Skandal

Pikantes aus dem Gerichtssaal

Der Präsident der Anwaltskammer soll Beförderungen gegen Sex vergeben haben

von Sabine Brandes  24.01.2019 12:47 Uhr

Was kann er dafür, dass die Frauen ihn lieben? Effi Nave Foto: Flash 90

Der Präsident der Anwaltskammer soll Beförderungen gegen Sex vergeben haben

von Sabine Brandes  24.01.2019 12:47 Uhr

Es ist der Stoff, aus dem die erfolgreichsten Fernsehserien sind: Sex und Crime zwischen Anwälten und Richtern, dazu eine kühne Journalistin, die die Grenze der Legalität überschreitet, um ihre Story zu bekommen. So geschehen in Israel. Doch nicht auf der Mattscheibe, sondern in der Realität – direkt hinter den Kulissen des israelischen Gerichtssystems. Mittendrin: der Präsident der Anwaltskammer (IBA), Efraim (Effi) Nave, und Justizministerin Ayelet Shaked.

Drehbuchschreiber hätten kaum etwas hinzuerfinden müssen, um eine spannungsgeladene Serie daraus zu machen. Die Hauptfigur, ein charismatischer »Macher«, wie ihn Bekannte beschreiben, mit markantem Glatzkopf und Maßanzügen, ist Effi Nave. Ein Frauenheld und trunken von Macht, privat verstrickt in eine schwierige Scheidung. Er war seit 2015 in seiner Position und einer der mächtigsten Männer der Justizszene als Chef einer Organisation, die 59.000 Anwälte vertritt.

GELIEBTE Doch der Justizskandal zieht sich weiter als nur durch Anwaltskreise. Er ist auf der obersten politischen Ebene angekommen, direkt vor der Tür der Justizministerin mit Ambition auf das Premierministeramt: Ayelet Shaked. Auch sie ist durchaus telegen: mit bildhübschem Gesicht und stoischer Haltung.

Auch Justizministerin Ayelet Shaked ist in die Affäre verwickelt.

Der Skandal um Nave hatte bereits Ende Dezember begonnen. Damals hatte er versucht, seine Geliebte, eine Jurastudentin, wieder ins Land zu schmuggeln, nachdem er es zuvor geschafft hatte, sie in den Liebesurlaub nach Thailand mitzunehmen, ohne dass sie bei der Ausreise ihren Pass hatte vorzeigen müssen. Bei der Einreise am Ben-Gurion-Flughafen jedoch wurden die beiden geschnappt und festgenommen. »Es ging um Persönliches und war ein schrecklicher Fehler«, räumte Nave kleinlaut ein. Seine Noch-Ehefrau habe nicht wissen sollen, dass er mit seiner jungen Freundin verreiste. Dann aber richtete er sich auf und machte klar: »Ich werde erwachsener daraus hervorgehen.«

Die Mauer aus Schweigen der Loyalisten um Nave hielt. Shaked inbegriffen. Die erklärte nach den Vorwürfen gegen ihren Protegé, das alles sei eine »Hexenjagd gegen öffentliche Personen durch die Polizei, die gestoppt werden muss«. Sogar als Nave seine Verfehlung zugab, änderte Shaked ihre Meinung nicht. Während ihrer Amtszeit hat die Ministerin 334 Richter ernannt und Hunderte befördert. Alles im Sinne ihrer »Justizrevolution«, wie sie es nennt. Was ist da schon ein faules Ei? Doch Kritiker glauben, sie habe eine politische Allianz mit Nave gebildet, der übrigens ihre politischen Ansichten teilt, und dadurch das Justiz-Auswahlkomitee ohne Kontrollsystem zurückgelassen. Nave durfte unter ihrer Aufsicht seine Macht innerhalb des Komitees ausbauen, bis er praktisch frei schalten und walten konnte, damit Shaked ihre politischen Interessen voranbringen konnte: so viele rechtsgerichtete Richter wie möglich zu benennen. Es gibt Stimmen, die ihren Rücktritt fordern. Bildungsminister und Parteikollege Naftali Bennett stellte sich hinter Shaked und meinte, es handle sich um »falsche Anschuldigungen und Lügen«.

