Israel

Sendeschluss für 1000 Jobs

Kommunikationsminister Gilad Erdan Foto: Flash 90

Kommunikationsminister Gilad Erdan und Finanzminister Yair Lapid haben bekannt gegeben, dass die Staatliche Rundfunkanstalt (Israel Broadcasting Authority, IBA) bis März kommenden Jahres geschlossen werden soll. Der Staatssender stand schon lange in der Kritik. Er galt vielen als »aufgebläht« und »Verschwendung von Steuergeldern«, die Inhalte hätten nichts mit objektivem Journalismus zu tun. Vor allem rechtsgerichtete Bürger kritisierten die Berichterstattung als einseitig. Die Minister folgten der Empfehlung eines Ausschusses unter der Leitung des TV-Produzenten Ram Landes, der sich seit Langem mit einer Reform der Rundfunkanstalt beschäftigt.

Israel, betonte Erdan, brauche einen »Rundfunk, der jeden einbezieht und Antworten auf die Fehler der kommerziellen Sender liefert, die nur von Einschaltquoten motiviert sind«. Zu dem geplanten öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem sollen ein hebräischer, ein arabischer sowie ein Kinderkanal gehören. Die acht Radiosender sollen erhalten bleiben. Der neue Sender soll transparenter und politisch unabhängiger arbeiten.

Gewerkschaft Für mehr als die Hälfte der Mitarbeiter bedeutet die Umstellung den Verlust ihres Arbeitsplatzes. So sollen von insgesamt 1600 Mitarbeitern nur 600 beschäftigt bleiben. Allerdings will sich die Gewerkschaft Histradut – im Sender stark vertreten – mit aller Kraft gegen Entlassungen stemmen.

Die Israelis dagegen werden Geld sparen. Für sie fällt die monatliche Rundfunkgebühr von etwa 75 Euro künftig weg. Allerdings soll die Gebühr für Autoradios erhalten bleiben. Der neue Sender soll sich mithilfe von Werbeeinnahmen, Staatszuschüssen und Radiogebühren finanzieren. Das jährliche Budget soll zwischen 620 und 720 Millionen Schekel betragen.

Oppositionsführer Isaak Herzog (Awoda) kritisierte die Abschaffung der IBA, da der nichtkommerzielle Rundfunk wichtig für die Demokratie sei. Finanzminister Lapid wies die Befürchtungen zurück: »Was wir wollen, ist etwas Besseres, Preiswerteres, getrennt von politischem Einfluss«, sagte er.

management Andere meinen, es hätte genügt, das Management auszutauschen. Die Mitarbeiter seien engagiert und integer, verteidigte eine Rundfunk-Journalistin ihre Kollegen in einem Interview mit Lapid. »Das Ziel ist ein Sender von der Qualität der britischen BBC«, antwortete der Minister. Das Gute am jetzigen System solle natürlich erhalten bleiben – »aber das ist wenig genug«.

Im Gegensatz zu Lapid ist Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch nicht so entschlossen, den Staatssender zu schließen. »Eine Reform, eine Diät, ist notwendig, das ist jedem klar«, sagte er in einem Interview mit der Reporterin Ayala Hasson, die ihn fragte, ob er das Todesurteil unterzeichnen werde. Er werde das Thema mit Erdan diskutieren, so Netanjahu. Zu einer Demokratie gehöre seiner Meinung nach ein öffentlich-rechtlicher Sender.

Wahl in Israel

Trump wirbt erneut für Netanjahu

»Wenn ihr zur Wahl geht, denkt bitte daran, dass Bibi ein herausragender Kriegsministerpräsident gewesen ist!«, schreibt Trump auf seinem sozialen Medium Truth Social

 26.10.2026

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 25.10.2026 Aktualisiert

Knessetwahl

Die Israel-Wahl in Zahlen

Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte, mehr als 12.000 Wahllokale und 450 Millionen Stimmzettel: Der Zentrale Wahlausschuss nennt Details zur Abstimmung am Dienstag

 25.10.2026

Tel Aviv

»Ihr habt versagt – jetzt übernehmt Verantwortung!«

Angehörige der Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober klagen die Regierung an. Bei einer Massendemonstration fordern sie eine unabhängige Untersuchung

von Sabine Brandes  25.10.2026

Wahlwerbung mit Benjamin Netanjahu über einer Fußgängerbrücke

Knessetwahl

Premier Netanjahu macht Wahlkampf mit Bild von Atompilz über Tel Aviv

Im Wahlkampf setzt der israelische Regierungschef auf ein angsteinflößendes Bild. Scharfe Kritik daran kommt von Netanjahus Hauptrivale Gadi Eisenkot

 25.10.2026

Nahost

Experten warnen Netanjahu vor Folgen möglicher Sanktionen

Nach Netanjahus Überlegungen, mögliche internationale Bankensanktionen mit Hilfe von Kryptowährungen zu umgehen, warnen Experten vor enormem Schaden für Israels Wirtschaft

 25.10.2026

Schicksalswahl in Israel

Israels Militär vor Parlamentswahl in Alarmbereitschaft

Vor der richtungsweisenden Parlamentswahl am Dienstag sind Israels Streitkräfte in erhöhter Alarmbereitschaft. Zehntausende Soldaten sind im Einsatz, die Luftabwehr wurde verstärkt

 25.10.2026

Nachrichten

Lied, Spende, Festnahmen

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  25.10.2026

Sanktionen

Netanjahu erwägt Kryptowährungen gegen mögliche Sanktionen

Aus Sorge vor weltweiten Bankensanktionen sucht Israel laut Ministerpräsident Netanjahu nach Alternativen. Die Zentralbank kritisiert seine Idee

 25.10.2026