Prinz William in Israel

Tel Aviv-Vibe am Strand

Schon vor und auch während seiner Reise hatte Prinz William deutlich gemacht, dass er vor allem Menschen seiner Generation treffen wolle. Und er hielt Wort.

Nach den offiziellen Besuchen bei Politikern in Jerusalem fuhr der königliche Besuch am Dienstag nach Tel Aviv. Beim Fußballspiel mit jüdischen und arabischen Kindern am Peres Center for Peace in Jaffa verwandelte er zwei Strafstöße und ließ sich natürlich anschließend mit den begeisterten Mädchen und Jungs fotografieren.

Wenig später wollte Prinz William offenbar den Tel Aviver Vibe spüren und spazierte mit hochgekrempelten Ärmeln mit Bürgermeister Ron Huldai am Strand der Mittelmeermetropole entlang.

Badehose Die beiden Männer kletterten sogar die Leiter einer Bademeisterhütte im Sand hinauf. Anschließend schauten sie sich ein Beachvolleyballspiel an. Mit Blick aufs Meer meinte der Prinz lachend: »Nur schade, dass ich meine Badehose nicht mitgebracht habe.«

Begonnen hatte der Tag mit einem ernsten Programmpunkt. Prinz William besuchte die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, wo ihn der Vorsitzende Avner Shalev durch die Ausstellung führte und er Holocaust-Überlebende traf, die mit den Kindertransporten nach England gekommen waren und so gerettet werden konnten. Der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis begleitete den 36-Jährigen.

Sichtlich schockiert war Prinz William von einer Vitrine mit den Schuhen der Menschen, die von den Nazis vergast wurden. »Es ist grauenvoll. Ich versuche, das Ausmaß zu begreifen.« Später legte er zu Ehren der sechs Millionen ermordeten Juden einen Kranz nieder.

Gerechte unter den Völkern Seine Urgroßmutter, Prinzessin Alice von Battenberg, ist als »Gerechte unter den Völkern« für die Rettung von Juden während des Holocaust von Yad Vashem geehrt worden. Als die Nazis das Land besetzten, versteckte sie drei Mitglieder einer Familie in ihrem Palast in Griechenland. Die Auszeichnung »Gerechte unter den Völkern« sei eine große Ehre, sagte der Herzog von Cambridge.

Er trug sich zudem in das Gästebuch der Gedenkstätte ein: »Es war eine hochgradig bewegende Erfahrung, Yad Vashem heute zu besuchen. Doch es ist fast unmöglich, dieses entsetzliche Geschehen in der Geschichte zu verstehen. Jeder Name, jede Fotografie und jedes Erinnerungsstück, das hier aufbewahrt wird, sind tragische Zeugnisse des Verlustes, den das jüdische Volk erleiden musste. Die Geschichte des Holocaust ist eine von Dunkelheit und Verzweiflung, die die Humanität an sich infrage stellt. Mögen die Millionen Menschen niemals vergessen werden.«

Im Anschluss traf Prinz William mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu und dessen Frau Sara in deren Residenz an der Balfour-Straße in Jerusalem zusammen. Die drei zeigten sich anschließend im Garten vor den Flaggen Israels und Großbritanniens für ein gemeinsames Foto, öffentliche Erklärungen aber wurden nicht abgegeben.

Vertrauen Umso deutlicher äußerte sich Präsident Reuven Rivlin, als Prinz William bei ihm zu Besuch war. Er bat ihn, eine Botschaft an Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu überbringen. »Es ist an der Zeit für uns, einen Weg zu finden, um Vertrauen aufzubauen«, so Rivlin. »Denn es ist unsere Bestimmung, zusammen zu leben. Alle Jerusalemer wissen, dass wir zusammenleben können – und wir werden zusammenleben.«

Rivlin hatte am Montag auf seinem Twitter-Account ein Foto, das ein israelisches und ein britisches Fähnchen sowie zwei Teetassen zeigte, veröffentlicht. »Wir sind bereit, seine Königliche Hoheit, den Herzog von Cambridge, zu empfangen ...« Beim gemeinsamen Tee mit dem israelischen Staatspräsidenten sagte Prinz William am Dienstag: »Es ist mein erster Besuch in Israel und ich freue mich natürlich darauf, so viele Israelis wie möglich kennen zu lernen und dabei die israelische Geschichte und Kultur in den nächsten Tagen besser zu verstehen.«

Bereits am Montagabend schritt der 36-Jährige mit einem Lächeln die Gangway der Royal Air Force-Maschine am Ben-Gurion-Flughafen hinab. Damit war zum ersten Mal seit Staatsgründung ein Mitglied des britischen Königshauses in Israel zu einer offiziellen Visite gelandet.

Begrüßt wurde der Prinz nach der Ankunft aus Jordanien von einer Delegation um Tourismusminister Yariv Levin und dem Likud-Parlamentarier Amir Ohana. Levin hieß den königlichen Besuch herzlich willkommen: »Ich hoffe, dass Sie jede Minute hier genießen.«

Fussball-WM Der Herzog von Cambridge gilt als Fußballfan und fragte wohl auch deshalb, ob der Sport in Israel populär sei. Und ob er das ist! Levin fügte augenzwinkernd hinzu, dass es keine bessere Zeit gebe, um das Heilige Land zu besuchen, da dies die Chancen von Großbritannien erhöhe, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Zum Auftakt seiner fünftägigen Nahost-Reise hatte der 36-jährige Prinz William in Jordanien gemeinsam mit Kronprinz Hussein eine Aufzeichnung des Spiels England gegen Panama angeschaut.

Für den Zweiten der britischen Thronfolge ist der Israelbesuch ein besonderer, der die Stellung Williams im Königshaus unterstreicht. Offiziell gilt Williams Reise zwar als »unpolitisch«, jedoch setzt der Prinz allein mit der Auswahl der Projekte, die er sich ansehen wird, ein Zeichen. In Jordanien traf er sich beispielsweise mit syrischen Flüchtlingen und jungen Frauen, die in der Technologiebranche aktiv sind. In Israel wird er während seines Aufenthalts auch ein Koexistenz-Projekt zwischen arabischen und jüdischen Israelis anschauen.

Der britische Botschafter in Israel, David Quarrey, sagte: »Es wird eine Menge Geschichte geben, doch das ist nicht alles. Prinz William ist keine politische Figur. Er will etwas vom Land sehen und die Leute kennenlernen. Etwas vom Aroma Israels erleben – sehen, was hier so los ist. Er will das Land spüren.«

Nach zwei Tagen in Israel wird Prinz William weiter in die Palästinensischen Gebiete reisen, um sich in Ramallah mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu treffen.

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