HANDY Doch die Ministerin und ihr Top-Anwalt hatten die Rechnung ohne eine Reporterin des Armeeradios, Hadas Shteif, gemacht. Die witterte nach den ersten Vorwürfen gegen Nave mehr und begann zu recherchieren. Sie gelangte durch eine ihrer Quellen in den Besitz eines alten Handys von ihm und ließ es von einem Hacker knacken. Drehbuchschreiber hätten hier sicherlich wegen Unglaubwürdigkeit interveniert, doch tatsächlich war nichts gelöscht. Shteif fand Hunderte von Textnachrichten zwischen Nave und zwei Frauen, die auf pikante Weise beschrieben, wie der Anwalt Beförderungen verteilte: für Sex mit ihm. Eine Richterin soll mit Nave geschlafen haben, um eine bessere Position zu erhalten. In einem anderen Fall ging es noch schlüpfriger zu: Die Ehefrau eines Richters soll mit Nave ins Bett gegangen sein, um ihrem Mann eine Beförderung zu verschaffen. Ob Letzterer davon wusste, ist nicht bekannt. Auch einer der Praktikantinnen, mit denen er den Nachrichten in seinem Telefon zufolge Affären hatte, soll er einen Job im Justizsystem besorgt haben.

Nave trat zurück, beharrt aber auf seiner Unschuld.

Shteif übergab den Beweis in Form des Mobiltelefons an die Polizei im Austausch gegen Straffreiheit. Denn sowohl das Hacken als auch die Verletzung von Naves Privatsphäre sind kriminelle Delikte und hätten geahndet werden können. Der Anwalt des Angeklagten, Boaz Ben Zur, erklärte, der Fall sei »viel Lärm um Nichts«, und meinte zudem, dass die Verwendung des gestohlenen Handys illegal sei. Die Gesellschaft für Bürgerrechte pflichtete ihm bei und forderte, dass der Fall eingestellt wird. Doch die Ermittlungsbehörden beharren darauf, dass »die Untersuchungen entsprechend der Gesetze durchgeführt« wurden. Es gehe bei der Strafverfolgung ausschließlich um kriminelle Delikte im Zusammenhang mit Ernennungen im Justizbereich. Und nicht um Persönliches.

VERBÜNDETE Erst als diese neuen Vorwürfe ans Licht kamen, wussten auch die hartgesottensten Verbündeten, dass der Präsident der IBA nicht mehr zu halten und seine Karriere erledigt war. Das weiß wohl auch Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit. Der hat sich wegen seiner engen Freundschaft zu Nave aus den Ermittlungen zurückgezogen.

Einer der dienstältesten Anwälte des Landes, der einstige Vorsitzende des Ethikkomitees im Bereich Tel Aviv, Ilan Bombach, sagte nach Bekanntwerden des Skandals in einem Interview: »Die Mehrzahl der Mitglieder der IBA stellte sich hinter Nave, obwohl sie wussten, was für ein Mensch er ist. Er hätte sofort zurücktreten müssen, als berichtet wurde, dass er seine Geliebte ins Land schmuggeln wollte. Eigentlich war es offensichtlich, doch auch gute Leute verschlossen ihre Augen davor.«

Nave sei eine »mächtige, arrogante, eitle Person, die keine Zurückhaltung kennt«, so Bombach weiter. »Er ist zu schnell zu weit gekommen. Leider wird es dauern, bis die Anwaltskammer rehabilitiert ist.« Auch Shakeds Verhalten gefällt Bombach nicht: »Wenn man einen Richter auswählt, sollte die hauptsächliche Überlegung die juristische Gelehrsamkeit sein, dazu das Temperament und der Respekt gegenüber Anwälten und Angeklagten. Doch das war nicht der Fall. Leute wurden wegen ihrer politischen Position ausgesucht.« Es stimme zwar, dass die meisten Richter exzellent seien, doch »Shakeds Aktivität und ihre Allianz mit Nave hat dazu geführt, dass auch Richter Positionen bekommen haben, die nicht ihren Fähigkeiten entsprechen«.

Nave beteuert weiter seine Unschuld. Am vergangenen Donnerstag trat er zurück. Das Büro des Staatsanwaltes mahnte derweil das Armeeradio, nichts Privates zu veröffentlichen, das die Reporterin Hadas Shteif in Naves Mobiltelefon entdeckt hat. Die macht währenddessen weiter ihre Sendungen. Und ganz Israel hört zu.

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