Pandemie

Schluckimpfung gegen das Coronavirus

Womöglich reicht künftig eine einzige Tablette, um sich gegen das Coronavirus zu schützen. Foto: imago/Joko

Das israelische Pharmaunternehmen Oramed ist bislang für seine Forschungen zu einer Insulinpille gegen Diabetes bekannt gewesen. Jetzt hat Oramed Fortschritte in der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs zur oralen Einnahme angekündigt, den es in dieser Form noch nicht gibt und mit dem die Immunisierung der Weltbevölkerung deutlich beschleunigt werden könnte. Denn laut eigenen Angaben steht Israel als erstes Land der Welt kurz davor, einen oralen COVID-19-Impfstoff zu testen.

Die Tochtergesellschaft von Oramed, Oravax Medical, bereitet sich darauf vor, klinische Studien des Impfstoffs im Sourasky Medical Center in Tel Aviv zu beginnen, nachdem sie vom Institutional Review Board des Krankenhauses die Genehmigung für ihr Studienprotokoll erhalten hatte. Die Genehmigung des israelischen Gesundheitsministeriums steht noch aus, wird aber in wenigen Wochen erwartet. Oravax hat bereits mehrere Tausend Kapseln in Europa produziert, die für die israelische Studie verfügbar sein werden.

VORTEILE An Schweinen sei das neue Vakzin bereits erfolgreich getestet, sagte die wissenschaftliche Leiterin und Gründerin der Firma, Miriam Kidron, jüngst der »Times of Israel«. Die Tiere hätten nach Verabreichung des Mittels die gewünschten Antikörper produziert, darunter die Immunglobuline G und A.

»Dieser Schluckimpfstoff würde es uns ermöglichen, viel schneller und einfacher zu impfen. Stellen Sie sich vor, dass Sie nicht in eine Klinik gehen müssen. Die Pille könnte in Ihrem Briefkasten ankommen, und Sie können sie dann zu Hause einnehmen«, sagte sie dem Nachrichtenmagazin. Ein weiterer Vorteil sei die einfache Lagerung des Mittels, das nicht gekühlt werden müsse. Zudem würden viele Menschen aus Angst vor der Spritze sich nicht impfen lassen.

Der Dreifach-Antigen-Impfstoff soll auch gegen neu auftretende Mutationen des Coronavirus Schutz bieten.

Bei dem neuen Impfstoff handelt es sich um eine oral zu verabreichende Version des neuen Covid-19-Impfstoffs, der vom indischen Unternehmen Premas Biotech entwickelt wurde. Der Dreifach-Antigen-Impfstoff soll auch gegen neu auftretende Mutationen des Coronavirus Schutz bieten.

Falls die Tests erfolgreich verlaufen und das Vakzin die Zulassung erhalte, könne es noch in diesem Jahr auf den Markt gebracht werden, zeigte sich Miriam Kidron optimistisch. Die Firmengründerin ist eine Großnichte des ersten aschkenasischen Oberrabbiners von Palästina, Abraham Isaak Kook (1865-1935).

Ihr Sohn Nadav, der das 2006 gemeinsam mit seiner Mutter gegründete und in Jerusalem ansässige Unternehmen leitet, betonte, Oravax könnte sich als »Game-Changer« in der Eindämmung der Corona-Pandemie erweisen – besonders dann, wenn wegen neuer Virusmutanten die regelmäßige Auffrischung der Impfung notwendig werden sollte.

Miriam Kidron hat die patentierte PAD-Technologie (»Protein Oral Delivery«), die hinter dem oralen Verabreichungsmechanismus des Impfstoffs steht, am Hadassah Medical Center in Jerusalem entwickelt. Seit einigen Jahren arbeitet Oramed an verschiedenen Einsatzmöglichkeiten. Das Unternehmen der Kidrons ist an der New Yorker Börse NASDAQ gelistet. ja

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