Umwelt

Unser Strand soll sauber werden

Rekordverdächtig: Viele Freiwillige machten mit beim »World’s Biggest Beach Clean-Up« am vergangenen Freitag. Foto: Sabine Brandes

Mit einem großen Sonnenhut auf dem Kopf geht Maayan Levi am Strand von Tel Aviv wieder und wieder in die Knie. Doch es ist keine Gymnastik vor rauschender Meereskulisse. An der Bikinihose der jungen Frau baumeln zwei schwarze Tüten, die zusehends voller werden. Es ist Müllsammeltag an Israels Stränden.

Die Initiative »World’s Biggest Beach Clean-Up« (»weltgrößte Strand-Säuberung«) am vergangenen Freitag brachte mitten in der Corona-Pandemie insgesamt 18.000 Menschen nach draußen. Gesammelt wurde an 122 Stränden, von Norden bis Süden entlang der Mittelmeerküste, dazu rund um den See Genezareth und das Rote Meer bei Eilat – ausgerüstet nicht nur mit Müllbeuteln, sondern auch mit Handschuhen und Masken entsprechend der Hygienevorschriften in diesen Tagen der Pandemie.

An 122 Stränden von Norden bis Süden wurde gesammelt.

Levi brachte ihren Freund mit, mit dem sie drei Stunden hoch motiviert Abfall aufhob. »Ich bin mir nicht zu fein dafür. Wir lieben den Strand und kommen mindestens einmal die Woche her. Also müssen wir auch auf ihn aufpassen«, sagt sie, während sie die »schätzungsweise hundertste Kippe« aus dem Sand fischt.

»Wir finden vor allem kleinen Müll wie Zigaretten und Flaschendeckel. Aber auch viele Plastikfetzen, die oft unter der obersten Schicht versteckt liegen. Die landen oft im Wasser, wo Tiere daran ersticken. Das ist grausam, und wir Menschen sind dafür verantwortlich. Nur, weil wir zu faul sind, zum Abfalleimer zu gehen.«

MIKROPLASTIK »Wenn man durch den Sand läuft oder sich nur auf ein kleines Plätzchen konzentriert, etwa auf seiner Decke, fällt es einem vielleicht gar nicht so auf. Aber die winzigen Überreste, das sogenannte Mikroplastik, sind praktisch überall.« Letitia Piattelli leitete die Gruppe am Frishman-Strand in Tel Aviv.

Sie ist Gründerin von »Israel Antiplastik« und begeistert vom Enthusiasmus der freiwilligen Helfer. »Es sind Mitglieder von 18 verschiedenen Umweltorganisationen, die hier zusammengekommen sind, dazu Leute, die in keiner Weise organisiert sind. Das ist fantastisch.«

Besonders wichtig findet sie neben der Aktion, die den Müll beseitigt, den Lerneffekt. »Wir müssen die Umwelt ins Bewusstsein der Kinder bringen, denn Israel hinkt in Sachen Naturschutz noch immer hinterher. Das Müllsammeln ist dafür der perfekte Anlass.«

Rund 12.000 Freiwillige waren von den Veranstaltern erwartet worden, 18.000 kamen.

Rund 12.000 Freiwillige waren von den Veranstaltern erwartet worden, 18.000 kamen. Ein riesengroßer Erfolg – und ein Weltrekord, wie Piattelli bestätigt. Ob man damit ins Guinness-Buch der Rekorde kommt, ist allerdings noch fraglich, denn nach Angaben der Veranstalter kostet ein Eintrag mehrere Tausend Dollar. Und diese Summe kann wahrscheinlich keine Gruppe aufbringen.

