Israel

Mir blutet das Herz

Ahmad Mansour, israelisch-deutscher Psychologe und Publizist Foto: imago

Die Rakete kam mitten in der Nacht – und richtete immensen Schaden an. Drei israelische Kleinkinder wurden verletzt, vier israelische Erwachsene haben ebenfalls Schaden an Körper und Geist genommen. Es kommt einem Wunder gleich, dass keiner von ihnen in der Nacht zu Montag durch den unvermittelten Beschuss gestorben ist. Die Fotos von ihrem Wohnhaus zeigen es: Es wurde komplett zerstört.

Das Geschoss der Hamas hätte genauso gut auch meine Eltern treffen können. Meine Mutter und mein Vater leben nur wenige Hundert Meter entfernt in der israelischen Ortschaft Tira. Und auch sie leiden unter dem Beschuss der radikalen Palästinenser aus dem Gazastreifen. Als Psychologe weiß ich, was die fatalen Folgen des Raketenterrors sind: Dauerhafte Angstzustände gehören genauso dazu wie Traumata und Depressionen.

terror Doch genauso leid tun mir die vielen Menschen im Gazastreifen, die dem Terror der Hamas schutzlos ausgeliefert sind. Ich bin mir sicher: Viele von ihnen würden die Hamas und den Islamischen Dschihad lieber gestern als heute loswerden.

Viele von ihnen – und damit blende ich den weit verbreiteten Antisemitismus und Hass auf Israel in Gaza keineswegs aus – wollen wie jeder Mensch auch nur in Freiheit, Frieden und Sicherheit leben. Ihre Regierung aber, die Hamas, hat sie in Geiselhaft genommen. Waffenarsenale werden in Schulen gelagert, Kommandostationen in Krankenhäuser verlegt, Opfer von Angriffen medial instrumentalisiert.

Ich sage es ganz ehrlich und bewusst emotional ohne die bei politischen Kommentaren oft verwendeten Phrasen: Mir blutet das Herz, wenn ich an die Menschen in Israel, den Grenzstädten entlang des Gazastreifens und in Gaza selbst denke. Mit jeder weiteren Rakete, die abgeschossen wird, richten die Angst und der unfassbare Stress weitere gravierende Schäden an.

zynismus Angesichts dessen ist es an Zynismus und Kaltherzigkeit nicht zu überbieten, was die Israel‐Korrespondentin der »taz« heute geschrieben hat: »Mit den Raketen auf die grenznahen israelischen Ortschaften kann man sich arrangieren«, ist Susanne Knaul überzeugt.

Wirklich, ist das Ihr Ernst, Frau Knaul? Waren Sie schon mal in Sderot? Oder im Ort meiner Eltern?

Diese Menschen haben wie jeder Mensch auf der Welt das Recht, ohne Sorge vor Raketenbeschuss abends schlafen zu gehen. Kein Staat auf dieser Welt kann diesen dauerhaften Beschuss akzeptieren. Und kein Staat sollte diesen dauerhaften Beschuss akzeptieren.

Der Autor stammt aus Israel und ist Psychologe und Publizist.

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