Kommunalwahlen

Premiere am Carmel

Einat Kalisch Rotem wurde als erste Frau überhaupt in der Geschichte Israels zur Bürgermeisterin einer der drei größten Städte gewählt. Foto: Flash 90

Die Würfel sind gefallen – zumindest in Tel Aviv und in Haifa. Denn während sich bei den Kommunalwahlen am Dienstag in der Küstenmetropole erneut Ron Huldai als Platzhirsch gegen seinen langjährigen Stellvertreter Asaf Zamir behaupten konnte und am Carmel mit Einat Kalisch Rotem von der Arbeiterpartei nun erstmals eine Frau auf dem Bürgermeistersessel Platz nehmen wird, bleibt in der Hauptstadt noch alles offen.

Keiner der Kandidaten konnte die erforderliche Mindestzahl von 40 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Ze’ev Elkin, Minister für Umwelt und Jerusalem-Angelegenheiten sowie Ministerpräsident Benjamin Netanjahus Favorit, kam auf 19 Prozent und ist damit genauso aus dem Rennen wie der ultraorthodoxe Vizebürgermeister Yossi Deutsch mit seinen 17 Prozent.

Urnengang Deswegen wird es in Jerusalem am 13. November einen zweiten Urnengang geben. Die Wähler können sich dann zwischen Moshe Lion, der von der sefardisch-orthodoxen Schas-Partei unterstützt wird und gestern 33 Prozent der Stimmen erhielt, und dem einzigen säkularen Kandidaten, Ofer Berkovitch, entscheiden, der auf 29 Prozent kam.

Die eigentliche Überraschung des Tages aber war Einat Kalisch Rotem, die mit 55 Prozent der Stimmen als erste Frau überhaupt in der Geschichte Israels zur Bürgermeisterin einer der drei größten Städte gewählt wurde.

Bis dato konnte von den 50 größten Kommunen im Land nur eine einzige mit einer Frau an der Spitze aufwarten: Miriam Feinberg in Netanya, die übrigens wiedergewählt wurde. Auch war Kalisch Rotems Sieg alles andere als vorprogrammiert, weil zuvor ein Verwaltungsgericht ihre Kandidatur aufgrund von Formfehlern infrage gestellt hatte und erst am 22. Oktober die Erlaubnis der obersten Richter des Landes kam.

Entschlusskraft »Das ist ein riesiger Gewinn für Haifa«, freute sich denn auch prompt Avi Gabbay, Vorsitzender der nicht gerade von Erfolgen verwöhnten Arbeiterpartei. »Einat hat gezeigt, dass man sich mit harter Arbeit und viel Entschlusskraft gegen den Trend durchsetzen kann.«

Die promovierte Architektin und Stadtplanerin entthronte damit Yona Yahav von der zentristischen Kulanu-Partei, der 15 Jahre lang die Geschicke Haifas geleitet hatte. Das gelang ihr aber bemerkenswerterweise nur mit der Unterstützung der Ultraorthodoxen in der Stadt, die mit dem Amtsinhaber im Dauerclinch lagen und deshalb bereit waren, sogar eine Frau zu wählen.

Die Wahlbeteiligung lag mit 57 Prozent deutlich höher als vor fünf Jahren – kein Wunder, schließlich war der Dienstag eigens zu einem arbeitsfreien Tag erklärt worden, was die Wirtschaft laut Schätzungen wohl eine halbe Milliarde Dollar gekostet haben soll. Viele Israelis aber verknüpften den Urnengang mit Shopping oder anderen Freizeitaktivitäten.

Trend Doch das Bild ist uneinheitlich. So gingen knapp 45 Prozent der Einwohner Tel Avivs wählen – 2013 waren es nur fast 29 Prozent, und in Haifa 47 Prozent, 14 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. In Jerusalem dagegen war der Trend genau umgekehrt.

Dort ging die Wahlbeteiligung von fast 40 Prozent auf 35 Prozent zurück. Der Grund: Zwar gingen mehr säkulare und ultraorthodoxe Israelis wählen als sonst, dafür boykottierten aber auch mehr arabische Bewohner der Stadt die Kommunalwahlen.

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