Vereinte Nationen

Rede mit Zündschnur

Knallig oder nur komisch? Eines erregte die Präsentation des israelischen Ministerpräsidenten vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in jedem Fall: Aufmerksamkeit. Und damit hat Benjamin Netanjahu sicherlich die Wirkung erzielt, die er sich erhofft hatte. Einen Tag nach der UN-Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sprach er in New York und zeigte anhand der simplen Zeichnung einer Bombe, wie weit das iranische Atomprogramm bereits fortgeschritten sei.

Mit einem dicken Stift malte der Premier des jüdischen Staates in den oberen Teil des Blattes eine fette rote Linie, die magische Grenze für ihn und seine Regierung. Im nächsten Sommer verfüge der Iran über ausreichend angereichertes Uran, um eine Nuklearbombe zu fertigen, erläuterte er. »Die erste Phase ist bereits abgeschlossen, und sie sind zu 70 Prozent am Ziel.« Nichts könne die Welt mehr gefährden als ein nuklearer Iran. Netanjahu forderte die Vereinten Nationen auf, »eine rote Linie zu ziehen, um Teheran daran zu hindern«.

Regime Ahmadinedschad hatte ausgerechnet am heiligsten Tag des Judentums, Jom Kippur, vor den Nationen seine hasserfüllte Rede gegen Israel und die USA vortragen dürfen. Netanjahu schrieb daraufhin am Ende des Versöhnungstages in einem offenen Brief an die Bevölkerung Israels: »Wir alle sind vereint in dem Ziel, den Iran davon abzuhalten, nukleare Waffen zu erlangen. An dem Tag, an dem wir dafür beten, ins Buch des Lebens eingeschrieben zu werden, ist diesem tyrannischen Regime, das jede Möglichkeit sucht, uns zum Tode zu verurteilen, eine Bühne gegeben worden.« Es sei ein schwarzer Tag für all jene, die im Auditorium geblieben seien und zugehört hätten.

Wiederholt hatte Netanjahu – nicht ohne Kritik aus dem eigenen Land und der ganzen Welt – in den vergangenen Monaten darauf aufmerksam gemacht, dass die Zeit knapp werde, um die Islamische Republik zu stoppen. Wenn nötig, mit einem israelischen Präventivschlag. Seiner Meinung nach könne jedoch Einhalt geboten werden, indem Teheran jetzt eine klare Grenze aufgezeigt werde. »Das würde mehr Zeit für Sanktionen und Diplomatie geben«, so Netanjahu. Doch es sei schon »spät – sehr spät«.

Gimmick Seitdem diskutiert die Welt, ob Netanjahus bombige Rede großartig war oder lediglich platter Gimmick. Vor allem im Internet kursieren höhnische Posts auf seine Bombendarstellung. Die Reaktionen in Israel sind gemischt. Während Oppositionsführer Schaul Mofaz Zweifel an der Rede äußerte, lobte Innenminister Eli Yishai den Auftritt seines Premiers: »Ich hoffe, dass die Rede wie der Ton des Schofars zum weltweiten Erwachen führt.«

Mofaz indes sagte, Netanjahu habe außer des »hübschen Diagrammes« keine effektive internationale Roadmap, die das Atomprogramm tatsächlich stoppen könnte. Das Problem liege nicht darin, bis zum nächsten Sommer zu warten, sondern dass die westliche Welt sich von einem Israel unter Netanjahu distanziere. Für eine Lösung aber bedürfe es diskreter Koordination mit den Vereinigten Staaten, glaubt Mofaz.

Die Vorsitzende der Arbeitspartei, Schelly Jachimovich, pflichtete dem Kadima-Mann bei und kritisierte zudem Netanjahus Vergleich zwischen der Bedrohung aus dem Iran und dem Holocaust scharf. »Diejenigen, die gegen den Fanatismus waren, haben zu lange mit dem Handeln gezögert«, hatte Netanjahu erklärt. Der Sieg über Deutschland sei erst Jahre später und zu einem grauenvollen Preis errungen worden.

Israels Opposition ist überzeugt, es ginge nicht darum, der Welt Vergleiche vorzuführen oder theatralisch rote Linien zu zeichnen, sondern sich mit den USA zu Gesprächen zusammenzusetzen. Schützenhilfe für Netanjahus grafische Darstellung indes kam aus US-Kreisen selbst. Der ehemalige Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, twitterte, es sei die eindrucksvollste Nutzung einer Präsentation gewesen, die er je gesehen habe. »Und hört die Welt zu?«

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  13.09.2026

Offener Brief

Javier Bardem und ich

Ich habe dich als neugierig, warmherzig, offen für den Menschen vor dir kennengelernt. Wenn du über Israel sprichst, erkenne ich dich nicht wieder - und sehe nur noch blindwütigen Hass

 13.09.2026

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  13.09.2026 Aktualisiert

Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

2007 zerstörte Israel den Atomreaktor Deir ez-Zor. 19 Jahre später bestätigt Atom-Aufseher Rafael Grossi, dass die Anlage atomwaffenfähiges Material hätte produzieren können

 11.09.2026

Rosch Haschana

Israel wächst – doch immer mehr Menschen verlassen das Land

Zum jüdischen Neujahr veröffentlicht das Statistikamt neue Zahlen. Die Geburtenrate ist mehr als doppelt so hoch wie in der OECD

von Sabine Brandes  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026

Neujahr

Hopfen, Malz und Honig

Zu Rosch Haschana können die Israelis nun auch passendes Bier im Supermarkt kaufen. Stilecht in der blau-weißen Dose

von Sabine Brandes  11.09.2026

Tel Aviv

Magen David Adom leistet im Jahr 5786 fast 1,9 Millionen Einsätze

Besonders stark beansprucht wurde auch die Notrufzentrale 101: Mehr als zwei Millionen Anrufe gingen innerhalb eines Jahres ein

 11.09.2026

Großbritannien

Applaus für britischen Außenminister von der Hamas

Ein hochrangiger Funktionär der Terrorgruppe begrüßt die Sanktionen, mit denen das Vereinigte Königreich Israel belegt hat. Das sei ein »wichtiger Schritt in die richtige Richtung«

 11.09.2026