Corona

Quarantäne für Rückkehrer

Die leere Abflughalle am Flughafen Ben Gurion Foto: Flash 90

Jetzt ist es amtlich: Jeder, der nach Israel einreist, muss für 14 Tage in Quarantäne: Israelis wie Ausländer gleichermaßen. »Es ist eine schwere Entscheidung. Aber eine, die getroffen werden musste, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Das geht über alles«, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf der Kabinettssitzung am Montag. Die Regelung wegen des neuartigen Coronavirus gilt zunächst für 14 Tage.

Einige Gesundheitsexperten gehen allerdings davon aus, dass dieser Zeitraum ausgeweitet werden könnte. Der Premier bezeichnete die Gesundheitskrise als Pandemie, noch bevor der Ausbruch des Virus Covid-19 offiziell von der Weltgesundheitsorganisation dazu erklärt wurde. Trotz der drastischen Maßnahmen soll die israelische Wirtschaft geschützt werden. »Wir arbeiten verantwortungsbewusst, ruhig und mit der vollen Unterstützung aller Bereiche«, beteuerte der Premier.

ISOLIERUNG Die Lage in Israel sei unter Kontrolle und werde weltweit am besten gehandhabt. Am Donnerstag waren 100 Fälle bestätigt, vier sind nach einer Infektion wieder gesund geworden. Zehntausende befinden sich in Isolierung in den eigenen Wohnungen. Die Einhaltung der Heimquarantäne wird durch eine Sondereinheit aus Beamten der Polizei und des Gesundheitsministeriums stärker überwacht. Fahrlässiges Brechen der Quarantäne kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden, mutwilliges sogar mit bis zu sieben.

Viele Hotels mussten schließen, Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.

Netanjahu rief die Öffentlichkeit dazu auf, »Fake News zu ignorieren und nur auf die offiziellen Berichte des Gesundheitsministeriums und anderer Behörden zu hören«. Das Ministerium für öffentliche Sicherheit sei angewiesen, dafür zu sorgen, dass es zu keiner Panik kommt. Die Maßnahmen seien »kein Witz und auch nicht optional«, richtete sich Netanjahu an die Israelis: »Alle Hygienemaßnahmen verhindern oder verzögern die Verbreitung des Virus. Bitte seien Sie strikt!«

Währenddessen zeigen sich auch hierzulande langsam leere Regale in den Supermärkten, vor allem bei Sanitärartikeln und lange haltbaren Lebensmitteln, weil immer mehr Leute Hamsterkäufe tätigen. Die Regierung rät vom Horten ab. »Fast das gesamte Essen kommt auf dem Seeweg. Es gibt ausreichend Lebensmittel, und es wird auch in Zukunft mehr als genug geben«, machte Netanjahu klar.

Auf den Straßen herrschte trotz Purim relative Leere. Großveranstaltungen mit mehr als 2000 Teilnehmern wie die Adloyada in Holon, bei der jährlich Hunderttausende die Straßen säumen, wurden abgesagt. Am Dienstag schloss sich auch Bürgermeister Mosche Leon in Jerusalem an und teilte den Städtern »schweren Herzens mit, dass alle öffentlichen Purimfeiern in diesem Jahr ausfallen müssen«.

ARBEITSAMT Internationale Touristen sind praktisch über Nacht aus dem Land verschwunden. Es gibt so gut wie keine Besucher mehr an den Stränden, Ausgrabungsstätten und Sehenswürdigkeiten. Die Abflughalle im Ben-Gurion-Flughafen ist verwaist. Ein Hotel nach dem anderen schließt seine Pforten, es gibt niemanden mehr, der noch zu bewirten wäre.

Gabriel S. hat seinen Job am Montag verloren. Er war als Elektriker bei einer großen Hotelkette angestellt, die in verschiedenen Städten im Land Häuser betreibt. »Noch vor einem Monat haben wir immer mehr Leute eingestellt, weil der Tourismus boomte. Die Gäste kamen aus der ganzen Welt, und wir hatten nie genug Arbeiter. Ich musste zum Teil Zwölf-Stunden-Schichten machen.« Doch von einem Tag auf den anderen sei damit Schluss gewesen.

»Wir konnten es kaum glauben, aber tatsächlich blieben die Leute langsam aus. Dann reisten plötzlich alle ab, und niemand kam mehr an. Gestern hat mein Chef das Hotel zugeschlossen. So richtig zu, mit einem Schlüssel. Und ich muss jetzt aufs Arbeitsamt.« Wann er seine Arbeit wiederbekommen kann – und ob überhaupt –, das weiß Gabriel nicht.

