Terror

Neue Attacken in Jerusalem und Tel Aviv

Nach dem Attentat sperrt die Polizei das Gelände um die Bushaltestelle weiträumig ab. Foto: Flash 90

Jerusalem kommt nicht zur Ruhe. Obwohl am Mittwoch die Regierungschefs beider Seiten zur Deeskalation aufgerufen haben, ist es am Donnerstagmittag wieder zu einem Angriff gekommen. An einer Bahnhaltestelle im Viertel French Hill ist ein palästinensischer Mann mit einem Messer auf einen 25-jährigen Jeschiwa-Studenten losgegangen und verletzte ihn dabei lebensgefährlich.

Bei dem Handgemenge mit dem Terroristen sei der Angestellte eines privaten Sicherheitsdienstes leicht verletzt worden, gaben die Rettungskräfte an. Der Angreifer, nach Polizeiangaben ein 19-Jähriger aus Ostjerusalem, wurde festgenommen. Zwei weitere versuchte Angriffe von Palästinensern gegen Israelis am Mittwochabend seien abgewendet worden, heißt es, einer davon vor einem Einkaufszentrum in Petach Tikwa in der Nähe von Tel Aviv.

schraubenzieher Nur zwei Stunden später wurden in Tel Aviv in der Nähe des Azrieli-Einkaufszentrums fünf weitere Menschen von einem palästinensischen Attentäter mit einem Schraubenzieher angegriffen, darunter eine Soldatin der israelischen Armee, die dabei schwer verletzt wurde. Laut Medienberichten habe der Täter zunächst versucht zu fliehen. Doch Sicherheitskräfte hätten auf ihn geschossen und ihn festgenommen. Es handelt sich nach Polizeiangaben um Thaer Abu Ghazaleh, einen Bewohner der Jerusalemer Altstadt, der auf einer Baustelle in Tel Aviv arbeitete.

Etwas später am selben Tag verletzte ein Palästinenser einen israelischen Siedler in der Nähe von Hebron im Westjordanland mit einem Messer schwer. Er schwebt noch in Lebensgefahr. Der Angreifer konnte laut Medienberichten offenbar fliehen.

Am Abend kam es in Afula zu einer weiteren Messerattacke, bei der ein 20-jähriger israelischer Soldat und ein weiterer Mann leicht verletzt wurden. Der palästinensische Attentäter konnte festgenommen werden.

tempelberg Um die bereits seit Wochen schwelenden Spannungen am Tempelberg zu entschärfen, erließ Regierungschef Benjamin Netanjahu die Verfügung, dass momentan kein Knessetmitglied das Areal betreten darf. Auch kein arabisches, machte er klar. Während sich vor allem rechtsgerichtete Parlamentarier der Partei Jüdisches Haus darüber beschwerten, äußerten andere Verständnis. Schelly Jachimowitsch von der Arbeitspartei äußerte sich dahingehend, dass dies angesichts der momentanen Situation die einzig richtige Entscheidung sei, »die noch mehr Blutvergießen verhindert«.

Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte am Mittwoch in einem Interview mit der Tageszeitung Haaretz betont, dass er – während er einen gewaltlosen Kampf seines Volkes gegen die Besatzung unterstützt – sich gegen jegliche Gewalt und den Einsatz von Waffen ausspreche. Angeblich weise er seine Sicherheitskräfte ständig an, die Situation zu deeskalieren.

Am Montag hatte Netanjahu bereits verkündet, dass er derzeit keinem weiteren Siedlungsbau zustimmen würde, weil es »den Gesprächen mit den USA um das Thema Sicherheit nach dem Iran-Deal schaden könnte«. Einige Kommentatoren deuten jedoch auch diese Aussage als Willen, die Lage im Land zu beruhigen.

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  18.04.2026

Kommentar

Hätte er doch einfach geschwiegen

Michael Schulte ist der erfolgreichste deutsche Teilnehmer des ESC der letzten Jahre. Und Schulte ist ein geschichtsbewusster Künstler. Umso befremdlicher sind seine Einlassungen zu Israel

von Daniel Killy  18.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der ab dem 1. Mai von Deutschland aus arbeitet

 17.04.2026

Herzliya

Studie: Mit diesen Methoden mehr Erfolg auf Dating-Apps

Eine wichtige Erkenntnis der Untersuchung: Es kommt weniger darauf an, was man über sich preisgibt, als wie man es tut

 17.04.2026

Umfrage

Waffenruhen mit Iran und Hisbollah: Israelis pessimistisch

Weniger als 40 Prozent sagen, sie hätten die erfolgten Militäreinsätze unterstützt, wenn ihnen die Entwicklungen im Voraus bekannt gewesen wären

 17.04.2026

Studie aus Israel

KI treibt Arbeitslosigkeit bei Programmierern und Verkäufern nach oben

Bei Programmierern gehen zwischen 12 und 20 Prozent des jüngsten Anstiegs der Erwerbslosigkeit auf den Einsatz künstlicher Intelligenz zurück

 17.04.2026

Bildung im Krieg

Israel lockert Abiturprüfungen wegen Kriegslage – Sonderregeln für den Norden

Die Maßnahmen schließen eine »flexiblere Berechnung« von schulischen Leistungen mit ein

 17.04.2026

Nahost

Details zur Waffenruhe zwischen Israel und Libanon veröffentlicht

Ein Sechs-Punkte-Plan soll zunächst zehn Tage lang für Ruhe sorgen. Die Einzelheiten

von Imanuel Marcus  17.04.2026