Spähprogramm

Menschenrechtler wollen Vertrieb von israelischer Spyware verhindern

In der Kritik: die israelische Firma NSO Group Foto: dpa

Amnesty International versucht vor Gericht, die internationale Verbreitung einer berüchtigten Spionagesoftware aus Israel zu verhindern. Am Donnerstag zum Prozessauftakt forderte die Menschenrechtsorganisation den Staat Israel auf, die Exportlizenz für das Programm Pegasus der Firma NSO Group zurückzunehmen.

Es handele es sich um die gefährlichste Cyberwaffe, die Amnesty bekannt sei und sie werde nicht ordnungsgemäß kontrolliert, argumentierte der Amnesty-Sprecher in Israel, Gil Naveh. »Das ist der Grund, warum wir denken, dass die Lizenz widerrufen werden sollte.«

Pegasus ermöglicht, Smartphones einschließlich Kameras und Mikrofonen ferngesteuert zu kontrollieren. Dabei werden persönliche Daten und Standorte abgeschöpft. Das israelische Verteidigungsministerium vergibt internationale Vertriebslizenzen an landeseigene Abwehr- und Sicherheitsunternehmen - und verweigerte einen Kommentar zu dem Gerichtsverfahren.

NSO hüllte sich ebenfalls in Schweigen, weil es um eine an das Verteidigungsministerium gerichtete Sache gehe. Seine Kunden hält das Unternehmen geheim. Die Technik werde an von der Regierung befürwortete Staaten verkauft und helfe ihnen beim Kampf gegen Aufständische und Kriminelle. Beobachtern zufolge handelt es sich um Staaten in Nahost und Lateinamerika. 2019 verkündete NSO neue Richtlinien, um Menschenrechtsverstöße mit seiner Software auszuschließen.

Das Unternehmen ist in eine Reihe von Hackerversuchen verwickelt. Im vergangenen Jahr wurde es von Facebook in den USA verklagt, weil es mutmaßlich annähernd 1400 WhatsApp-Nutzer ins Visier nahm. 2018 warf Amnesty NSO vor, ein Hacker habe versucht, in das Telefon eines Mitarbeiters einzudringen. Das Pegasus-Programm ist außerdem mit der Tötung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in Verbindung gebracht worden.

Richterin Rachel Barkai entschied am Donnerstag im Gericht in Tel Aviv, die Presse vom weiteren juristischen Verfahren auszuschließen und ein Berichterstattungsverbot zu verhängen. Eine offene Anhörung schade möglicherweise der Sicherheit des Staates Israel und dessen Beziehungen ins Ausland. Amnesty-Sprecher Naveh hielt es für wahrscheinlich, dass die Anhörung am Donnerstag die einzige bleiben und ein Urteil in den kommenden Tagen folgen wird.  dpa

Israel

Herzog setzt Gespräche über Regierungsbildung fort

Erst Gespräche mit den kleinen Parteien, am Abend dann mit den stärksten in der neuen Knesset: Präsident Herzog sondiert die Möglichkeiten für eine neue Regierung

 05.11.2026

Israel

Eisenkot plädiert für erneuerte Partnerschaft Israels mit den USA

Noch ist unklar, wer Israels nächste Regierung leitet. Ex-Militärchef Eisenkot unterstreicht seinen Führungsanspruch - und wendet sich an den wichtigsten Verbündeten

 05.11.2026

Straße von Hormus

Iran: Zwei Tanker und ein Schlepper in Brand geraten

In den vergangenen Tagen wurden vermehrt Schiffe angegriffen oder durch Minen beschädigt

 05.11.2026

Medizin

Eine neue Lunge und zur Genesung nur Paracetamol

In Israel ist erstmals eine Lungentransplantation mithilfe eines Operationsroboters gelungen. Für den Patienten bedeutet das eine deutlich schnellere Genesung

von Sabine Brandes  05.11.2026 Aktualisiert

Knesset-Wahl

Herzog lotet Mehrheiten aus

Nach dem knappen Wahlausgang in Israel hat Präsident Herzog Gespräche zur Regierungsbildung aufgenommen. Ex-Militärchef Eisenkot könnte nach Medienberichten zuerst den Auftrag erhalten.

 04.11.2026

Wahl

Koalitionskampf und Politpoker

Weder Benjamin Netanjahu noch Gadi Eisenkot konnten sich die Mehrheit sichern. Wie geht es weiter?

von Sabine Brandes  04.11.2026

Tel Aviv

Premiere für Andrea Kiewel

Andrea Kiewel überrascht sich selbst und überwindet ihre Scheu vor dem Widerspruch – wegen Halloween

von Andrea Kiewel  04.11.2026

Nachrichten

Wein, Stadt, Börse

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  04.11.2026

Jair Golan, Vorsitzender der Demokraten in Israel, im Porträt

Midterm-Wahlen

Israels Opposition hofft auf Neustart der Beziehungen zu Amerika

Israels oppositionelle Demokraten freuen sich über den Wahlsieg ihrer US-Parteifreunde und hoffen auf eine künftige Verbesserung der zuletzt angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern

 04.11.2026