Archäologie

Staatlich besiegelt

König-David-Statue in Jerusalem Foto: Flash 90

Kleine Tonscherben sollen Aufschluss darüber geben, ob es den legendären König David und seinen Sohn Salomo tatsächlich gegeben hat. Das zumindest behauptet ein amerikanischer Archäologe. Wissenschaftler der Mississippi State University (MSU) haben im Süden Israels, rund zehn Kilometer östlich von Gaza, Fragmente aus Ton gefunden, die sie als Siegel bezeichnen.

Viele Historiker gehen heute davon aus, dass es sich bei König David eher um eine mythologische Figur und ein Symbol der Stärke als um einen Menschen aus Fleisch und Blut gehandelt hat. Die neuen archäologischen Funde aber sollen zeigen, dass es in biblischer Zeit tatsächlich ein Königreich in Israel gab. Möglicherweise das von David.

Prägung In Khirbet Summeily, einer Gegend, die zur Zeit der Tora als ländlich und von Jerusalem gänzlich abgeschnitten galt, leitete der US-Archäologe James Hardin seit 2011 Ausgrabungen. Er vertritt die Ansicht, die jüngsten Funde seien ein Beweis, dass es im zehnten Jahrhundert v.d.Z. hier eine Monarchie gegeben hat. Und dies könne darauf hindeuten, dass die biblischen Geschichten von David und Salomon von realen Personen handeln, unterstreicht Hardin, Professor an der Fakultät für Anthropologie und Kulturen des Nahen Ostens an der MSU.

Die sechs Tonscherben werden in einem Artikel in der Dezember-Ausgabe der Fachzeitschrift »Near Eastern Archaeology« beschrieben. Auf zweien der Siegel sind komplette Abdrücke zu sehen, zwei weitere verfügen über unvollständige Prägungen, und die übrigen beiden sind ohne jegliche Prägung gefunden worden. Es sind Symbole, aber keine Schriftzeichen abgebildet.

Altersbestimmung Der Experte erklärt, dass es sich dabei um Siegel handele, die dafür verwendet worden seien, offizielle Dokumente oder Lieferungen wertvoller Waren zu verschließen. »Sie wurden wie Wachssiegel benutzt«, so Hardin. Die Artefakte seien außergewöhnlich, denn es handele sich um die wahrscheinlich einzigen Tonsiegel aus dem zehnten Jahrhundert v.d.Z., die jemals gefunden wurden. Doch eine genaue Datierung sei sehr kompliziert. Die Altersbestimmung per Radiokarbonmethode könne zu großen Ungenauigkeiten führen. Daher werden jetzt Tonscherben, die in derselben Erdschicht gefunden wurden wie die Siegel, analysiert und auf ihren Magnetismus untersucht.

»Die ersten Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen, dass diese Gegend Teil einer politischen Einheit war, die von Eliten regiert wurde«, erläutert Harding. »Das sagt uns: Bereits zu dieser Zeit hat ein Staat existiert.« Der Altertumsforscher geht davon aus, dass die Siegel aus der Eisenzeit stammen, und zwar aus der Periode II A (1000–925 v.d.Z.), und damit die These von der historischen Existenz der mythischen Könige bekräftigen.

Unter Bibelwissenschaftlern ist es seit langer Zeit umstritten, ob es in der frühen Eisenzeit bereits Regierungen oder Staaten in dieser Region gegeben haben kann. Diejenigen, die meinen, solche politischen Institutionen seien dort erst viel später entstanden, sind derzeit in der Mehrheit.

Umstritten Einer der bekanntesten Archäologen in Israel, die davon ausgehen, dass es weder die Person David noch ein blühendes Königreich in der biblischen Ära gegeben hat, ist der Archäologe Israel Finkelstein von der Tel Aviver Universität. Er hat über dieses Thema mehrere Bücher verfasst.

»Es sind durchaus bedeutende Artefakte, die auf eine andere staatsähnliche Struktur neben Gath an der südlichen Küste hinweisen könnten«, sagte Finkelstein nach der Veröffentlichung der Funde vor Journalisten. Bei Gath handelte es sich um eine florierende Philisteransiedlung, die im neunten Jahrhundert zerstört wurde. »Doch es gibt keinen Grund«, so Finkelstein, »deshalb die Geschichtsbücher umzuschreiben.«

James Harding indes besteht auf der Bedeutung seines Fundes: »Dass wir die Siegel von geschriebenen Dokumenten in dieser Gegend gefunden haben, zeigt, dass diese Stätte, die außerhalb der Peripherie sämtlicher Zentren der Epoche lag, in ein Staatsgebilde integriert war.« Es habe politische oder administrative Aktivitäten gegeben, die weit über das hinausgingen, was typischerweise für diesen Landstrich angenommen wurde.

Shelly Meyer

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