»Strippergate«

Unerwünschte Schlagzeilen

Gemeinsam unterwegs: Yair, Sara und Benjamin Netanjahu im Jahr 2016 Foto: Government Press Office

Dieser Tage macht Yair Netanjahu, der älteste Sohn des israelischen Regierungschefs, Schlagzeilen, sodass die wichtigsten internationalen Medien wie die New York Times, Haaretz, der Spiegel, die Washington Post oder CNN über ihn berichten. Doch es sind wohl kaum die News, die sich seine Eltern für ihn gewünscht hätten und die unter dem Schlagwort »Strippergate« zusammengefasst werden.

Seitdem der Mitschnitt einer Unterhaltung auf dem Weg von einem Tel Aviver Stripklub zum nächsten zwischen Yair Netanjahu und zwei Freunden im Fernsehen ausgestrahlt wurde, wird in Israel über wenig anderes gesprochen. Ein ehemaliger Fahrer hatte die anstößige Unterhaltung im Sommer 2015 aufgenommen. Die Sicherheitsfirma, die ihn damals beschäftigte, erstattete nun Anzeige gegen den Fahrer, da er das Gespräch wahrscheinlich illegal mitschnitt.

Tycoon Darin geht es neben Besuchen in Stripklubs und Preisen von Prostituierten auch um einen Deal, den Benjamin Netanjahu dem Vater des Freundes vermittelt haben soll. »Mein Vater hat deinem 20 Milliarden Dollar verschafft. Er hat sogar in der Knesset dafür gekämpft«, prahlt Yair. Besagter Freund ist der Sohn des Gas-Tycoons Kobi Maimon, Ori. Weiterhin bat Yair, in Manier eines Zuhälters, seine ehemalige Freundin den mitfahrenden Freunden an, »denn auf diese Art begleiche ich meine Schulden«. Die Ex postete kurz darauf, dass sie vollends angewidert sei und sich schäme, jemanden gedatet zu haben – wenn auch nur kurz –, der »derart dunkle Gedanken über Frauen hegt«.

Die Israelis sind wenig erfreut darüber, dass der Sprössling des Premiers über einen eigenen Fahrer und Bodyguards verfügt – alles natürlich auf Staatskosten –, die ihn von einem zwielichtigen Etablissement zum nächsten chauffieren und auch zusehen müssen, wenn der 26-Jährige einen Lapdance bestellt.

Es ist nicht das erste Fettnäpfchen, in das der junge Netanjahu tritt. Vor nicht allzu langer Zeit zeigte er einem anderen Israeli den Finger, als dieser ihn aufforderte, den Kot des Familienhundes aufzusammeln, wie es das Gesetz in Israel vorschreibt. Außerdem teilte er eine antisemitische Karikatur auf Facebook, die ihm prompt Lob von Neonazis in den USA einbrachte.

Hausarrest Dabei präsentierten Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara ihren Sohn stets als Vorzeigekind der Familie. Einer, der in die politischen Fußstapfen seines Vaters treten könnte. Es gibt kaum einen offiziellen Staatsgast, den Yair nicht kennenlernen durfte. Doch jetzt hat er Hausarrest. Eigentlich hätte Yair zur 130 Kopf starken Handelsdelegation gehören sollen, die am Montag zur Visite nach Indien reiste.

Doch Mama und Papa flogen ohne ihn ab. Sonderlich zu schämen scheint sich Letzterer allerdings nicht. Die Berichterstattung sei nichts als heuchlerischer und bösartiger Klatsch über seinen Sohn, der nach einer durchzechten Nacht Witze gemacht habe.

Yair Netanjahu selbst entschuldigte sich am Tag nach der Veröffentlichung der Mitschnitte im Internet: »Ich habe Dinge gesagt, die ich besser nicht gesagt hätte. Diese Bemerkungen reflektieren nicht das, was ich bin, oder die Werte, mit denen ich erzogen wurde.« Viele Israelis, die die Eskapaden der Netanjahu-Familie über die Jahre verfolgen, indes sind sicher: Sie tun genau das.

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