Regierungspolitik

Proteste sollen wieder verschärft werden

Der Dramatiker Joshua Sobol unterschreibt an Tischa beAw die »Erklärung des Widerstandes«. Foto: Flash90

Am Donnerstagabend, nach dem Ende des jüdischen Trauertages Tischa beAw, sollen die Proteste in Israel wieder verschärft werden. Das kündigten verschiedene Organisationen an, die sich den Schutz der Demokratie auf die Fahnen geschrieben haben. Die Regierung gab in diesem Zusammenhang an, dass sie sechs weitere Wasserwerfer kaufen wolle.

Der israelische Polizeichef Kobi Shabtai erklärte am Morgen, die Polizei bereits auf Massendemonstrationen vorzubereiten. Er bekräftigte sein Versprechen, Demonstrationen zuzulassen und zu schützen, die keine Straßen blockieren, keine Gewalt verursachen oder die öffentliche Ordnung beeinträchtigen. »Die israelische Polizei ist unpolitisch und arbeitet für die gesamte Öffentlichkeit, während sie ihre Werte wahrt.«

In einer Erklärung erklärte die Protestgruppe »Kaplan Force«, sie kämpfe weiterhin gegen die Gesetzespläne der Regierung: »Mit einer diktatorischen Regierung verhandelt man nicht. Man kämpft gegen eine diktatorische Regierung.«

MEDIZINER Laut einem Bericht der israelischen Tageszeitung »Yedioth Ahronoth« hat die Regierung währenddessen eine Ausschreibung zum Kauf von sechs weiteren großen Wasserwerfern herausgegeben. Mediziner haben die Sicherheitsbehörden mehrfach aufgefordert, den Einsatz des umstrittenen Mittels zur Massenzerstreuung einzustellen. Mehrere Demonstranten wurden bei Protesten bereits durch die extrem starken Wasserstrahlen verletzt.

Währenddessen haben die Europäische Union und die Bundesregierung ihre Sorge über die politische Lage zum Ausdruck gebracht. Regierungssprecher Steffen Hebestreit erklärte, Bundeskanzler Olaf Scholz sei mit Netanjahu und Herzog im Gespräch über die Lage.

»Wir unterstützen die Bemühungen des israelischen Staatspräsidenten, einen Kompromiss zu finden, der von einer breiten Basis der Gesellschaft getragen wird.« Dafür brauche es »Zeit und den Willen, Spaltungen zu überwinden und über Kompromisse zu sprechen«.

»Erhebliche Verantwortung für die Suche nach Lösungen liegt immer bei denjenigen, die Macht und Autorität haben.«

Präsident Herzog hatte an dem jüdischen Trauertag seinem Schmerz und seiner Frustration über die Entwicklungen Ausdruck verliehen: »Es gibt keine größere Aufgabe, als das Volk zu heilen und zu vereinen und den Staat Israel und seine Demokratie zu schützen.« Er fügte hinzu, dass »eine erhebliche, wenn auch nicht ausschließliche Verantwortung für die Suche nach Lösungen immer bei denjenigen liegt, die Macht und Autorität haben«.

Auch die EU rief die israelische Regierung dazu auf, nach einem Kompromiss zu suchen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Dienstes in Brüssel machte deutlich, dass sich die aktuellen Entwicklungen negativ auf die Zusammenarbeit zwischen der EU und Israel auswirken könnten. »Die Beziehungen basieren auf gemeinsamen Werten, einschließlich der Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit. Dazu gehört auch die Unabhängigkeit der Justiz.«

MACHT Am selben Tag hat der Oberste Gerichtshof in Israel die Mitglieder eines Richtergremiums bekannt gegeben, das eine Petition der Opposition prüfen wird. Darin fordern die Parteien die Einberufung des Richterauswahlausschusses, »damit dieser seine Arbeit erledigen kann«. Justizminister Yariv Levin (Likud) weigert sich bislang, die Sitzung einzuberufen, da er die Zusammensetzung des Gremiums durch weitere umstrittene Gesetze ändern will. Mit diesem Schritt der Legislation soll der Koalition mehr Macht über richterliche Entscheidungen übertragen werden.

Derweil teilte der Likud-Abgeordnete Eli Dallal mit, dass er seine kontroverse Einbringung zur Aufteilung der Position des Generalstaatsanwalts zurückziehe.

In der Position ist derzeit Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara. »Angesichts der Tatsache, dass ich nicht die Absicht hatte, es in der aktuellen Knesset voranzutreiben, und aus einem echten und aufrichtigen Wunsch nach Dialog, Kompromiss und Einigung mit meinen Oppositionskollegen habe ich beschlossen, das Gesetz zurückzuziehen«, schrieb Dallal am Donnerstagmorgen.

Die gestrige Veröffentlichung der geplanten Gesetzesänderung hatte schärfste Kritik in den Reihen der Opposition ausgelöst.

Teheran/Tel Aviv

Israel greift Chameneis unterirdischen Bunker an

Ein Bunker im Herzen Teherans, genutzt von Irans Elite - jetzt war er Ziel eines israelischen Angriffs. Damit will Israel laut eigenen Angaben Irans Führung und deren Fähigkeiten weiter schwächen

 06.03.2026

Jerusalem

Ministerin will Sanktionen gegen israelische Justiz von Trump

Die Leiterin des Umweltressorts, Idit Silman, wendet sich auf X an den US-Präsidenten

von Sabine Brandes  06.03.2026

Alltag

Die Sache mit dem Duschen im Krieg

Die Webseite »canishower.com« will berechnen, wann das Risiko eines Raketenalarms gering genug ist, das Wasser aufzudrehen

von Sabine Brandes  06.03.2026

Nord-Israel

»Wir lassen uns nicht unterkriegen«

Lior Shelef ist Tourguide im Norden Israels. Doch jetzt hat er wieder die Uniform angezogen und beschützt als Chef des Sicherheitsteams seinen Kibbuz und seine Familie

 06.03.2026

Interview

»Wir haben die Lufthoheit«

Oberstleutnant (Reserve) Oren Leshem über die Erfolge der israelischen Luftwaffe, die Herausforderung für die Piloten und die Ziele im Iran-Krieg

von Detlef David Kauschke  06.03.2026

Sicherheit

Israel sieht erhöhte Anschlagsgefahr für seine Bürger im Ausland

Tausende Israelis sind derzeit im Ausland gestrandet. In den vergangenen Tagen sollen bereits Anschläge auf israelische Staatsbürger verhindert worden sein. Das Land spricht deshalb nun Warnungen aus

 06.03.2026

Israel

Schulen bleiben geschlossen

Während Schüler online unterrichtet werden, dürfen Unternehmen wieder Präsenzarbeit zuzulassen – unter einer Bedingung

 06.03.2026

Tel Aviv

»Michelle«: Israel stellt seinen Eurovision-Song 2026 vor

Das von Noam Bettan gesungene Lied kann man nun auch hören

 06.03.2026

Jerusalem

Israel Katz: Entscheidung für Tötung Khameneis fiel im November

Der Zeitplan für die Operation sei beschleunigt worden, nachdem landesweite Anti-Regime-Proteste im Iran den strategischen Rahmen verändert hätten, sagt Israels Verteidigungsminister

 06.03.2026