Geiseln

Mia lebt!

Foto: Screenshot

Die 21-jährige Mia Schem lebt! Am späten Montagabend veröffentlichte die Terrororganisation Hamas das erste Video einer Geisel in ihrer Gefangenschaft und hat damit die psychologische Kriegsführung begonnen. Die junge Frau ist französisch-israelische Staatsbürgerin. Wahrscheinlich wurde sie von der Hamas ausgewählt, um das internationale Publikum glauben zu machen, dass sie Ausländern keinen Schaden zufügen und sich um sie kümmern.

Der kurze Clip zeigte eine junge Frau, wie sie nach einer Armverletzung behandelt wird und später in die Kamera spricht. Sie sieht zutiefst verängstigt aus. Mia erzählt auf Hebräisch, dass sie nach einer Party am frühen Samstagmorgen »nach Gaza mitgenommen« wurde.

»Hakol beseder« - Doch natürlich ist gar nichts in Ordnung

Sie habe eine schwere Verletzung an der Hand erlitten, sei operiert worden und würde Medikamente erhalten. »Hakol beseder«, fügt sie hinzu. »Alles in Ordnung.« Doch natürlich ist gar nichts in Ordnung. Mia wurde nach dem Nova-Musikfestival in der Nähe des Kibbuz Re’im entführt, bei dem mindestens 260 meist junge Menschen auf brutalste Weise ermordet wurden.

Der Titel des Propagandavideos lautet: »Kümmert sich um eine der Geiseln«. In dem Film, der möglicherweise unter Drohungen, zu einem unbekannten Zeitpunkt und unter unbekannten Bedingungen gedreht wurde, bettelt Mia, die aus Schoham im Zentrum Israels stammt: »Ich bitte nur darum, nach Hause zurückzukehren, zu meinen Eltern und Geschwistern. Bringen Sie mich so schnell wie möglich hier raus. Bitte!«

»Die Hamas versucht in dem Video, sich als humanitäre Organisation darzustellen, obwohl sie in Wirklichkeit eine mörderische Terrorgruppe ist.«

IDF

Nach dem grauenvollen Angriff palästinensischer Terroristen im Süden Israels vom 7. Oktober befinden sich nach offiziellen Angaben etwa 200 bis 250 Gefangene in der Küstenenklave. Bisher wurde den Familien von 199 Menschen mitgeteilt, dass ihre Angehörigen im Gazastreifen festgehalten werden.

Die israelische Armee IDF habe die Eltern in der vergangenen Woche darüber informiert, dass ihre Tochter Mia in Gaza festgehalten werde. Sie fügte hinzu, dass »die Hamas in dem Video versucht, sich als humanitäre Organisation darzustellen, obwohl sie in Wirklichkeit eine mörderische Terrorgruppe ist, die für die Morde und Entführungen von Babys, Frauen, Kindern und älteren Menschen verantwortlich ist«. Man werde »mit allen geheimdienstlichen und operativen Mitteln« daran arbeiten, die wahrscheinlich mehr als 200 Geiseln zurückzuholen.

Tatsächliche Anzahl der Geiseln weiter ungewiss

Die Veröffentlichung des Clips der Geisel erfolgte, nachdem Hamas-Militärsprecher Abu Obeida ebenfalls in einer Aufnahme erklärt hatte, es gebe aufgrund von »Sicherheits- und praktischen Schwierigkeiten keine endgültige Zählung der Gefangenen«. Es seien aber zwischen 200 bis 250 Verschleppte in Gaza, 200 von ihnen befänden sich in den Händen der Hamas.

Weitere 50 würden von »anderen Widerstandsgruppen und an anderen Orten« festgehalten. Ausländische Geiseln seien »unsere Gäste«, behauptete Abu Obeida und versprach, sie zu beschützen und freizulassen, wann immer die Bedingungen es zuließen.

Mias Mutter, Keren Schem, bestätigte noch Montagnacht, dass es sich um ihre Tochter handelt. Sie sei fast ohnmächtig geworden und zu Boden gefallen, als sie das Video sah. Es sei die erste Bestätigung, dass ihre Tochter lebt. »Ich weiß, dass mein Baby lebt, ich war bis jetzt unsicher«, sagte sie in israelischen Medien. »Es gab nur die Annahme, dass sie gekidnappt wurde. Wir wussten nichts.« Man sehe, dass sie Schmerzen habe und Angst. »Aber ihr Zustand scheint stabil zu sein«, so Keren Schem. Die ganze Familie sei »glücklich« über das Lebenszeichen.

»Ich fordere, dass mein Baby so nach Hause gebracht wird, wie es jetzt aussieht, genau wie in dem Video.«

Keren Schem, Mias Mutter

Schem appellierte auch an die Staats- und Regierungschefs der Welt: »Ich fordere, dass mein Baby genau so nach Hause gebracht wird, wie es jetzt aussieht, genau wie in dem Video. Sie wird zu mir zurückkehren und ich werde mich um sie kümmern, sie wird in Israel medizinisch behandelt. Ich fordere, dass alle 200 unserer Entführten nach Hause zurückgebracht werden. Es sind Kinder, Jungen und Mädchen, die ausgegangen sind, um auf einer Party das Leben zu feiern. Das ist nicht der Ort, an dem sie sein sollten.«

Jerusalem und Paris schweigen

Während der Kabinettssitzung wurden Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Minister über die Veröffentlichung des Videos informiert. Bislang gibt es weder aus Jerusalem noch aus Frankreich eine Stellungnahme dazu.

Israelis und Ausländer – darunter Babys, Kinder mit besonderen Bedürfnissen, ältere Menschen mit chronischen Gesundheitsproblemen – wurden von Terroristen nach Gaza verschleppt, ihr Aufenthaltsort ist seitdem weitgehend unbekannt. Es gibt auch keine Angaben, wie viele von ihnen noch am Leben sind.

Doch auf einer Pressekonferenz deutete IDF-Sprecher Daniel Hagari an, dass das Militär einige Informationen über den Aufenthaltsort der festgehaltenen Geiseln habe. »Wir unternehmen große Anstrengungen, um herauszufinden, wo sie sich in Gaza befinden, und wir verfügen über solche Informationen«, antwortete Hagari auf eine Frage während des Briefings. »Wir werden keinen Angriff durchführen, der unser Volk gefährden würde.«

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