Krieg gegen den Terror

Militär meldet Waffenfund in Gaza-Klinik

Eine 12-jährige Dialyse-Patientin im Ranitsi-Krankenhaus, 16 Tage vor der Terrorattacke der Hamas gegen Israel vom 7. Oktober Foto: picture alliance/dpa

Im Keller einer Kinderklinik in der Stadt Gaza haben israelische Soldaten eigenen Angaben zufolge zahlreiche Waffen palästinensischer Extremisten gefunden. Es gebe auch Anzeichen dafür, dass im Keller des Rantisi-Krankenhauses Geiseln festgehalten worden sein könnten, sagte Militärsprecher Daniel Hagari.

In einem am Montagabend auf der Plattform X, vormals Twitter, veröffentlichten Video zeigt er Sturmgewehre, Handgranaten, Sprengstoffwesten und Waffen zur Panzerabwehr, die im Keller des Krankenhauses entdeckt wurden. »Das ist Ausrüstung für schwere Kämpfe«, sagt Hagari weiter.

In Israel ist der Fund keine Überraschung. Schon in früheren, kleineren Konflikten mit dem palästinensischen Terror zeigte sich: Die Hamas nutzte Schulen der UNRWA, Wohngebäude, Moscheen und Krankenhäuser aus Abschussrampen und Waffenverstecke. Das neueste Video belegt lediglich, was Israel immer gesagt hat.

Außenminister: Druck wird steigen

Israels Regierung stellt sich nach Worten des Außenministers Eli Cohen darauf ein, dass binnen zwei bis drei Wochen der internationale Druck auf ihr Land wegen des Gaza-Kriegs deutlich steigen wird. Politischer Druck aus dem Ausland sei zwar schon jetzt wahrzunehmen, aber noch nicht sehr stark - das ändere sich zunehmend.

»In den Gesprächen, die ich führe, liegt der Fokus auf dem Thema der humanitären Hilfsleistungen«, so Cohen. Die Solidarität und Erschütterung nach dem Massaker der Hamas an israelischen Zivilisten am 7. Oktober gingen dagegen zurück. Israel werde in jedem Fall weiterkämpfen, »bis wir die Hamas zerstört und die Geiseln zurückgebracht haben«, schrieb er auf X.

Transport von Brutkästen

Angesichts der dramatischen Lage im Schifa-Krankenhaus im Gazastreifen haben die israelischen Streitkräfte eigenen Angaben zufolge die Lieferung von Brutkästen für Frühchen angeboten. »Wir haben den Gesundheitsbehörden in Gaza das formelle Angebot unterbreitet, Brutkästen in den Gazastreifen zu bringen, um der Kinderklinik im Schifa-Krankenhaus zu helfen«, sagte eine Sprecherin der für Kontakte mit den Palästinensern zuständigen israelischen Behörde Cogat.

»Wir sind im Krieg mit der Hamas und nicht mit der Bevölkerung von Gaza.« Auf Fotos war zu sehen, wie eine israelische Soldatin Brutkästen in einen Transporter bringt.

Das UN-Hilfswerk für Palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) fürchtet unterdessen einen Totalausfall der Telekommunikation im Gazastreifen. Der Treibstoff der Telekomunternehmen reiche noch bis Donnerstag, um Strom für die Datenzentren und den Betrieb von Servern zu produzieren, hieß es.

Angesichts zahlreicher Dienstunterbrechungen sei es jetzt schon zunehmend schwierig, Menschen zu erreichen und akkurate Informationen über die Lage vor Ort zusammenzutragen.

Biden will besseren Schutz von Krankenhäusern

US-Präsident Joe Biden rief Israel dazu auf, Krankenhäuser im Gazastreifen mehr als bisher vom Kampfgeschehen zu verschonen. Er hoffe und erwarte, dass es rund um Kliniken weniger starke Kampfhandlungen gebe, sagte Biden laut US-Medien im Weißen Haus. Er äußerte sich darüber hinaus hoffnungsvoll zu Gesprächen über die mögliche Freilassung von Geiseln.

Bidens Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan forderte, dass es neben besserem Schutz der Krankenhäuser auch ungefährliche Evakuierungswege für dort eingeschlossene Menschen geben müsse. Die Forderungen aus Washington waren bereits umgesetzt, bevor sie formuliert wurden. Trotz der Existenz von Hamas-Kommandozentralen und Waffenlagern unter Kliniken geht Israel dort mit Vorsicht vor.

Treibstofflieferungen untersagt

Der Treibstoffmangel im Gazastreifen könnte den Vereinten Nationen zufolge auch die Lieferung von humanitärer Hilfe stören. »Die Lastwagen, die ab morgen ankommen, können wir einfach nicht entladen, weil uns der Treibstoff für den Gabelstapler fehlt«, sagte der örtliche Leiter des UN-Nothilfebüros Ocha, Andrea De Domenico.

Außerdem gebe es nicht genug Sprit für die Transporter, die die Hilfen - darunter Nahrung, Wasser und Medikamente - weiterverteilen. Seit dem Terrorangriff der militanten Hamas mit 1200 Toten in Israel Anfang Oktober hat das Land den Gazastreifen abgeriegelt und Treibstofflieferungen untersagt.

Der Grund: Die Hamas soll das Benzin nicht nutzen können - beispielsweise für den Abschuss von Raketen in Richtung Israel. Schon zu beginn des aktuellen Krieges stahl die Hamas Treibstoff von UN-Organisationen. Letztere gaben dies selbst bekannt.

Den Gesundheitszentren des UN-Hilfswerks für Palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) dürfte am Dienstag nach eigenen Angaben der Treibstoff ausgehen. Dann seien die Zentren ausschließlich auf Solarenergie angewiesen, die nur für einen Minimalbetrieb ausgelegt sei. Verantwortlich für diese Situation und den Krieg mit allen seinen Folgen ist der palästinensische Terror.

Binnenflüchtlinge nutzen Korridore

Im Gazastreifen haben sich derweil nach UN-Angaben bisher etwa 200.000 Menschen über die von der israelischen Armee eingerichteten Fluchtkorridore in den Süden der Enklave begeben. Diese Zahl klingt niedrig.

»Die Sorge wegen überfüllter Unterkünfte sowie begrenztem Zugang zu Unterkünften, Essen und Wasser im Süden wächst«, teilte die UN-Unterorganisation OCHA mit. Zugleich hielten sich im Norden trotz zunehmender Kämpfe weiter Hunderttausende Menschen auf, die sich nicht in den Süden bewegen könnten oder wollten. Diese hätten Mühe, zum Überleben an eine Mindestmenge Trinkwasser und Essen zu kommen.

Knapp 1,6 Millionen der rund 2,2 Millionen Einwohner des Küstengebiets sind nach UN-Angaben infolge der Kämpfe zwischen dem israelischen Militär und der islamistischen Hamas auf der Flucht. Israel hat die Zivilbevölkerung im Norden, inklusive der Stadt Gaza, aufgerufen, in den Süden des Gebiets zu fliehen und dafür mehrfach stundenweise Fluchtkorridore ausgewiesen.

Das UN-Hilfswerk für Palästinenser (UNRWA) gibt an, in seinen Gebäuden im Süden des Gazastreifens - darunter viele Schulen - aktuell fast 630 000 Binnenflüchtlinge zu beherbergen. dpa/ja

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