Israel

Sharansky: »Kotel-Krise« kann gelöst werden

Natan Sharansky am 27. Juni 2017 in der Knesset in Jerusalem. Der Chef der Jewish Agency führte Gespräche, um die Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora zu stärken. Foto: Flash 90

Natan Sharansky, Chef der Jewish Agency, hat sich in einem Interview mit der »Times of Israel« optimistisch gezeigt, dass die »Kotel‐Krise«, der Streit um das gemeinsame Gebet von Männern und Frauen an der Westmauer in Jerusalem, bald gelöst werden kann. Er glaube, dass eine entsprechende Formel gefunden werden könne, sagte Sharansky in dem am Mittwoch veröffentlichten Gespräch.

»Man muss es nicht ›Anerkennung‹ nennen«, sagte der ehemalige sowjetische Dissident, der in jahrelangen Gesprächen den »Kotel‐Deal« von 2016 mit ausgehandelt hatte. »Aber man muss den Vertretern der Reform‐Bewegung und der Masorti‐Bewegung erlauben, die Stätte, an der sie beten, zu leiten. Das ist die Minimalbedingung, die als Grundlage der gesamten Verhandlungen gedient hat.« Das israelische Kabinett hatte in einem Entschluss von Sonntag den »Kotel‐Deal« eingefroren, den es im Januar 2016 selbst beschlossen hatte.

robinson‐bogen Die Vereinbarung sieht vor, dass eine bereits bestehende, balkonartige Plattform für das egalitäre Gebet am Robinson‐Bogen am südlichen Teil der Westmauer weiter ausgebaut wird. Außerdem sollten Vertreter der Reform‐ und der Masorti‐Bewegung an der Leitung der Gebetsstätte beteiligt werden. Zudem sollte ein Eingang zur Kotel für alle Beter entstehen, um zu unterstreichen, dass die Besucher die freie Wahl haben zwischen einem getrennten Gebet für Männer und Frauen oder einem gemeinsamen Gebet.

Sharansky beklagte in dem Interview, durch das Aus für den »Kotel‐Deal« sei das Vertrauen von Juden in der Diaspora in die israelische Regierung beschädigt worden. Unter Bezugnahme auf die Stärkung der Position des ultraorthodox dominierten Oberrabbinats in Konversionsfragen durch einen weiteren Kabinettsbeschluss vom Sonntag sagte er: »Ich glaube, wir können diese derzeitigen Krisen lösen. Aber ich bin nicht sicher, dass wir diese Art von Beziehung und das Vertrauen wiederherstellen können. Und das ist ein großer Verlust«, so Sharansky.

diaspora In Israel herrsche sogar in Regierungskreisen große Unkenntnis über die nichtorthodoxen Strömungen in den USA, so Sharansky. 85 Prozent der Unterstützer von AIPAC, einer der wichtigsten pro‐israelischen Lobbyorganisationen in den USA, seien Anhänger der Reformbewegung oder der Masorti‐Bewegung: »Als ich das der Regierung (in Jerusalem) vor ein oder zwei Jahren gesagt habe, war die Hälfte der Regierung schockiert. Die dachten wirklich, dass es um Unterstützer der Boykotte gegen Israel geht, verrückte Typen von J‐Street, Breaking the Silence«, so der Chef der Jewish Agency, die für Einwanderung von Juden aus aller Welt nach Israel zuständig ist.

Benjamin Netanjahu hingegen wisse genau, worum es gehe: »Unser Regierungschef versteht die Diaspora sehr gut. Er kennt die nichtorthodoxen Strömungen des Judentums. Er weiß, wie viel Engagement für Israel dort vorhanden ist. Er hätte wissen müsse, wozu (dieser Beschluss) führt. Und ich bin auch nicht sicher, dass seine Koalition wegen dieser Sache geplatzt wäre. Er hätte den ultraorthodoxen Parteien sagen können: Das ist der Deal«, kritisierte Sharansky. ag

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