Israel

Oberrabbiner unter Verdacht

Steht unter Hausarrest: Oberrabbiner Jona Metzger Foto: Flash 90

Kaum hat der Wahlkampf zum Oberrabbinat in Israel offiziell begonnen, schockt diese Meldung die religiöse Welt: Der amtierende aschkenasische Oberrabbiner, Jona Metzger, wurde am Donnerstag zehn Stunden lang von der Polizei verhört. Er stehe unter dem Verdacht von Betrug, Geldwäsche, Bestechung und Amtsmissbrauch, heißt es.

Nach langwierigen verdeckten Ermittlungen hatten die Sicherheitsbehörden kurz vor dem Wochenende bekannt gegeben, dass Metzger angeblich gemeinsam mit drei anderen Männern Hunderttausende von Schekeln von verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen abgezweigt haben soll.

Hausarrest Seine Untersuchungshaft verlängerte der zuständige Richter um fünf Tage Hausarrest. Metzger darf vorerst weder seine Büros betreten, das Land verlassen oder die anderen Verdächtigen in diesem Fall kontaktieren. Einer von ihnen ist Haim Nissan Eisenstatt, Metzgers Fahrer und persönlicher Assistent. Der Oberrabbiner ließ durch seine Anwälte sämtliche Vorwürfe zurückweisen.

Metzger ist seit 2003 im Amt. Noch am Mittwoch hatte er auf der Abschlussfeier einer rabbinischen Schule davon gesprochen, wie er in den zehn Jahren seiner Amtszeit den vielen Versuchungen »die ihm angeboten worden waren« widerstanden hat.

Das israelische Radio berichtete am Freitag, dass verschiedene Politiker nun bereits die Entfernung Metzgers aus dem rabbinischen Gericht fordern. Meretz-Vorsitzende Zahava Gal-On rief Staatsanwalt Yehuda Weinstein dazu auf, ihn von seinem Amt im Komitee zur Wahl von Richtern zu beurlauben. »Es ist völlig unverständlich, dass ein Mann, der eines kriminellen Vergehens beschuldigt wird, in einer derart wichtigen Position als Richter des Rabbiner-Gerichts fungiert«, erklärte sie.

Amtsmissbrauch Im Jahre 2005 war bereits ein Ermittlungsverfahren gegen Metzger eröffnet worden. Auf der Verdachtsliste standen ebenfalls Bestechung, Betrug und Amtsmissbrauch. Der damalige Staatsanwalt aber schloss die Akte ein Jahr darauf. Er sagte jedoch auch, dass es ihn gewundert habe, »wie sich Metzger während der Ermittlungen benommen hat« und forderte den Rabbiner zum Rücktritt auf.

Viele Kenner des religiösen Establishments in Israel rufen bereits lautstark nach Reformen im Oberrabbinat, um der offenkundigen Korruption ein Ende zu setzen. Dann, argumentieren sie, komme es gar nicht mehr so sehr darauf an, wer am Ende der neue Chef sein wird.

Holocaust

»Unsere Rache an den Nazis ist, dass wir den Staat Israel haben«

Der Schoa-Überlebende Yehuda Widawski ist mit 107 Jahren gestorben. Jahrzehntelang suchte und restaurierte er jüdische Gräber in Polen

von Sabine Brandes  14.09.2026

Reaktionen

»Ritualmordlegende« - »Pflicht, Fragen zu stellen«: Israel streitet über »Naza«

Während Rechte den Film über den Gaza-Krieg als Verleumdung verurteilen, verteidigen Linke das Recht auf Kritik. Armee weist zentrale Vorwürfe zurück

von Sabine Brandes  14.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  14.09.2026

Dokumentarfilm

IDF übt scharfe Kritik an »Naza« und weist Vorwurf zum angeblich genehmigten Angriff auf 500 Zivilisten zurück

»Die IDF haben niemals einen Angriff geplant, genehmigt oder durchgeführt, bei dem erwartet wurde, dass 500 Zivilisten oder auch nur annähernd so viele getötet werden«, heißt es von der Armee

 14.09.2026

Offener Brief

Javier Bardem und ich

Ich habe dich als neugierig, warmherzig, offen für den Menschen vor dir kennengelernt. Wenn du über Israel sprichst, erkenne ich dich nicht wieder – und sehe nur noch blindwütigen Hass

von Gabriella Meros  13.09.2026

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  13.09.2026 Aktualisiert

Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

2007 zerstörte Israel den Atomreaktor Deir ez-Zor. 19 Jahre später bestätigt Atom-Aufseher Rafael Grossi, dass die Anlage atomwaffenfähiges Material hätte produzieren können

 11.09.2026

Rosch Haschana

Israel wächst – doch immer mehr Menschen verlassen das Land

Zum jüdischen Neujahr veröffentlicht das Statistikamt neue Zahlen. Die Geburtenrate ist mehr als doppelt so hoch wie in der OECD

von Sabine Brandes  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026