Gesetzesinitiative

»Unerträgliche Verharmlosung«

In Opferpose: Charedi-Demo im Jahr 2013 Foto: Reuters

Sie wollen Vorreiter sein. »Wenn wir die Nazisymbole nicht verbieten, wie können wir erwarten, dass es andere tun?« Mit diesen Worten präsentierte der Abgeordnete Schimon Ochayon (Likud) den Vorschlag zum Verbot von Hakenkreuzen, gelben »Judensternen« und Häftlingskleidung, wie sie Menschen in den Todeslagern der Nazis tragen mussten. Am Sonntag stimmte das Ministerkomitee der Gesetzesinitiative zu.

»Verstärkt stellen Neonazigruppen, die diese Symbole benutzen, eine Gefahr für Juden in der ganzen Welt dar«, erläuterte der Parlamentarier. »Wir müssen sie daher verbannen.« Auch die Benutzung des Wortes »Nazi« als Schimpfwort soll zukünftig untersagt sein. Das Verbot bezieht sich sowohl auf mündliche wie schriftliche Verleumdung. Dabei ist es egal, ob eine Person, eine Gruppe oder eine ganze Organisation gemeint ist.

Ebenso unter Strafe gestellt werden soll das Tragen von Kleidung, die an die Häftlingsuniformen in den Konzentrationslagern erinnert. Auch das Anstecken des gelben Sterns, den die Nazis den Juden zur Identifikation aufzwangen, ist nicht mehr erlaubt. Bei Zuwiderhandlung kann Haft bis zu einem halben Jahr sowie eine Geldstrafe von 20.000 Euro verhängt werden.

Paranoia In der Vergangenheit hatten nicht selten jüdische Siedler die Symbole der Nazis verwendet, um ihren Protesten Nachdruck zu verleihen. Vor allem bei der Räumung illegaler Bauten auf palästinensischem Land hatten sie sich gelbe Stoffsterne mit dem Wort »Jude« ans Revers gesteckt oder sogar ihren Kindern gestreifte Häftlingskleidung angezogen. Auch ultraorthodoxe Juden nehmen den Begriff »Nazi« oft in den Mund, um gegen Sicherheitskräfte Stimmung zu machen.

Tamar El-Or, Sozialwissenschaftlerin an der Hebräischen Universität, weiß warum: »Das hat Tradition. Diese Menschen wachsen ohne reale Informationen, stattdessen mit Hass und Paranoia auf. Zionisten und moderne Israelis werden als Gojim und Nazis angesehen. Das ist es, was sie von ihren Eltern gehört haben, und das ist, was sie ihren Kindern erzählen.«

Ochayon will dagegen vorgehen. »Leider hat die Verwendung von Nazisymbolen und Schimpfwörtern in unseren Alltag Einzug gehalten. Diese Verharmlosung in Politik und Öffentlichkeit, ohne jegliche Rücksicht auf Schoa-Überlebende und ihre Familien ist unerträglich und muss geächtet werden.«

Nahost

Trump verkündet zehntätige Waffenruhe im Libanon

Zuvor habe es Gespräche mit Israels Premier Netanjahu und Libanons Präsidenten Aoun gegeben

 16.04.2026 Aktualisiert

Hintergrund

Hickhack um Friedensgespräche - und eine zehntägige Feuerpause

Nachdem Präsident Trump direkte Verhandlungen erzwingen wollte, setzte er sich schließlich mit einem Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah durch

von Sabine Brandes  16.04.2026

Kriminalität

Großrazzien gegen Unterweltclans

Die israelische Polizei geht landesweit gegen vorwiegend arabische organisierte Verbrecherstrukturen vor

von Sabine Brandes  16.04.2026

Wetter

Hochsommer im April

Hitzewelle lässt Temperaturen in Israel auf bis zu 40 Grad steigen – Meteorologen sprechen von ungewöhnlich frühen Extremwerten

von Sabine Brandes  16.04.2026

Diplomatie

Libanons Präsident Aoun will nicht mit Netanjahu telefonieren

Eigentlich befinden sich Israel und der Libanon im Kriegszustand. Einige Zeichen deuten auf einen möglichen Durchbruch hin im Konflikt mit der Hisbollah. Aber Hürden bleiben

 16.04.2026

Studie

Israelische Forscher sehen Zusammenhang zwischen Corona-Infektion und Lungenkrebs

Das Spike-Protein des Coronavirus könnte nach Angaben der Autoren schädliche Prozesse im Lungengewebe auslösen

 16.04.2026

Gaza

Hamas bestätigt direkte Gespräche mit US-Vertreter

Erstmals seit der Waffenruhe sprechen Vertreter der Hamas und ein US-Berater direkt miteinander – doch die Fronten bleiben erwartungsgemäß verhärtet. Was fordert die palästinensische Terrororganisation, und was sind Israels Bedingungen?

 16.04.2026

Israel

Willkommen im Wahlkampf

Naftali Bennett und Gadi Eizenkot holen in Umfragen auf

von Sabine Brandes  16.04.2026

Jerusalem

Netanjahu: Israel auf mögliche Fortsetzung des Iran-Krieges vorbereitet

»Wir wollen, dass das angereicherte Material des Iran entfernt wird, und wir wollen die Beseitigung seiner Anreicherungskapazitäten im Iran«, sagt der Ministerpräsident

 16.04.2026