Jerusalem

Sorge und Zuversicht

Mittlerweile werden auch 16- bis 18-Jährige in Israel geimpft. Foto: Flash 90

Seit Mitternacht ist der Ben-Gurion-Flughafen abgeriegelt. Mit wenigen Ausnahmen für Notfälle kommen derzeit weder Flüge an noch heben welche ab. Damit reagiert die israelische Regierung auf das vermehrte Auftauchen des mutierten Coronavirus aus dem Ausland.

»Zum ersten Mal in der Geschichte dürfen Juden durch diesen Bann nicht nach Israel einwandern«, merkte Transportministerin Miri Regev bei der Sitzung an. Reisende, die aus dem Ausland zurückkehren, seien die hauptsächliche Quelle für Neuinfektionen, hieß es aus Regierungskreisen.

»Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass Juden nicht nach Israel einwandern dürfen.«

Transportministerin Miri Regev

Unterdessen will das Kabinett am Dienstag darüber beraten, ob der nationale Lockdown, der zunächst bis zum Ende des Monats gilt, weiter verlängert wird. Das hatte das Gesundheitsministerium am Morgen im Angesicht der steigenden Todeszahlen und überfüllten Krankenhäuser geraten. Derzeit gibt es 72.033 aktive Fälle, nahezu 4500 Menschen sind an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

TODESRATE Der Generaldirektor im Ministerium, Chezy Levy, hatte zu Bedenken gegeben, dass auch nach dem anvisierten Ende des Lockdowns am 31. Januar die Todesrate sehr hoch sein wird und die Krankenhäuser noch immer überfüllt seien.

Außerdem bereitet die britische Variante große Sorge. Berichte, dass diese Mutation für eine höhere Todesrate bei Kindern verantwortlich sein könnte, macht eine Öffnung der Schulen und Kindergärten in den nächsten Tagen äußerst unwahrscheinlich. Die britische Regierung hatte angegeben, es gebe erste Anzeichen, dass diese viel ansteckendere Variante auch eine 30 Prozent höhere Todesrate mit sich bringe.

KINDER Das Gesundheitsministerium erklärte, dass in den vergangenen Tagen zusehends Infektionen bei Kindern im Alter von sechs bis neun Jahren registriert wurden.

Bildungsminister Yoav Galant (Likud) hatte zunächst das Vorhaben kritisiert und gefordert, die Schulen schnell wieder zu öffnen. Er ist überzeugt, dass die Kollegen aus dem Gesundheitsressort ihm Statistiken vorenthalten, wie viele Lehrer bereits geimpft sind.

Auch stellte er infrage, dass die Ansteckungsrate an Schulen tatsächlich überdurchschnittlich hoch sei. Stattdessen verwies Galant auf die physischen und psychischen Schäden für Kinder und Jugendliche, die mit einer verlängerten Schließung aller Bildungseinrichtungen einhergehen.

»Ich will keine kranken Kinder auf meinem Gewissen haben.«

Bildungsminister Yoav Gallant

Später jedoch ruderte er in einem Interview mit dem Armeeradio Galei Zahal zurück. »Die Mutationen haben die Regeln geändert«, sagte er, »ich will keine kranken Kinder auf meinem Gewissen haben«. Er wolle dies ausführlicher mit Gesundheitsexperten besprechen.

Mittlerweile werden auch 16- bis 18-Jährige in Israel geimpft. Es geht jedoch in Expertenkreisen die Sorge um, dass eine oder mehrere der Mutationen vielleicht resistent gegen die Impfung sein könnten.

BUSSGELDER Ebenfalls im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus nahm die Knesset in einer ersten Lesung die Erhöhung der Bußgelder an. Institutionen, Geschäfte, Veranstaltungsorganisatoren und andere müssen bei Verstoß gegen die Corona-Vorgaben zukünftig nicht mehr 5000 Schekel, sondern das Doppelte (umgerechnet etwa 2500 Euro) zahlen, wenn sie die Regeln brechen.

Während die Todeszahlen Rekordhöhen erreichen – im Januar starben an Covid-19 in Israel bereits mehr als 1000 Menschen – vermeldet der Gesundheitsdienstleister Maccabi zuversichtliche Zahlen: Lediglich 20 Versicherte von 128.600 hätten sich mit dem Coronavirus infiziert, nachdem sie die zweite Dosis des Impfstoffes erhalten hatten. Alle 20 hätten lediglich milde Symptome gezeigt. Diese vorläufigen Daten seien sehr »ermutigend«, so Maccabi.

Shelly Meyer

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