ABWECHSLUNG Aber das sei auch gar nicht das Wichtigste. Etwas anderes stand im Vordergrund: »Es war eine sehr israelische Veranstaltung«, meint Piattelli und schmunzelt, »ein bunter Mischmasch aus Kindern von lokalen Schulen, Studenten, Soldaten, Mitgliedern der Pfadfinder, Rentnern, Soldaten und sogar Botschaftsangestellten. Und alle gruben voller Elan zum Teil ziemlich eklige Dinge aus dem Sand. Es gab eine große Solidarität für den Umweltschutz, das ist sehr ermutigend.«

Zudem, findet sie, war es für viele eine gelungene Abwechslung zur Pandemie. »Man kann sich nicht immer nur mit dem Coronavirus beschäftigen. Es gibt noch andere Dinge im Leben. Wichtige Dinge.«

Jedes Jahr werden rund acht Millionen Tonnen Plastik in der ganzen Welt ins Meer geworfen, geben internationale Umweltverbände an. Eine israelische Studie aus dem vergangenen Jahr zeigte, dass 70 Prozent des Mülls von Verpackungen und ähnlichen Dingen stammen.
Die Aktivistin selbst hatte Siebe mitgebracht, um den Teilnehmern das Thema Mikroplastik näherzubringen und zu zeigen, wie verschmutzt der Küstenstreifen tatsächlich ist.

siebe Viele siebten Sand, der auf den ersten Blick recht sauber aussah, und waren entsetzt, dass tatsächlich eine große Menge Plastik im Netz hängen blieb. Denn Reinigungskräfte der Stadtverwaltung säubern den Strand zwar regelmäßig, doch hauptsächlich von großem Abfall. Kleines bleibt oft liegen. Dieses »Kleine« brachte insgesamt 62 Tonnen auf die Waage – an nur einem Tag.

Studenten analysieren die Zusammensetzung des Mülls.

Wichtig ist den Veranstaltern jetzt die Auswertung im Anschluss an die Aktion, denn es soll nicht beim bloßen Sammeln bleiben. Um die Zusammensetzung des Mülls zu analysieren, hatten Studenten der Fakultät für Umweltwissenschaften an der Universität Tel Aviv eine App entwickelt, auf der die Art des Abfalls eingetragen wurde.

Die mit Abstand größte Menge waren Zigarettenkippen (48 Prozent), gefolgt von Flaschenverschlüssen (acht Prozent), Einmalgeschirr, Verpackungsmaterial und Hygieneartikeln (jeweils sieben Prozent). Neu für die Sammler waren Masken und Gummihandschuhe – eine Erinnerung an das Coronavirus.

zukunft Die Daten sollen an die Politik weitergegeben werden, damit neue Umgangsweisen und Gesetzesänderungen vorgeschlagen werden können. Die Veranstalter wollen langfristig »einen fundamental anderen Umgang mit Stränden und den Meeren« erreichen. »Denn das Problem des Plastikabfalls kann nicht länger ignoriert werden. Die Zukunft ist schon hier, und wir wollen, dass unsere Nachkommen die Strände sauber genießen können.«

»Wir möchten mit der Aktion in erster Linie aufrütteln«, macht Umweltaktivistin Piattelli noch einmal klar. »Damit jeder, der mit seiner Decke und dem Picknickkorb kommt, ein anderes Bewusstsein für die Natur entwickelt und unsere Strände sauber hält.«

Natur

Die Kraniche sind da!

Im Hula-Tal hat der alljährliche Herbstzug begonnen – Millionen weiterer Zugvögel werden in den kommenden Wochen erwartet

von Sabine Brandes  06.10.2026

Israel

Netanjahu: »Es wird keine Hamas-Herrschaft geben«

Bei dem Gedenken der Opfer des Hamas-Massakers vor drei Jahren droht der Ministerpräsident den an dem Überfall beteiligten Terroristen

 05.10.2026

Terroranschlag

Rückholflüge aus den Emiraten haben begonnen

Aktion beginnt nach der Beilegung eines Streits über Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen von Dubai

von Sabine Brandes  05.10.2026

Luftfahrt

Rücktritt von Transportministerin Regev gefordert

Oppositionspolitiker wollen, dass Miri Regev wegen des »Flydubai-Desasters« Verantwortung übernimmt und ihren Posten räumt

von Sabine Brandes  05.10.2026

Fußball

Irischer Fitness-Trainer wirft Israel Spuckattacke vor

Irland gegen Israel war eine Nations-League-Paarung, die seit der Auslosung für viel Unruhe gesorgt hat. Beim Rückspiel gibt es nun Vorwürfe zu einem extrem unsportlichen Verhalten

 05.10.2026

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026