Jerusalem

Streit um Get geht weiter

Israels aschkenasischer Oberrabbiner David Lau Foto: Flash 90

Ein amerikanischer Jude will auch nach mehr als zehn Jahren offenbar nicht in die Scheidung von seiner Ehefrau einwilligen. Berichte über eine Einigung in der Sache wies er laut Medienberichten vom Donnerstag zurück.

Zuvor hatte Israels aschkenasischer Oberrabbiner David Lau den Angaben zufolge die Beerdigung der Mutter des US-Amerikaners verweigert, um den Mann zur Scheidung zu bewegen. Laut Medienberichten wurde der Leichnam aber zur Beerdigung freigegeben, nachdem es zu einer Einigung zwischen dem Scheidungsverweigerer und einem Vertreter der scheidungswilligen Ehefrau gekommen war.

ehe Ein Rabbinatsgericht in den USA hatte den Mann vor zehn Jahren angewiesen, in die Scheidung einzuwilligen. Dieser weigerte sich jedoch und heiratete laut Bericht trotzdem ein zweites Mal. Die Ehe wurde von den Rabbinatsgerichten nicht anerkannt.

Der Oberrabbiner Israels verbreite Lügen, sagte der Mann am Donnerstag dem israelischen Sender »Arutz Scheva«. Alle Angaben des Rabbinats seien »Fake News«, er sei zu keinem Zeitpunkt kontaktiert worden. Er warf Oberrabbiner Lau ferner ein eigenes Interesse an der Scheidung vor, da es sich bei seiner Ehefrau um eine Verwandte Laus handele.

Lau widersprach der Darstellung. Die Familie habe vor dem zuständigen Rabbinatsgericht schriftlich zugesagt, den Anweisungen des Gerichts Folge zu leisten sowie eine Kaution in Höhe von 20.000 Dollar zum Schutz der scheidungswilligen Ehefrau hinterlegt. Das Rabbinergericht werde an seinem »kompromisslosen Krieg gegen das Phänomen der Scheidungsverweigerung« festhalten.

Präzedenzfall Ein ranghoher Mitarbeiter der israelischen Rabbinatsgerichte sagte der israelischen Zeitung »Haaretz«, es handele sich um einen Präzedenzfall im Versuch, den Druck auf Ehemänner zu erhöhen, die ihren Frauen die Scheidung verweigern. Hunderte von Frauen in Israel können nicht erneut nach jüdischem Recht heiraten, weil ihre Männer sich weigern, ihnen den geforderten Scheidebrief (»Get«) auszustellen.

In Israel gibt es keine Zivilehe. Nach jüdischem Religionsrecht wird eine Scheidung nur dann gültig, wenn der Mann der Frau den Scheidebrief ausstellt und die Frau in ihn einwilligt. Höchste Autorität in Fragen des jüdischen Rechts in Israel ist das Oberrabbinat, in dessen Jurisdiktion auch Personenstandsfragen wie Eheschließungen, Scheidungen und Konversionen fallen.  kna/ag

Israel nach der Wahl

Wahlprüfung in Israel abgeschlossen - Streit geht weiter

Das Wahlkomitee in Israel sieht keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten mit Folgen für das Ergebnis. Dennoch spitzt sich der Streit zwischen der bisherigen Regierung und der Opposition gefährlich zu

 04.11.2026

Nahost

Trump will Milliardenhilfen an Israel einstellen

Seit Jahren unterstützen die USA Israel mit Milliarden an Dollar Militärhilfe. Das soll sich nach Worten von US-Präsident Trump ändern. Die Idee soll dabei nicht von ihm gekommen sein

 03.11.2026

Medizin

Eine neue Lunge und zur Genesung nur Paracetamol

In Israel ist erstmals eine Lungentransplantation mithilfe eines Operationsroboters gelungen. Für den Patienten bedeutet das eine deutlich schnellere Genesung

von Sabine Brandes  03.11.2026

Hintergrund

Kampf um den mächtigen Sessel

Ohana raus, Lapid rein? Die Opposition will den Knessetpräsidenten austauschen. Es geht um weit mehr als einen repräsentativen Posten

von Sabine Brandes  02.11.2026

Regierungsbildung in Israel

Präsident Herzog will erst mit kleinen Parteien sprechen

Präsident Isaac Herzog beginnt am Mittwoch mit den Konsultationen zur Regierungsbildung

 02.11.2026

Wirtschaft

Wahlkater an der Börse

Die Hoffnung auf einen politischen Wandel in Israel ließen Aktien und Schekel zunächst steigen. Doch das Ergebnis schürt die Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.11.2026

Wahlen

»Wie schwarz muss eine Seele sein …«

Rechte Demonstranten machen am Sonntagabend bei einem Protest vor dem Wohnhaus des Politikers Gadi Eisenkot den Tod seines Sohn zum Gegenstand der Hetze

von Sabine Brandes  02.11.2026

Westbank

Israels Armee zieht aus Hebron ab

Elf Tage nach Beginn des Anti-Terror-Einsatzes haben sich die israelischen Truppen zurückgezogen

 02.11.2026

Krieg

Tanker im Persischen Golf attackiert

Die Golfregion ist für Tanker und Frachtschiffe weiterhin gefährlich. Erneut wird ein Tanker angegriffen

 02.11.2026