Ausbruch

»Prison Break« in Gilboa

Der Ausbruch aus dem Hochsicherheitstrakt von Gilboa ist einer der gravierendsten in der Geschichte Israels. Foto: Flash 90

Es klingt wie eine der dramatischsten Folgen der amerikanischen TV-Serie Prison Break: Sechs Häftlinge graben einen Tunnel unter ihrer Zelle, nachdem sie einen Hohlraum in der Dusche entdeckt haben, und kriechen im Dunkel der Nacht in die Freiheit. Der Wächter auf dem Ausguck ist eingeschlafen. So geschah es tatsächlich in der vergangenen Woche in der Haftanstalt Gilboa im Norden Israels.

Vier der Geflohenen wurden bislang wieder dingfest gemacht. Zwei wurden gefunden, als sie sich in der Stadt Nazareth herumtrieben und von arabischen Bewohnern der Polizei gemeldet wurden, zwei andere, als sie in einem Dorf um Essen baten. Einer versteckte sich anschließend auf der Ladefläche eines Lkws, der andere hockte im Olivenhain. Ein Drehbuch aus Hollywood hätte es kaum fesselnder gestalten können.

SCHÜSSE Doch noch ist die Saga nicht vorbei, die in Israel die Frage laut werden lässt: Wie konnte das nur geschehen? Zwei der entkommenen Sicherheitsinsassen sind noch auf der Flucht, einer von ihnen soll es ins palästinensische Westjordanland geschafft haben. Als die Sicherheitskräfte dort nach ihm suchten, wurden Schüsse auf sie abgefeuert.

Eine Vorab-Untersuchung ergab, dass die Häftlinge Monate gebraucht haben, um den Tunnel zu graben – vor den Nasen der Aufseher. Premierminister Naftali Bennett dankte den Bewohnern von Nazareth, »die das Richtige getan haben«, und kritisierte, dass in vorherigen Regierungen Spitzenpositionen aus politischen Gründen besetzt wurden. »Doch wir brauchen saubere und qualitativ hochwertige Stellenbesetzungen, die einzig aus professionellen Gründen erfolgen.«

FUNDAMENT Sicherheitsminister Omer Barlev hat mittlerweile eine Untersuchungskommission auf den Plan gerufen, um die Versäumnisse aufzudecken, die er in einem Interview im Fernsehkanal Zwölf als »massives Versagen« bezeichnete. Offenbar fehlt dem Gebäude in Gilboa das Fundament. »Dies war israelischer Pfusch am Bau in jeglicher Hinsicht. Als es Druck gab, Gefängnisse zu errichten, bauten sie sie quasi in der Luft, um Geld zu sparen.«

Vier der sechs entkommenen Häftlinge, darunter der einstige Leiter der Terrorgruppe Al-Aksa-Brigaden, Zakharia Zubeidi, verbüßen lebenslange Haftstrafen. Alle sitzen wegen der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung im Gefängnis. Zubeidi gehört zu den gefassten Häftlingen.

Der Ausbruch aus dem Hochsicherheitstrakt von Gilboa ist einer der gravierendsten in der Geschichte des Landes und legt in den Augen vieler die Versäumnisse in der Gefängnisverwaltung offen.

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