Interview

»Signal der Solidarität«

Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe Foto: picture alliance / AA

Herr Generalleutnant, Sie waren schon häufiger in Israel. Nun sind Sie erstmals mitten im Krieg zu Besuch. Was sind Ihre Eindrücke von den Gesprächen und Begegnungen?
Ich war schon viele Male hier. 2021 bin ich selbst mit einem Eurofighter über Israel über die Knesset geflogen. Ich habe eine sehr enge Beziehung zu diesem Land. In dieser speziellen Situation ist mir gleich, als wir auf dem Flughafen landeten, die Ernsthaftigkeit aufgefallen. Das Leben kehrt jetzt gerade in Tel Aviv langsam wieder zurück. Aber man spürt eine andere, man könnte sagen: eine neue Ernsthaftigkeit. Dieses Ausgelassene, was ich sonst gerade hier in Israel kenne, das ist dieser Ernsthaftigkeit gewichen. 

Welche Gespräche konnten Sie führen?
Ich habe am Montag meinen israelischen Counterpart, den Luftwaffenchef General Tomer Bar getroffen. Dann hatte ich eine kurze Unterredung mit Verteidigungsminister Joaw Galant und auch mit dem deutschen Botschafter in Israel, Steffen Seibert, habe ich gesprochen. Und jetzt am Dienstagvormittag komme ich gerade aus dem Sheba Medical Center in Tel HaShomer. Dort war ich zum Blutspenden. Ich konnte mit verschiedenen Menschen, darunter auch einigen Verletzten, reden. Sie haben mir ihren Dank dafür ausgedrückt, dass ich hier bin und dieses Zeichen der Solidarität setze.

Welchen Eindruck haben Sie vom derzeitigen Einsatz der israelischen Luftwaffe in diesem Krieg?
Ich hatte schon immer den Eindruck, dass die israelische Luftwaffe äußerst professionell ist. Dieser Kriegseinsatz ist nun besonders schwierig, da beispielsweise die Zivilbevölkerung in Gaza von der Hamas als Schutzschild genutzt wird. Ich sehe, dass die israelische Luftwaffe hier sehr, sehr genau vorzugehen versucht, so präzise wie sie eben nur kann. Aber bei meinem Besuch ging es nicht darum, aus militärischer Sicht genau in die Operation hineinzuschauen, sondern wichtiger war mir dieses Signal der Solidarität. Deswegen habe ich jetzt auch nicht alle militärischen Details mitbekommen.

Auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat kürzlich bei seinem Besuch in Tel Aviv erklärt, Deutschland stehe an der Seite Israels. Was bedeutet das militärisch?
Die israelische Seite hat nach medizinischen Hilfsgütern gefragt, die wir auch geliefert haben. Dann haben wir zwei der Aufklärungsdrohnen aus der hier stationierten Staffel, an die israelische Luftwaffe abgegeben. Das ist genau das, was unser Minister damit meint. Wenn wir irgendwie helfen können, geschieht dies. Ansonsten ist die israelische Luftwaffe so stark, dass es hier keine militärische Option gibt, uns zu fragen, sie jetzt zum Beispiel mit Eurofightern zu unterstützen.

Sie haben 2021 Yad Vashem besucht und erklärt: »Nie wieder!«. Was heißt das in dieser Situation jetzt konkret?
Ich habe in den beiden Tagen, an denen ich hier bin, immer wieder gehört, dass man bei dem, was am 7. Oktober geschehen ist, Parallelen zum Holocaust zieht. Ich kann dies sehr gut nachvollziehen, wenn man die menschenverachtende Brutalität, die Art und Weise, wie Kinder, Frauen und Männer abgeschlachtet worden sind, betrachtet. Und dass dann hier ganz klar das »Nie wieder« die richtige Überschrift ist, das kann ich ohne Wenn und Aber unterstreichen.

Mit dem Inspekteur der Luftwaffe der Bundeswehr sprach Detlef David Kauschke.

Grenzübergang Taba/Eilat zwischen Ägypten und Israel

Mysteriöser Fall

Drei Israelis in Ägypten verschollen

Die jungen beduinischen Männer seien zum Urlaub ins Nachbarland gereist und dort angeblich aus Gründen der »inneren Sicherheit« festgenommen worden

von Sabine Brandes  29.09.2026

Die Chefs der Oppositionsparteien

Tel Aviv

Israels Opposition schließt Pakt

Eisenkot, Bennett, Lapid, Lieberman und Golan wollen während des Wahlkampfs auf gegenseitige Angriffe verzichten und planen eine »zionistische staatsmännische Regierung«

von Sabine Brandes  29.09.2026

Jerusalem

Gallant spricht über Details der Pager-Operation gegen Hisbollah

Offenbar schöpfte ein Mitglied der libanesischen Terrororganisation Verdacht. Israel sah sich zum Handeln gezwungen

 29.09.2026

Bloomington/Paris

Studie: Keine Grundlage für Apartheid- und Genozidvorwurf gegen Israel

Gunther Jikeli von der Indiana University Bloomington und Philippe Karpe vom französischen Forschungsinstitut CIRAD untersuchten immer wieder erhobene Vorwürfe gegen Israel

 29.09.2026

Jerusalem

Netanjahu reiste offenbar wegen Berichten über Hamas-Warnung nach Abu Dhabi

Hat der israelische Ministerpräsident den Präsidenten der VAE, Scheich Mohammed bin Sajid Al Nahjan, gebeten, Medienberichte zurückzuweisen, wonach dieser seinen Jerusalemer Gesprächspartner vor dem 7. Oktober warnte?

 29.09.2026

Terrorismus

»Wenn sie einen Raum betrat, ging die Sonne auf«

Ricarda Louks Tochter Shani und Sonja Bohl-Denckers Tochter Carolin wurden vor drei Jahren von der islamistischen Hamas ermordet. Ihre Mütter schildern, wie sie mit dem Verlust zurechtkommen - und was sie sich wünschen

von Nina Schmedding  29.09.2026

Niederlande

»Der 7. Oktober, das bin ich«: Student der Uni Maastricht will an Terrorangriff teilgenommen haben

Ein 22-jähriger Palästinenser, der in den Niederlanden studiert, erweckt in einem Instagram-Video den Eindruck, er habe an der Terrorattacke der Hamas auf Israel teilgenommen. Jetzt griff die Hochschule durch

 28.09.2026

Jerusalem/Den Haag

Israel entzieht Niederländern Diplomaten-Pass

Die Niederlande verbieten den Import von Waren aus Siedlungen im Westjordanland. Nun zieht Israel Konsequenzen

 28.09.2026

Tel Aviv

Israel: Entführer von Noa Argamani getötet

Saher Nidal Saqr und andere an den Geiselnahmen beteiligte Terroristen seien bei einem Luftangriff im zentralen Gazastreifen tödlich getroffen worden, teilte die israelische Armee mit

 28.09.2026