Nachruf

Theaterikone aus Köln-Porz

Vor einem Jahr erst hatten ihr die Kollegen vom Cameri-Theater eine Riesenfete geschmissen – zu ihrem 90. Geburtstag und ihrer jahrzehntelangen Ensemble-Zugehörigkeit. Jetzt ist die Grande Dame des israelischen Theaters tot. Die Schauspielerin Orna Porat starb am Donnerstag vergangener Woche im Alter von 91 Jahren nach langer Krankheit.

»Wir müssen heute ›Auf Wiedersehen‹ zu Orna Porat sagen, dieser wundervollen Frau und einer der inspirierendsten Künstlerinnen Israels«, schrieb der ehemalige Staatspräsident Schimon Peres in einem Beileidsbrief an die Hinterbliebenen der Schauspielerin.

Hitlerjugend Doch diese Berühmtheit des jüdischen Staates hieß nicht immer Orna Porat. Geboren wurde sie als Irene Klein in Köln-Porz. Dass die gebürtige Deutsche in Israel einmal als Schauspiel-Ikone angesehen, mit Bewunderung und Preisen überhäuft werden würde, war nicht vorauszusehen.

Am 6. Juni 1924 kam sie in Köln als Tochter eines katholischen Vaters und einer protestantischen Mutter zur Welt. Angezogen durch die Ausflüge in die Natur trat sie, gegen den Willen ihrer Eltern, der Hitlerjugend bei. Doch schnell entwickelte sich bei der jungen Irene eine andere Passion: das Theater.

Als ihre Schulklasse Schillers Wilhelm Tell sehen darf, ist für das 14-jährige Mädchen klar: Sie will Schauspielerin werden. Auch damit setzt sie sich gegen die Eltern durch und beginnt nach der Schule mit Schauspielunterricht in Köln. Ihr erstes Engagement führt sie anschließend nach Schleswig. Hier lernt sie die Schriften von Thomas Mann und Bertolt Brecht kennen und erfährt die Wahrheit über die Nazis und ihre Gräueltaten. Ihr wird klar, dass sie nach Kriegsende nicht weiter in Deutschland leben will.

Liebe Zuerst denkt sie, mittlerweile Sozialistin, an Russland. Doch es kommt anders – denn sie begegnet Josef Proter (1918–1996). Der junge jüdische Kölner war zunächst nach Palästina ausgewandert und nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs meldet er sich freiwillig bei der britischen Armee. Für Irene ist es Liebe auf den ersten Blick. »Für ihn dauerte es ein bisschen länger«, erzählte sie einmal.

Die beiden heiraten und gehen 1946 gemeinsam ins heutige Israel. Dort versuchen sie zunächst, in einem Kibbuz Fuß zu fassen, der Inge, die Christin, akzeptiert. Sie finden ihn in Merchavija. Doch als die junge Frau Ambitionen zeigt, wieder als Schauspielerin zu arbeiten, teilt ihr der Kibbuz mit, dafür sei keine Zeit, es gebe wichtigere Aufgaben.

Das junge Ehepaar zieht nach Tel Aviv und verdingt sich mit Gelegenheitsjobs, um über die Runden zu kommen. Am Abend lernt Irene Hebräisch. Irgendwann tritt sie zum Judentum über. Da das Paar keine eigenen Kinder bekommen kann, adoptieren die Proters einen Jungen und ein Mädchen.

Und Irene will immer noch schauspielern. Sie bewirbt sich beim Cameri-Theater, wird abgelehnt. Doch sie gibt nicht auf, versucht es ein zweites Mal. Und schließlich klappt es. Schon ein Jahr nach ihrer Ankunft in Palästina steht sie auf der Bühne und spielt auf Hebräisch. Aus Irene Proter wird – wie ihr ein Schauspielkollege vorschlägt – Orna Porat.

Schnell übernimmt Porat führende Rollen, darunter in Bertolt Brechts Der gute Mensch von Sezuan oder in Arthur Millers Tod eines Handlungsreisenden. Porat avanciert zu einer der meistbeschäftigten Schauspielerinnen des Cameri-Theaters, wo sie bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 1984 angestellt ist.

Ehrungen »Sie war ein kultureller Gigant und diejenige, die das Theater in Israel gesellschaftsfähig gemacht hat«, lobt Schimon Peres sie. Orna Porat erhielt viele Preise für ihr Schaffen, darunter 1979 den Israel-Preis für ihr Lebenswerk, den Emet-Preis im Jahr 2005, dreimal die Kinor-David-Auszeichnung, die Ehrenbürgerschaft der Städte Tel Aviv und Köln sowie verschiedene Ehrendoktorwürden.

Eines lag Orna Porat ganz besonders am Herzen: Theater für Kinder und Jugendliche. »Kinder brauchen gutes Theater«, forderte sie immer, »und keinen intellektuellen Kram, der von oben herab kommt.« 1970 verwirklichte sie ihren Traum von einer Bühne für junge Zuschauer, und noch heute geht beim Orna-Porat-Kinder-und-Jugendtheater täglich der Vorhang auf. »Sie war es, die unseren Kindern und Enkelkindern beigebracht hat, das Theater zu lieben«, so Peres.

»Ich bin geschockt«, sagte Cameri-Direktor Noam Semel nach der traurigen Nachricht von Porats Tod. »Sie war lange krank, und doch ist es schwer zu akzeptieren. Orna Porat war eine hervorragende Schauspielerin. Worte reichen nicht aus, um ihre Größe und ihren Beitrag zum israelischen Theater und für den Staat Israel zu beschreiben.«

Porat hinterlässt ihre beiden Kinder Lital und Yoram sowie ihre Enkelkinder. Ihr geliebter Ehemann Josef war 1996 an einem Herzinfarkt gestorben. »Sie war eine Persönlichkeit«, schloss Schimon Peres seinen Beileidsbrief. »Eine, die niemals in Vergessenheit geraten wird.«

Kommentar

Empathie für alle?

Dunja Hayali hat zu mehr Mitgefühl mit Betroffenen von Kriegen aufgerufen. Zurecht. Was in den deutschen Medien jedoch kaum vorkommt: das Leid der Israelis, die unter dem ständigen Beschuss der Hisbollah stehen

von Jenny Havemann  10.04.2026

Jerusalem

Israeli soll für Iran Anschlag auf Naftali Bennett geplant haben

Ein 22-jähriger Israeli soll für den iranischen Geheimdienst einen Anschlag auf Ex-Premier Naftali Bennett geplant und Sprengstoff hergestellt haben. Die Polizei ermittelt gegen mehrere Verdächtige

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Iran-Krieg

Israel vermeldet insgesamt 31 Kriegstote und 7500 Verletzte

Nach der Waffenruhe zieht Israel eine erste Bilanz des Krieges mit dem Iran – die IDF spricht von einer erfolgreichen Kampagne

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert

Iran-Krieg

Europa darf Israel nicht im Stich lassen

Während die USA und Israel der Bedrohung durch das Mullah-Regime gewaltsam begegneten, standen die Europäer an der Seitenlinie und übten Kritik. Die nun herrschende Feuerpause gibt ihnen Gelegenheit, ihre Haltung zu überdenken

von Rafael Seligmann  10.04.2026

Modschtaba Chamenei

Wo ist der neue Ayatollah?

Der »Oberste Führer« des Iran ist seit seiner Wahl nicht öffentlich aufgetreten. Ist er noch am Leben?

von Sabine Brandes  07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026