westjordanland

Israel macht Hamas für Anschlag bei Hebron verantwortlich

Drei Menschen wurden bei dem Angriff auf einen Kontrollposten im Westjordanland verletzt, zwei getötet. Die Terroristen sollen der Hamas angehört haben

 23.10.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

Angehörige der Opfer des 7. Oktober wollen Wähler an Schicksale erinnern

Zu den Teilnehmern gehört Jochewed Lifschitz, die zusammen mit ihrem Mann Oded nach Gaza verschleppt worden war. Die Hamas ermordete ihn in Geiselhaft

 23.10.2026