Internationaler Strafgerichtshof

Netanjahu: »Verfahren wird wie Dreyfus-Prozess enden«

Israels Premier Benjamin Netanjahu Foto: IMAGO/AA

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Nachmittag Stellung genommen zur Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, der zuvor Haftbefehl gegen ihn und seinen früheren Verteidigungsminister Yoav Gallant erlassen hatte.

In der Stellungnahme seines Büros hieß es: »Die antisemitische Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshofs kommt einem modernen Dreyfus-Prozess gleich – und wird auch so enden.« Man weise die »absurden und falschen Anschuldigungen und Handlungen« des Strafgerichtshofs »mit Abscheu zurück.«

1894 hatte die französische Militärjustiz den jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus aufgrund falscher und antisemitisch motivierter Vorwürfe angeklagt. Erst Jahre später wurde Dreyfus rehabilitiert.

Benjamin Netanjahu am Dienstag bei einem Besuch im GazastreifenFoto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Die Entscheidung der Haager Richter sei »von einem korrupten Chefankläger« getroffen worden, welcher versuche, seine Haut vor einer Anklage wegen sexueller Belästigung zu retten, und »von voreingenommenen Richtern, die von antisemitischem Hass auf Israel motiviert sind«, hieß es im Statement von Netanjahus Büro.

Nichts werde den Staat Israel daran hindern, seine Bürger zu schützen. »Benjamin Netanjahu wird dem Druck nicht nachgeben, wird nicht zurückschrecken und wird sich nicht zurückziehen, bis alle von Israel zu Beginn des Krieges festgelegten Ziele erreicht sind.«

Vom Ministerpräsidentenbüro kamen auch scharfe Angriffe auf die Person des Chefanklägers des Strafgerichtshofs, des Briten Karim Khan, und dessen Integrität. Khan habe »gelogen, als er amerikanischen Senatoren sagte, er würde nicht gegen Israel vorgehen, bevor er nicht hierher gekommen und sich die israelische Seite angehört habe.«

Lesen Sie auch

Im Mai, kurz vor der Bekanntgabe seines Antrags auf Haftbefehle, habe Khan abrupt seinen Besuch in Israel abgesagt. Das sei »nur wenige Tage, nachdem gegen ihn der Verdacht der sexuellen Belästigung erhoben wurde«, passiert, so die Riposte des Büros von Netanjahu.

Am Abend veröffentlichte Netanjahu dann noch eine Videobotschaft. »Wir werden nicht aufgeben«, betonte der Regierungschef.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Auch Yoav Gallants Nachfolger als Verteidigungsminister, Israel Katz, fand deutliche Worte und sprach von einer »moralischen Schande, die völlig von Antisemitismus geprägt ist.« Die Entscheidung des Gerichts diene dem Iran und dessen Proxies, fügte er hinzu.

»Wir werden nicht zulassen, dass eine feindliche, heuchlerische und illegitime Organisation unseren Anführern oder unseren Soldaten Schaden zufügt. Wir werden die Bürger Israels weiterhin mit Entschlossenheit und Stolz verteidigen und uns jedem entgegenstellen, der versucht, unser Recht auf Selbstverteidigung zu untergraben.« Er stehe »stehe fest an der Seite« Netanjahus und Gallants, so Katz auf X.

Yoav Gallant und Benjamin Netanjahu Ende Oktober in Mitzpe RamonFoto: IMAGO/Xinhua

Zustimmung zu den Haftbefehlen kam indes von der Hadasch-Partei, die die stärkste arabische Fraktion im israelischen Parlament, der Knesset, stellt. Der IStGH habe auf Grundlage »eindeutiger Beweise« entschieden. Der Gaza-Krieg sei »ein Krieg voller schwerer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.« Netanjahu und Gallant seien »für die totale Zerstörung des Gazastreifens und den Massenmord an seinen Bewohnern verantwortlich. Sie müssen dafür bezahlen«, so die Partei.

Israels Staatspräsident Isaac Herzog hatte zuvor Netanjahu und Gallant in Schutz genommen. In einer Reaktion auf der Social-Media-Plattform X sprach Herzog von einem »schwarzen Tag für die Menschheit«. Er warf den Richtern vor, mit sich mit ihrem Beschluss »für die Seite des Terrors und des Bösen und gegen Demokratie und Freiheit entschieden« zu haben. Die Entscheidung für Haftbefehle gegen die beiden israelischen Politiker sei »in böser Absicht getroffen« worden und »empörend«; das Gericht habe sich damit zu einer »Lachnummer« gemacht. ja

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Diplomatie

Vance: US-Nahostpolitik darf nicht Israel untergeordnet sein

Der US-Vizepräsident betont strategische Partnerschaft mit Israel, pocht aber auf eine Außenpolitik, die sich an den Interessen der USA orientiert

von Sabine Brandes  16.09.2026

Tel Aviv

Israelischer Diplomat glaubt an neuen Beitritt zu Abraham-Abkommen

Israels Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten erklärt, dass in den nächsten vier bis sechs Monaten ein weiteres Land seine Beziehungen zu Israel normalisieren könnte

 16.09.2026

Gaza

Israel tötet mehrere hochrangige Hamas-Kommandeure

Israel geht gegen ranghohe Terroristen vor, darunter auch ein Mitglied des Islamischen Dschihad, das an den Massakern vom 7. Oktober beteiligt war

 16.09.2026

Sicherheit

Warnung ignoriert?

Vor dem 7. Oktober soll Mohammed bin Zayed, der Emir von Abu Dhabi, Netanjahu informiert haben

von Sabine Brandes  15.09.2026

Israel

Wie Quentin Tarantino Israelis den Kinobesuch vermiest

Berichte über Quentin Tarantinos Kinobesuche gehen in Israel viral. Eine Frau hätte ihn beinahe angebrüllt

von Sophie Albers Ben Chamo  15.09.2026

Tel Aviv

IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film »Naza«

Generalstabschef Eyal Zamir bezeichnet bisher bekannt gewordene Teile der Doku als »Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten«

 15.09.2026

Eklat

Boykottaufrufe wegen Wonder Woman Gal Gadot

Ein Magazintitel mit der israelischen Schauspielerin sorgt in den sozialen Medien für heftige Reaktionen gegen die Modemarke Ralph Lauren

von Sabine Brandes  15.09.2026

Tel Aviv

Israelische Forscher entwickeln Bluttest zur Erkennung von Lungenkrebs

Nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler könnte die Methode langfristig eine wesentlich günstigere Alternative zu aufwendigen genetischen Untersuchungen werden

 15.09.2026