Coronavirus

Quarantäne für alle Israel-Reisenden

Eine von vielen Schutzmaßnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern Foto: Flash 90

Alle nach Israel Einreisenden müssen wegen der Ausbreitung des Coronavirus für zwei Wochen in Heimquarantäne. Dies beschloss Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach Medienberichten am Montag. Der Beschluss gelte zunächst für zwei Wochen.

Innenminister Arie Deri präzisierte anschließend nach Medienberichten, für Israelis gelte die Entscheidung von sofort an, für Ausländer trete sie in drei Tagen in Kraft. Von Donnerstagabend an können demnach keine Touristen mehr einreisen, außer wenn sie glaubhaft beweisen können, dass sie sich für 14 Tage in Quarantänebedingungen begeben können.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

»Das ist eine schwere Entscheidung, aber sie ist essenziell, um die Gesundheit der Bevölkerung zu gewährleisten, die wichtiger ist als alles andere«, sagte Netanjahu.

Ausreise Unterdessen teilte das Gesundheitsministerium mit, dass Touristen, die sich bereits in Israel befinden, die Ausreise binnen weniger Tage ermöglicht werden soll. »Touristen, die sich in Israel aufhalten, wird Zeit gegeben, in den nächsten Tagen auf geordnete Weise auszureisen«, hieß es in einer Stellungnahme. Ein genaues Datum wurde nicht genannt. Trotz der Anweisung sollen Touristen aber nach dpa-Informationen nach gegenwärtigem Stand nicht gezwungen werden, das Land zu verlassen, wenn sie bleiben wollen.

Sollten Touristen vorher Krankheitssymptome aufweisen, müssten sie sich sofort beim Rettungsdienst melden, hieß es weiter. Ansonsten sollten sie Hygieneregeln befolgen, Menschenansammlungen meiden und ihre Reiseroute in Israel dokumentieren. Eine Rückkehr nach Ausreise in Nachbarländer sei nicht möglich.

wirtschaft Am Montagmorgen hatte Gesundheitsminister Yaakov Litzman im Armeeradio angekündigt, dass sich voraussichtlich alle in Israel ankommenden Reisen aus der ganzen Welt sofort in Quarantäne begeben müssen. Man müsse zuvor zwar noch die Auswirkungen, vor allem auf die Wirtschaft, prüfen, »doch es ist ein notwendiger Schritt«.

Am Sonntag waren 14 weitere Israelis mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Die Gesamtzahl der Infizierten beläuft sich derzeit auf 39. Zudem gibt es den ersten Fall, bei dem nicht klar ist, wie sich der Betreffende angesteckt haben könnte. Man spricht dabei von einer sogenannten »Infizierung innerhalb der Gemeinde«. Derzeit befinden sich mehr als 80.000 Israelis in den eigenen vier Wänden in Isolierung. Die dauert auf Anweisung der Regierung 14 Tage.

Die Selbst-Quarantäne gilt für Rückkehrer aus verschiedenen asiatischen Nationen, darunter China und Thailand. Sie wurde um mehrere europäische Länder wie beispielsweise Italien, Spanien, Deutschland und die Schweiz erweitert.

Politik Es sei keine politische Entscheidung, dass die USA davon bislang ausgenommen sei, beteuerte Litzman. Obwohl die Zahl der Infizierten in die Höhe schnellt, steht kein amerikanischer Staat auf der Liste. Es habe auch nichts mit Politik zu tun, so der Minister weiter, dass Premier Benjamin Netanjahu mit dem Vizepräsidenten der USA, Mike Pence, darüber am Telefon gesprochen habe.

Zuvor hatte die Regierung betont, die Gesundheit der Bevölkerung – und nicht die Diplomatie – gehe vor, wenn es um die Bekämpfung des Virus geht. Doch nach der Rückkehr von Israelis, die vor einigen Tagen die AIPAC-Konferenz in Washington D.C. besucht hatten, war unübersehbar, dass politische Beweggründe eine Rolle spielen müssen. Denn trotz Bekanntwerden, dass drei Anwesende bei der Veranstaltung mit dem Coronavirus infiziert sind, wurden die israelischen Teilnehmer nicht aufgefordert, sich in Quarantäne zu begeben.

