Jerusalem

»Toda raba, chawer jakar«

US-Präsident Obama spricht die letzten Worte am Grab von Schimon Peres. Foto: dpa

Mr. Israel ist beerdigt. »Du warst unser Herz. Das große Herz, das dieses Land geliebt hat, dieses Volk und alle Menschen« – Worte von Präsident Reuven Rivlin über seinen Vorgänger, den neunten Präsidenten Israels und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres sel. A. In einer bewegenden Trauerfeier auf dem Jerusalemer Herzlberg erwiesen am Freitagmorgen die drei Kinder, drei Enkel und sechs Urenkel ihrem Familienältesten sowie Staatsoberhäupter aus 70 Ländern dem weltweit hochgeschätzten Politiker die letzte Ehre.

Viele konnten ihre Tränen nicht zurückhalten, als Angehörige und Freunde über ihre Erlebnisse mit Peres erzählten, ihrer Liebe zu dem Menschen hinter dem Politiker Ausdruck verliehen. In der ersten Reihe saßen Peres’ Tochter Tsvia, seine Söhne Chemi und Yoni mit ihren Familien, dazwischen die Staatsspitze Israels mit Premier Benjamin Netanjahu und Präsident Reuven Rivlin sowie die Oberhäupter aus den verschiedenen Ländern der ganzen Welt: US-Präsident Barack Obama, König Felipe VI. aus Spanien, Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, Prince Charles aus Großbritannien und andere. Bevor die Reden begannen, sprach Prince Charles von einem »großen Brückenbauer«.

vision Rivlin machte den Auftakt bei den Grabreden, erinnerte an einen großen Staatsmann und seinen Freund. »Jetzt, wo ich meine letzten Worte an dich richte, Schimon, suchen meine Augen nach dir, mein lieber Bruder. Doch du bist nicht mehr da. Stattdessen bist du jetzt bei den Vorvätern in dem Land, das du so liebtest. Doch deine Träume bleiben, und dein Glaube ist unzerstört. Als ein Einzelner hast du eine ganze Nation auf den Flügeln der Vision getragen. Wir vermissen dich schon jetzt. Ruhe in Frieden, Herr Präsident!«

Regierungschef Benjamin Netanjahu begann auf Englisch in Anerkennung der Delegationen, die von überall her angereist waren. »Dass so viele Oberhäupter aus der ganzen Welt nach Israel gereist sind, um sich von Schimon zu verabschieden, ist ein Beweis für seinen Optimismus, seine Bemühungen für den Frieden, seine Liebe zu Israel.«

Tief gerührt zeigte sich auch sein enger Freund, der einstige US-Präsident Bill Clinton: »Ich fühle mich geehrt, dass ich hier darüber sprechen darf, was er einem Menschen bedeutet hat, der nicht Teil dieses Landes ist. Schimon wollte das Beste für alle Kinder: die israelischen Kinder, die seiner Nachbarn und die der ganzen Welt.« Zu Peres’ 90. Geburtstag habe ein Chor aus jüdischen und arabischen Kindern »Imagine« von John Lennon gesungen, erinnerte sich Clinton. »Doch Schimon konnte sich immer alles vorstellen ...« Sein Herz sei noch größer gewesen als sein Verstand: »Und das sagt alles.«

höhepunkt Der emotionale Höhepunkt war das gesungene Gebet »Avinu Malkeinu« des Tenors David D’Or. Als die Zeilen erklangen, ließen viele ihren Tränen freien Lauf. Lied und Sänger hatte sich Peres selbst ausgesucht.

»Er war kein gewiefter Politiker, aber ein großer Staatsmann und ein Mensch, den ich sehr geliebt habe«, erinnerte sich einer seiner engsten Freunde, der Schriftsteller Amos Oz. »Und er war der festen Überzeugung, dass es keine andere Möglichkeit gibt als den Frieden. Denn weder wir noch die Palästinenser haben ein anderes Haus. Wir müssen das Haus in zwei Wohnungen für zwei Familien aufteilen.« Aber, so Oz weiter, man habe nicht immer über Politik geredet. »Wir haben viel über das Leben des Herzens und der Seele gesprochen. Jeden Freitag um 17 Uhr telefonierten wir. Es gab keinen Freitag, an dem wir nicht gesprochen haben. Und diese Gespräche werden für mich weitergehen – immer.«

Seine drei Kinder Tsvia Walden, Chemi und Yoni Peres bedankten sich bei den Anwesenden für ihr Kommen. Es hätte den Verstorbenen sehr glücklich gemacht. Doch sie erinnerten vor allem an den, der Schimon Peres für sie war: ihr geliebter Vater. Tsiva Walden erzählte davon, von wie viel Liebe ihr Zuhause geprägt war und wie sehr ihr Vater die Menschen respektiert und geliebt habe. Yoni Peres habe ihn einmal gefragt, was er sich als Inschrift für seinen Grabstein wünsche. »Ohne Zögern sagte er: ›Er war zu jung zum Sterben‹. Und tatsächlich fühle ich genau das, geliebter Vater, du bist zu früh von uns gegangen. Du hättest noch so viel tun können.«

verlust »Ich habe dir gesagt, dass ich dich liebe. Doch ich wusste nie, wie sehr«, verabschiedete sich sein Sohn Chemi. »Erst der Schmerz des Verlustes und der Trennung, der uns jetzt umgibt, lässt mich verstehen. Auf Wiedersehen, mein Mentor und Lehrer, mein geliebter Vater und Großvater. Wir werden den Weg des Lichts weitergehen, den du uns vorgezeichnet hast.«

Der amerikanische Präsident Obama sprach die letzten Worte – auch so hatte Schimon Peres es sich gewünscht. Er begrüßte die Staatsoberhäupter und hob besonders Palästinenserpräsident Abbas hervor. »Seine Anwesenheit hier ist Erinnerung daran, dass die Angelegenheit des Frieden noch unvollendet ist«, mahnte er.

Danach wurde Obama persönlicher: »Ich war der zehnte amerikanische Präsident, der dem Charme von Schimon Peres verfallen war. Wir saßen unter dem Porträt von George Washington. Manchmal sprach er von der Vergangenheit, doch öfter von der Gegenwart. Von seiner Arbeit und dem Wunder seiner Enkel und Urenkelkinder. Immer aber sprach er mit Tiefe und Wissen.« Er habe die Treffen mit ihm sehr geschätzt. Sie hätten die Liebe zu Worten, Büchern und Geschichte geteilt. »Wir beide haben unwahrscheinliche Leben gelebt. Es war so überraschend, wenn man sich vor Augen führt, wo unsere Leben begonnen haben. Doch wir waren hier, weil wir in gewisser Weise die eindrucksvolle Geschichte unserer Länder widerspiegelten.«

»Niemals war Schimon zynisch. Er wählte immer das Leben. Lasst uns alle das wählen, was er immer wählte.« Der amerikanische Präsident legte seine Hand auf den Sarg, der in die blau-weiße Flagge des isralischen Staates gehüllt war. »Toda raba, chawer jakar – Vielen Dank, lieber Freund!«

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