Visite

Mitten ins Herz

Präsident - und ein echter Mentsch für die Israelis: Joe Biden Foto: Flash90

Der Besuch war kurz – aber dafür von umso größerer Bedeutung. Gerade mal einen halben Tag war US-Präsident Joe Biden in Israel und hat doch in dieser kurzen Zeit klargemacht, wie eisern er - auch und gerade in dieser schwierigen Zeit - an Israels Seite steht.

Biden, eher ein Mann der Gefühle als des Kalküls, lobte den Heldenmut der Israelis. Und nannte die tapferen Menschen, die gegen Terroristen kämpften, Mediziner, die Verletzte behandelten, Reservisten, die alles stehen ließen und kämpfen gingen, beim Namen. Biden - für die Israelis nicht nur der mächtigste Mann der Welt, sondern auch ein echter »Mentsch«.

BEWEGEND Premierminister Benjamin Netanjahu, der den ganzen Tag mit Biden verbracht hatte, stellte fest, dass Biden der erste US-Präsident ist, der Israel in Zeiten des Krieges besucht. »Das ist zutiefst bewegend.«

»Am 7. Oktober hat die Hamas 1.400 Israelis ermordet, vielleicht mehr. Und dies in einem Land mit weniger als zehn Millionen Einwohnern«, erklärte der Premier. »Das würde der Ermordung von über 50.000 Amerikanern an einem einzigen Tag entsprechen. «

»So wie sich die zivilisierte Welt zusammengeschlossen hat, um die Nazis zu besiegen, und sich zusammengeschlossen hat, um den Islamischen Staat zu besiegen, so muss sie sich auch zusammentun, um die Hamas zu besiegen«, fügte der israelische Regierungschef hinzu und betonte: »Die Kräfte der Zivilisation werden siegen – für uns, für Sie, für Frieden und Sicherheit in unserer Region und in der Welt.«

»Es würde der Ermordung von über 50.000 Amerikanern an einem einzigen Tag entsprechen.«

premier benjamin netanjahu

Im Anschluss an das Treffen gab das Büro des Premiers bekannt, dass das israelische Kriegskabinett angesichts der »überwältigenden und lebenswichtigen Unterstützung der Vereinigten Staaten und angesichts der Forderung des US-Präsidenten nach grundlegender humanitärer Hilfe für Gaza«, folgendes beschlossen hat:

»Israel wird erstens nicht zulassen, dass von seinem Territorium aus humanitäre Hilfe in den Gazastreifen geliefert wird, bis die von Terrorgruppen festgehaltenen Geiseln zurückgegeben werden. Zweitens verlangt Israel, dass das Internationale Rote Kreuz die Geiseln besuchen darf. Drittens wird Israel nicht verhindern, dass humanitäre Hilfsgüter aus Ägypten nach Gaza gelangen, solange es sich lediglich um Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente für die Zivilbevölkerung im südlichen Gazastreifen handelt. Jegliche Lieferungen, die die Hamas erreichen, werden von Israel blockiert.«

Sicher ein Kompromiss. Doch der Mensch Biden weiß, was es heißt, zu leiden. Seine erste Frau und Tochter starben bei einem Autounfall, ein Sohn verlor den Kampf gegen den Krebs. Emotional wie er ist, sprach er über die kleinen persönlichen Erinnerungen, die sich diejenigen, die geliebte Menschen verloren haben, für den Rest ihres Lebens bewahren. »Es gibt etwas, das nie ganz verloren geht: deine Liebe zu ihnen und ihre Liebe zu dir«, sagt er und trifft die Israelis mitten ins Herz.

»Es gibt etwas, das nie ganz verloren geht: deine Liebe zu ihnen und ihre Liebe zu dir.«

US-präsident joe biden

»Vergewaltigungen, Enthauptungen, lebendig verbrannte Körper, die Hamas verübte Gräueltaten, die an die schlimmsten Verwüstungen des Islamischen Staates erinnern und ließ das pure, unverfälschte Böse über die Welt los.« Es gebe keine Rationalisierung dafür. Er versicherte den Familien der Vermissten und Verschleppten, dass sie nicht allein seien. »Für mich als amerikanischen Präsidenten gibt es keine höhere Priorität als die Freilassung und sichere Rückkehr all dieser Geiseln.«

NARBEN Biden erinnerte auch an den Holocaust mit den Worten, dass der Angriff vom 7. Oktober die Narben dieses Völkermords zum Vorschein gebracht habe. Während die Welt damals »zusah und nichts tat, werden wir nicht tatenlos zusehen, nicht heute, nicht morgen, niemals«.

»Der Staat Israel wurde gegründet, um ein sicherer Ort für das jüdische Volk zu sein. Auch wenn es sich heute vielleicht nicht so anfühlt. Israel muss genau das wieder werden«, sagte ein sichtlich emotionaler Präsident und noch einmal: »Sie sind nicht allein.«

Avi Gil (in Uniform), links von Benjamin Netanjahu

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