Netanjahu unterstrich auf einer Pressekonferenz, dass alles unter Kontrolle ist.

Am Sonntag äußerte sich Netanjahu auf einer Pressekonferenz dazu nicht eindeutig. Er lobte die USA für ihre Kooperation in höchsten Tönen und unterstrich, es sei alles unter Kontrolle. Doch die Zahl der Infizierten in den USA steigt stetig. Derzeit sind mehr als 500 Fälle registriert. Verschiedene amerikanische Experten regen eine lokale Abriegelung vor, wie sie derzeit in Italien umgesetzt wird.

Belgien Während der Pressekonferenz wurde gefragt, warum Belgien nicht auf der Liste der Länder stehe, aus denen Reisende in die Isolierung müssen. Eine Antwort gab es nicht. Israelische Medien berichten, dass anonyme Quellen angeben, es habe mit der mächtigen ultraorthodoxen Gemeinde zu tun, die in verschiedenen belgischen Städten ansässig ist.

Der Generaldirektor im Gesundheitsministerium, Mosche Bar Siman-Tov, erklärte, dass man zwar davon ausgehe, dass die Lage schlimmer wird, doch auch er betonte, man tue alles, um einen größeren Ausbruch zu verhindern. Israels extreme Maßnahmen der Einreisebeschränkungen seien erfolgreich, führte er aus.

Kritiker jedoch befürchten, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten in Israel weitaus höher liegt als offiziell angegeben, da nach Expertenmeinung viel zu wenige Tests durchgeführt wurden. Das Ministerium gibt an, dass weniger als 4000 Israelis auf Coronavirus getestet wurden.  (mit dpa)

Belarus

Antisemitische Ausfälle aus Minsk

Ein Interview des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko belastet das bilaterale Verhältnis mit Israel

von Alexander Friedman  17.06.2026

TV-Tipp

Doku zeigt das Leben arabischer Transpersonen in Israel

Eine Arte-Dokumentation porträtiert Transpersonen aus Gaza, die im Exil in Tel Aviv den Traum ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu verwirklichen versuchen

von Manfred Riepe  17.06.2026

Wonderwerk-Höhle

Forscher finden älteste Spuren gezielter Feuernutzung

Auch die israelische Wissenschaftlerin Liora Kolska Horwitz von der Hebräischen Universität Jerusalem ist an der bahnbrechenden Entdeckung beteiligt

 17.06.2026

Jerusalem

Likud verzichtet auf Wahlkampf mit Trump-Nähe als zentralem Thema

Parteistrategen meinen, dass Benjamin Netanjahus Verbindung zum amerikanischen Präsidenten dem Ministerpräsidenten keinen Vorteil verschaffen würde. Hintergrund ist der neue Iran-Deal

 17.06.2026

Tel Aviv

Israelischer Luftwaffenchef: Geplanter Großangriff auf Iran kurz vor Start gestoppt

Generalmajor Omer Tischler sagt, die Einsatzkräfte seien bereits vollständig für die Mission vorbereitet gewesen

 17.06.2026

Kommentar

Der Judenhass hat Platz genommen

Die neuen RIAS-Zahlen sind alarmierend. Und sie zeigen einmal mehr eindrücklich: Antisemitismus ist kein Minderheitenproblem und ganz sicher nicht nur ein Judenproblem. Er ist ein Demokratieproblem

von Nelly Eliasberg  17.06.2026

Dokumentation

Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran im Wortlaut

Der saudische Sender »Al Arabiya English« hat das Memorandum of Understanding zwischen Teheran und Washington veröffentlicht

 17.06.2026

Westjordanland

Smotrich will Hebron-Abkommen kündigen – Außenministerium widerspricht

Seit 1997 regelt die Vereinbarung die Teilung der Stadt. Jetzt will der Finanzminister daran rütteln.

von Sara Lemel  16.06.2026

Nahostkonflikt

Donald Trump lobt sich selbst - und tadelt Israel

Beim G7-Gipfel im französischen Evian holte der US-Präsident erneut zu einem rhetorischen Rundumschlag aus. Anstelle von Benjamin Netanjahu lobte er Syriens Präsident Ahmed Al-Scharaa

 16.06.2026