VERSORGUNG Am Dienstag gab das Gesundheitsministerium bekannt, dass eine Gruppe deutscher Touristen ausgiebig durch das Land reiste und erst nach der Rückkehr in die Heimat mit dem Virus Covid-19 diagnostiziert wurde. Die Behörde gab die grobe Liste der Stopps der Gruppe bekannt. Darunter sind Einkaufszentren, Supermärkte, Restaurants, Cafés, Synagogen, Krankenhäuser, Theater, Sehenswürdigkeiten und sogar Wahlstationen in Jerusalem, Tel Aviv, Rechowot, Maale Adumim, Beer Sheva, Bnei Brak, Raanana, Kfar Saba und in der Region um das Tote Meer.

Eine der neuen Sicherheitsvorkehrungen der Regierung ist die Desinfektion öffentlicher Einrichtungen. Außerdem sind Luftwaffe und Fluggesellschaften beauftragt, in jeder Situation die notwendige Versorgungskette für die Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Kranke und Gesunde werden strikt voneinander getrennt. Des Weiteren sollten ab Mittwoch »die Zahlen jener, die getestet werden, stark erhöht werden und die Tests leichter zugänglich sein«, heißt es aus dem Büro des Premiers.

FINANZMINISTERIUM Während immer mehr Firmen ihren Angestellten ermöglichen, von zu Hause aus zu arbeiten, oder sie entlassen müssen, stellte das Finanzministerium eine Milliarde Euro jenen Unternehmen zur Verfügung, die vom Ausbruch des Coronavirus stark betroffen sind. Vor allem gehört dazu der Tourismusbereich.

Die Bank of Israel gab bekannt, dass sie die wirtschaftlichen Entwicklungen im eigenen Land und im Ausland genauestens überwacht. »Zusammenfassend ergeben die Auswertungen: Dies ist ein dauerhaftes Geschehen, und es gibt eine gewaltige Ungewissheit in Sachen Ausbreitung und was das für die wirtschaftliche Aktivität in Israel und dem Rest der Welt bedeutet.«

Berlin

Zentralrat der Juden: Das Ende des Mullah-Regimes liegt in unserem nationalen Interesse

Zentralratspräsident Josef Schuster sieht in den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran die Chance, das Mullah-Regime endlich zu beenden

von Jürgen Prause  02.03.2026

Interview

»Dieses Regime darf keine Zukunft haben«

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour über die Chancen auf einen Regimewechsel im Iran und die Maßnahmen, die Deutschland jetzt treffen sollte

von Michael Thaidigsmann  02.03.2026

Luftfahrt

Bericht: Israels Staatsflugzeug zum Berliner Flughafen gebracht

Wegen des Kriegs gegen den Iran: »Flügel Zions« parkt nun am Flughafen BER

 02.03.2026

Israel

El Al bereitet Rückholaktion für gestrandete Passagiere vor

Alle Flüge sind gestrichen. El Al stoppt den Ticketverkauf, um zuerst Passagiere im Ausland nach Israel zurückzubringen

von Imanuel Marcus  02.03.2026 Aktualisiert

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026

Genuss

Kultivierter Rausch

Auch an Purim greifen viele Israelis zu heimischen Boutique-Weinen – die immer besser werden. Eine Entdeckungsreise zu kleinen Weingütern, wo Winzer mit Pioniergeist den Geschmack Israels neu definieren

von Sabine Brandes  02.03.2026

Krieg gegen Iran

Trump: »Die große Welle kommt erst noch«

Der US-Präsident hat noch umfassendere Angriffe gegen das Mullah-Regime in Teheran angekündigt und schließt auch den Einsatz von Bodentruppen nicht aus

 02.03.2026

Nahost

»Im Iran ist derzeit nichts unmöglich«

Die israelische Expertin für die Islamische Republik und iranische Achse, Sima Shine, erläutert, wie es um das Regime in Tehran bestellt ist

von Sabine Brandes  02.03.2026

Nahost

An Tag 3 des Iran-Kriegs wird eine neue Front eröffnet

Die Operationen »Roaring Lion« und »Epic Fury« haben dem iranischen Regime bereits empfindliche Schläge zugefügt. In Israel kam es bei Gegenangriffen zu Toten und Verletzten

von Imanuel Marcus  02.03.2026