Design

Neue Hüllen braucht das Land

Hauptsache poppig: Verkaufsstand im Dizengoff-Center Foto: Sabina Brandes

Sie sind eckig und praktisch. Als schön aber kann man sie wahrlich nicht bezeichnen. Doch jeder Israeli hat sie und trägt sie täglich mit sich herum: die taubenblauen Plastikhüllen, in denen der Personalausweis steckt. Doch mit der Hässlichkeit soll jetzt Schluss sein. Drei junge Neueinwanderer aus Frankreich haben eine Revolution in der Hosentasche angezettelt.

Benjamin Bendayan, Benjamin Cohana und Benjamin Sroussi verpassen dem israelischen Ausweis mit ihrer Initiative einen neuen Anzug. Die drei haben nicht nur denselben Vornamen, sie sind alle 25 Jahre alt, seit vielen Jahren beste Freunde, machten gemeinsam im Oktober vergangenen Jahres aus Paris Alija und leben in Netanja, nördlich von Tel Aviv. Sie haben einen Master-Abschluss in Business-Studien und vorher in großen französischen Firmen gearbeitet.

Hier in Israel sind sie zudem neuerdings Geschäftspartner. Mit ihrer neu gegründeten Firma »Myzehut« (Meine Identität) bieten sie bedruckte Schutzhüllen für die Ausweise der Israelis. Ob man sich als Disney-Prinzessin sieht, als tanzender Rabbiner mit Schalk im Nacken, als cooler Surfer, ob man die Regenbogenfahne hisst oder Tierfreund ist: Bei Myzehut kann sich jeder für 29 Schekel (umgerechnet rund 6,50 Euro) das Alter Ego seiner Träume erstehen. »Und dazwischen gibt es auch ein bisschen French touch für die Liebhaber der französischen Kultur«, so Bendayan. »Ganz ohne geht es einfach nicht.«

Start-up
Alles begann vor einigen Monaten mit einer kaputten blauen Hülle. »Es passierte meinem Freund. Er brauchte eine neue Hülle und musste stundenlang beim Innenministerium Schlange stehen«, erzählt Bendayan, einer der drei Gründer. »Später unterhielten wir uns darüber, wie überholt die Mappen doch sind, und prompt war die Idee geboren, etwas Neues zu kreieren. Natürlich sind wir von der Start-up-Nation Israel inspiriert und wollen ein Teil davon sein.«

Die bunten Hüllen sind mittlerweile in drei Einkaufszentren des Landes zu kaufen, dem Dizengoff-Center in Tel Aviv, in Netanja und in Raanana. In Jerusalem wird demnächst ein Stand eröffnet. Außerdem haben die drei Benjamine Verträge mit rund 27 Einzelhändlern. »Wir wollen, dass unsere Produkte für jedermann ganz einfach zu erstehen sind.« Deshalb haben sie sich für den Makolet, das israelische Pendant zum Tante-Emma-Laden, entschieden. »Da liegen die Hüllen im Kassenbereich, können direkt mitgenommen werden – und schon ist die coole neue Identität fertig«, so Bendayan.

Im Februar haben die drei ihre erste Kollektion auf den Markt gebracht und mittlerweile etwa 8000 Stück verkauft. »Aber wir wollen noch viel mehr. Jetzt fangen wir an, uns an Unternehmen zu wenden, die ihren Angestellten oder Kunden unsere Hüllen als Prämie oder Präsent geben könnten. Natürlich mit dem Firmenlogo.«

legal Denn erlaubt ist, was gefällt. Die Macher von Myzehut erkundigten sich vorab beim Innenministerium, ob es überhaupt legal ist, dem Personalausweis ein neues Gewand überzuziehen. Schließlich ist die Original-Hülle mit einer offiziellen Prägung des Staates Israel versehen. Doch Bendayan versichert: »Es ist erlaubt. Wir haben uns hundertprozentig schlau gemacht und abgesichert. Das einzige, was nicht geht, ist Kritik an der Regierung, ließ man uns wissen«, sagt er und schmunzelt. »Aber damit können wir uns arrangieren und respektieren das natürlich.«

Die Hülle für den Personalausweis ist nicht das einzige Produkt von Myzehut. Es gibt auch welche für den Ausweis der Soldaten, den Reisepass und den biometrischen Personalausweis. Und in zwei Wochen wollen die drei mit der Erweiterung ihrer Geschäftsidee auf den Markt: Ab dann soll sich jeder seine Hülle selbst designen können. »Das wird auf unserer neuen Website möglich sein. Was auch immer die Leute wollen: ein gemaltes Bild, ein cooler Spruch oder ein Lebensmotto, das Foto des Liebsten oder der Kinder, vom Hund oder der Katze.«

ehre Den Israelis gefallen die neuen Hüllen für ihre Ausweise gut, ist Bendayan sicher. »Sie mögen besonders, dass es von Olim Chadaschim kommt, dass wir praktisch gerade erst eingewandert sind und schon etwas zur Gesellschaft beitragen. Wir würdigen den Personalausweis mit unseren Hüllen, verpassen ihm ein moderneres Gesicht. Das ist eine richtige Ehre.«

»Es wundert mich, dass da noch keiner vorher dran gedacht hat«, sagt Schachar Shem-tov, die am Myzehut-Stand im Dizengoff-Center steht und sich ein neues Schutzmäppchen aussucht. »Jahrzehntelang sind alle Israelis mit diesen todlangweiligen Dingern herumgelaufen, und niemand hat sich beschwert. Es ist eine super Idee und wirklich an der Zeit, dass es etwas Neues gibt.«

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  10.07.2026

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Verteidigung

Israelisches Startup will »Iron Dome gegen Drohnenschwärme« bauen

Israel hat einen hochmodernen Schutz gegen Raketen, doch Drohnen haben die Kriegsführung grundlegend verändert.

 10.07.2026

Maccabia

Zwischen Medaillen und Menschlichkeit

Für die Schweizer Delegation ist klar, das Spiel ist wichtig, aber neue Freundschaften sind wichtiger

von Nicole Dreyfus  10.07.2026

Opfer der Hamas

Yarden Bibas pflanzt mit Mike Huckabee Baum für seine Familie

Die Ex-Geisel und der US-Botschafter wollen damit die Erinnerung an Kfir, Ariel und Shiri wachhalten, die von Terroristen ermordet wurden

 10.07.2026

Negev

Netanjahu und Armeechef: Israel ist jederzeit zu neuem Militäreinsatz gegen Iran bereit

»Der Krieg ist nicht vorbei«, sagt der israelische Ministerpräsident. »Neben alten Herausforderungen entstehen ständig neue«

 10.07.2026

Humanitäre Hilfe

Israel weist Berichte über Versorgungsengpässe in Gaza zurück

Einem neuen Bericht zufolge sind seit der Waffenstillstandsvereinbarung vom Oktober 2025 1800 Millionen Tonnen an Lebensmitteln nach Gaza gelangt. Israel sagt, das sei mehr als vor dem Krieg

 09.07.2026

Dublin

Irland beschließt Einfuhrstopp für Waren aus israelischen Siedlungen

Nach acht Jahren Debatte hat das irische Unterhaus ein Importverbot für Produkte aus israelischen Siedlungen im Westjordanland gebilligt

 09.07.2026