Trauer

Mutter von Shani Louk: »Wenigstens hat sie nicht gelitten«

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Trauer

Mutter von Shani Louk: »Wenigstens hat sie nicht gelitten«

Drei Wochen hat die Familie der Deutschen auf ihre Freilassung gehofft. Doch ein Anruf der Armee bringt nun die schlimmste aller Nachrichten

 30.10.2023 21:49 Uhr

Die Deutsche Shani Louk wollte wie Tausende andere junge Menschen beim Supernova-Festival im Süden Israels feiern und tanzen. Doch das Fest endete am 7. Oktober in einem Blutbad, als Hamas-Terroristen aus dem Gazastreifen Israel überfielen.

Mindestens 260 Menschen wurden auf der Party in der Negev-Wüste getötet - darunter auch Shani Louk. Über den Tod der jungen Frau informierte die israelische Armee die Familie in der Nacht zum Montag, wie die Mutter Ricarda Louk der Deutschen-Presse-Agentur sagte. Die Familie dachte bisher, Shani Louk sei in den Gazastreifen verschleppt worden.

Die Nachricht sei schrecklich, sagte Ricarda Louk. Es sei aber gut, nun Gewissheit zu haben. »Wenigstens hat sie nicht gelitten.« Mit zahlreichen Interviews in internationalen Medien hatte sich Ricarda Louk für die Freilassung ihrer Tochter und der anderen Geiseln eingesetzt.

Hamas-Terroristen hatten am 7. Oktober ein Massaker an Zivilisten in Israel angerichtet. Dabei und in den folgenden Tagen wurden mehr als 1400 Menschen in Israel ermordet. Terroristen verschleppten nach Angaben des israelischen Militärs mindestens 239 Menschen in das Gebiet am Mittelmeer, darunter auch mehrere Deutsche.

Die Leiche ihrer Tochter sei bislang zwar nicht gefunden worden, sagte Ricarda Louk. Man habe aber einen Splitter eines Schädelknochens gefunden und damit eine DNA-Probe gemacht. Wenn man an diesem inneren Schädelknochen verletzt sei, könne man nicht mehr leben, sagte die Mutter. Das erforderliche DNA-Vergleichsmaterial hätten die Eltern den Behörden schon vor längerer Zeit zur Verfügung gestellt.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Ermordung von Shani Louk als »furchtbare« Tat und »Barbarei«. »Hier ist ein Mensch auf brutale Weise ermordet worden«, sagte er während seiner Afrika-Reise im nigerianischen Lagos. »Das zeigt welch Geistes Kind diese Täter sind. Das ist etwas, das wir als Menschen nur verachten können.«

Der Mord zeige »die ganze Barbarei, die hinter diesem Angriff der Hamas steckt«, betonte Scholz. Deshalb müssten die von der EU als Terrororganisation eingestuften Islamisten zur Rechenschaft gezogen werden. Israel habe das Recht, sich zu verteidigen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte der Mutter: »Die Grausamkeit der Mordtat an Ihrer Tochter entsetzt uns alle«, schrieb Steinmeier. »Überall in Deutschland fühlen die Menschen mit Ihnen. Gemeinsam stellen wir uns dem Hass und dem Terror entgegen.«

Zu Aussagen des israelischen Präsidenten Isaac Herzog in der »Bild«-Zeitung, Shani Louk sei enthauptet worden, erklärte sein Sprecher auf Nachfrage: »Die Tatsache, dass ein erheblicher Teil ihres Schädels gefunden wurde, löste die Angst aus, dass sie geköpft wurde.«

Die Mutter geht davon aus, dass ihre Tochter bereits seit dem 7. Oktober tot ist - möglicherweise sei die 22-Jährige auf dem Supernova-Festival durch einen Schuss in den Schädel getötet worden.

Bilder und Videos, die im Internet kursierten, zeigten demnach damals den Körper der jungen Frau auf einem Pick-up der Angreifer. Unklar ist, ob die Terroristen die Leiche der Frau letztlich mit in den Gazastreifen genommen haben.

Ihre Familie hatte die junge Frau nach eigenen Angaben auf den Aufnahmen erkannt und sich schon kurz darauf mit der Bitte um Hilfe an die Öffentlichkeit gewandt. Zunächst ging Shani Louks Familie, von der ein Teil in Baden-Württemberg lebt, davon aus, dass die junge Frau bei dem Überfall schwer am Kopf verletzt wurde, aber am Leben war und sich im Gazastreifen befand. Diese Informationen hatte die Familie nach eigenen Angaben von einer »vertrauten Person im Gazastreifen« erhalten.

Orly Louk, die Tante von Shani Louk, schilderte die dramatischen Szenen bei dem Musikfestival damals so: »Sie war auf einer Party, in der Wüste, im Niemandsland. Dort tanzte sie mit einer Gruppe von Menschen. (...) Es wurde geschossen, die Partybesucher wurden gejagt. Die jungen Menschen rannten, versteckten sich, soweit ich weiß. In den Videos kann man sehen, was passiert ist.«

Der 19-jährige Israeli Noam Cohen überlebte das Massaker auf dem Festivalgelände nur knapp, wie er kurz danach erzählte. Gemeinsam mit rund zwei Dutzend Festival-Besuchern habe er sich in einem Schutzbunker bei einer Bushaltestelle versteckt.

Doch die Terroristen hätten mehrere Granaten in den Bunker geworfen. Er erinnere sich an Schüsse, Blut und Leichenteile. »Ich sah, wie Menschen neben mir explodierten, immer und immer wieder, Leichenteile überall.« Von den mehr als 20 Festivalbesuchern im Bunker seien höchsten drei oder vier lebend rausgekommen.

Ein weiterer Überlebender berichtete davon, wie Menschen von den Angreifern lebendig in ihren Autos verbrannt wurden. Er selbst sei von zwei Terroristen an Gleitschirmfliegern aus der Luft beschossen worden.

Die Terroristen begingen zudem Massaker in zahlreichen Orten im Grenzgebiet. Auf Bildern, die die israelische Regierung später von den Gräueltaten präsentierte, waren grausam ermordete und verbrannte Kinder und enthauptete Menschen zu sehen.

Nach Militärangaben gelten seit dem Terrorüberfall immer noch 40 Menschen als vermisst. Wegen des schlimmen Zustands vieler Leichen ist auch die Identifikation noch nicht abgeschlossen.

Ricarda Louk hatte nach dem Terrorangriff auch die Bundesregierung um Hilfe gebeten - auch bei einem Treffen mit Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in Israel. Die Familie beklagte, dass sie von den deutschen und israelischen Behörden kaum Informationen erhalten hatte.

Orly Louk und ihr Mann Wilfried Gehr sahen das Treffen Mitte Oktober sehr kritisch: »Leider bleibt das Gefühl, dass die deutsche Außenministerin, der Botschafter und auch der Kanzler uns und alle Familien wirklich nicht unterstützt haben, die betroffenen Familien nur für ihre egoistischen Medienauftritte benutzt haben«, teilten sie in einer Stellungnahme mit.

Aber es bringe nichts, sich darüber zu beklagen. »Wir hoffen, dass dieser sinnlose Krieg in Israel und alle anderen Kriege bald aufhören.«

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