Geisel-Deal

»Sie sind frei!«

Israelis beobachten in Tel Aviv die Freilassung von drei Geiseln aus der Gefangenschaft der Hamas. Foto: Copyright (c) Flash 90 2025

Jubel und Tränen der Freude bei den Familien, auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv und in ganz Israel. »Sie sind frei!!!«, riefen die Menschen und fielen sich in die Arme, um dann zu skandieren: »Kulam – achschaw« (Alle – jetzt). Am Sonntagnachmittag kamen drei israelische Zivilistinnen im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens aus der Gewalt der Hamas in Gaza frei: Romi Gonen (24), Emily Damari (28) und Doron Steinbrecher (31) kehrten nach 471 Geiselhaft nach Hause zurück.

Die jungen Frauen wurden am Sonntagnachmittag von der Hamas in Gaza-Stadt an das Rote Kreuz übergeben. Videos aus der Enklave zeigten, dass die Wagen von Hunderten bewaffneten Hamas-Kämpfern und Tausenden Zivilisten umgeben waren. Bilder zeigten auch, dass die drei jungen Israelinnen eigenständig aus einem Auto der Hamas in ein Fahrzeug des Roten Kreuzes gingen.

Es hatte zuvor keinerlei Angaben zu dem Gesundheitszustand der Geiseln gegeben. Bekannt war nur, dass Romi Gonen und Emily Damari während der Entführung durch Schüsse von Terroristen verletzt worden waren. Gonen wurde in den Arm geschossen, Damari in die Hand. Nach einer ersten Einschätzung des Roten Kreuzes sei »der Zustand den Umständen entsprechend gut«.

Mütter schlossen ihre Töchter im Kibbutz Reim in die Arme

Etwa eine Stunde später schlossen die Mütter der drei ihre Töchter im Kibbutz Reim, der nur wenige Kilometer vom Gazastreifen entfernt ist, in die Arme. Eigentlich hätten sie in einem Krankenhaus im Zentrum des Landes warten sollen, doch Meirav Leshem-Gonen, Simona Steinbrecher und Mandy Damari insistierten, »wir haben sie geboren, wir wollen unsere Töchter sofort sehen«.

In Kfar Vradim, dem Heimatort von Romi Gonen im Norden des Landes, hatte sich am Nachmittag die gesamte Familie versammelt und schaute die Geschehnisse live im Fernsehen. Sharona, eine Angehörige, sagte im Channel 11: »Wir sind überglücklich, dass wir endlich diese Bilder sehen. Wir haben jeden Samstagabend auf dem Platz der Geiseln für die Freilassung gekämpft. Wir sind so unglaublich froh!« Vorbei aber sei der Kampf noch nicht, machte sie klar, »bis alle Geiseln frei sind«. 

»Ich war froh, sie auf eigenen Beinen stehen zu sehen. Ich habe immer geglaubt, dass dies passieren würde, dafür lebe ich.«

Auch ihre Schwester Yarden Gonen hat 15 Monate lang unermüdlich um ihre Schwester gekämpft. »Romi ist keine Kriegsgefangene«, hatte sie immer wieder auf der ganzen Welt betont. »Meine Schwester ist eine junge Frau, die auf ein Festival zum Tanzen ging«. Die damals 23-Jährige wurde von Terroristen vom Nova-Musikfestival entführt.

Dvora Gonen, die Großmutter von Romi, will sie endlich umarmen und küssen. »Ich war froh, sie auf eigenen Beinen stehen zu sehen. Ich habe immer geglaubt, dass dies passieren würde, dafür lebe ich.« Allerdings verstehe sie nicht, warum es so lange gedauert hat. »Wir müssen alles tun, um alle zurückzubringen. Mein Herz ist bei ihnen.«

Der Sonntag war ein Tag der maximalen Anspannung in Israel. Erst gegen zehn Uhr morgens hatte die Hamas die Namen der ersten Geiseln bekanntgegeben. Zur selben Zeit hatte die rechtsextreme Otzma-Yehudit-Partei des nationalen Sicherheitsministers Itamar Ben Gvir aus Protest gegen das Abkommen für einen Waffenstillstand und die Befreiung der Geiseln die Regierungskoalition verlassen. Ben Gvir hatte immer wieder damit gedroht. Die rechts-religiöse Koalition von Premierminister Benjamin Netanjanu hat dennoch weiterhin die Mehrheit im israelischen Parlament.

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Durch die zwischen Israel und der Hamas vereinbarten Waffenruhe sollen insgesamt 1904 Palästinenser entlassen werden. Im Gegenzug muss die Terrororganisation während der sechswöchigen Feuerpause, die am Sonntagmorgen begann, 33 von insgesamt 98 israelischen Geiseln freilassen. Die meisten von ihnen sollen am Leben sein.

Angehörige haben Rücksäcke gepackt

Die Angehörigen hatten in den Tagen zuvor Rucksäcke mit Lieblingsgegenständen der Geiseln vorbereitet, die sie unmittelbar nach ihrer Freilassung erhalten haben. Nach ihrer Übergabe an die israelische Armee durch das Rote Kreuz wurden sie in das Sheba-Krankenhaus im Zentrum des Landes gebracht.

»Romi, Emily und Doron – so geliebt und vermisst – eine ganze Nation freut sich über eure Rückkehr«, schrieb Präsident Isaac Herzog in den sozialen Netzwerken. »Wir senden euch und euren Familien eine große Umarmung. Dies ist ein Tag der Freude und des Trostes und der Beginn einer herausfordernden Reise der gemeinsamen Genesung und Heilung.«

Doron Steinbrecher und Emily Damari wurden beide während des Massakers der Hamas am 7. Oktober 2023 aus dem Kibbutz Kfar Aza im Süden Israels verschleppt. Von den 37 Bewohnern des Viertels der »jungen Generation« wurden zwölf getötet und sieben entführt. »Den ganzen Morgen des verfluchten Schabbats über hatten wir Kontakt«, erinnert sich ihre Schwester Amit Aschkenazi. »Doron hatte so große Angst.«

Schließlich schickte sie eine Sprachnachricht: »Sie sind da, sie haben mich.« Eine Woche später erhielt die Familie die Nachricht, dass Doron Geisel im Gazastreifen ist. Es sollte 471 endlos scheinende Tage dauern, bis sie, Romi und Emily endlich wieder nach Hause kamen.

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