Washington

Mehr als ein Vertrag

Historischer Tag im Weißen Haus: Bahrain, Israel und die VAE besiegeln unter Vermittlung der USA diplomatische Beziehungen. Foto: picture alliance/AP Photo

Da waren es plötzlich drei. Seit Anfang des Monats galt der 15. September als der Termin, an dem in Washington das von allen Beteiligten als historisch bezeichnete Friedensabkommen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterzeichnet werden sollte.

Dann, nur wenige Tage vor dem geplanten Treffen, bei dem in Anwesenheit von US-Präsident Donald Trump Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der Außenminister der VAE, Scheich Abdullah bin Zayed Al Nahyan, den Handschlag üben sollten, eine kleine Sensation: Auch Abdullatif bin Rashid Al Zayani, Außenminister von Bahrain, ist mit von der Partie. Denn in letzter Minute entschloss sich das kleine, aber dank seines Erdöls wohlhabende Königreich, es den Emiraten gleichzutun.

Nun ist es also amtlich: Mit der Unterzeichnung der historischen Abkommen ebnen Israel, die VAE und Bahrain den Weg für Frieden in der Region. »Nach Jahrzehnten der Teilung und des Konflikts begehen wir den Beginn eines neuen Nahen Ostens«, sagte Trump bei der Zeremonie am Dienstag im Garten seines Amtssitzes. Dies sei »ein unglaublicher Tag für die Welt«.

NORMALISIERUNG Bereits am Sonntagabend hatte Israels Premier Netanjahu in einer Fernsehansprache erneut von der Bedeutung der Zeremonie in Washington gesprochen und betont, dass er es gewesen sei, der gleich »zwei Friedensabkommen in einem Monat« unter Dach und Fach gebracht habe. Damit kommt er der Verwirklichung seines großen außenpolitischen Projekts, Allianzen mit den moderaten sunnitischen Staaten zu schmieden, ein gutes Stück näher.

In erster Linie geht es in den Vereinbarungen um eine Normalisierung der Beziehungen, also die Eröffnung von Botschaften, Flugverbindungen und Handelskontakten.

In erster Linie geht es in den Vereinbarungen um eine Normalisierung der Beziehungen, also die Eröffnung von Botschaften, Flugverbindungen und Handelskontakten.

Kontakte Für Dore Gold ist es keine Überraschung, dass die Staaten am Golf diesen Schritt wagen. »Schon seit vielen Jahren bestehen Kontakte zwischen ihnen und uns«, sagt der ehemalige Generaldirektor des Außenministeriums in Jerusalem und langjährige Netanjahu-Berater anlässlich eines von der Europe Israel Press Association organisierten Pressegesprächs.

»Mal funktionierte das über Thinktanks oder Forschungseinrichtungen, mal über die israelische Unterstützung von Projekten wie der Einrichtung einer internationalen Agentur in Abu Dhabi, die sich mit erneuerbaren Energien beschäftigt.«

Auch der florierende, in keinen offiziellen Statistiken auftauchende Warenverkehr, der trotz des vielerorts existierenden Boykotts zwischen Israel und den arabischen Staaten besteht, war eine Art Sprungbrett für die Beziehungen. »Aber alles unterhalb der Regierungsebene«, betont Gold. Genau das ändert sich nun.

Kenner der arabischen Welt datieren den Beginn der Kontakte bereits zurück auf die 70er-Jahre.

Ehud Yaari, Journalist und ausgewiesener Kenner der arabischen Welt, datiert den Beginn dieser Kontakte bereits zurück auf die späten 70er-Jahre. Warum aber die Player in der Region ausgerechnet jetzt ihre Scheu ablegen, offen mit Israel das Gespräch zu suchen, hat für ihn mit den Folgen des Arabischen Frühlings zu tun.

»Sie haben gesehen, wie einzelne Staaten zerfielen«, so Yaari. »Damit ist ebenfalls die Idee eines Arabismus endgültig Geschichte geworden.« Supranationale Organisationen wie die Arabische Liga sind für ihn mittlerweile völlig bedeutungslos.

Der dort über viele Jahre geltende Minimalkonsens, mit Israel nur dann offizielle Beziehungen einzugehen, wenn ein palästinensischer Staat entstanden ist, wurde nun ebenfalls obsolet. Sehr wohl aber verstand es Kronprinz Scheich Mohammed bin Zayed, sich als derjenige zu inszenieren, der Netanjahu von seinem Plan abgebracht hatte, Teile des Westjor­danlandes zu annektieren. Auf diese Weise war er fein raus.

ZAUNGÄSTE Und damit kommen auch die Palästinenser ins Spiel – die eigentlichen Verlierer dieser Entwicklung. »Denn als Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Arabische Liga dazu bringen wollte, die VAE für ihren Ausbruch aus der Phalanx der Nein-Sager zu offiziellen Kontakten mit Israel zu sanktionieren, geschah nichts.«

Zum besseren Verständnis der Stimmungen empfiehlt Yaari daher die gründliche Lektüre der Meinungsseiten in den Zeitungen vor Ort. »Dort wird die Palästinenserführung gern als eine Riege von Dieben bezeichnet. Und selbst in saudischen Blättern kann man lesen, dass kluge arabische Staaten besser mit Israel verhandeln sollten.«

Die Tatsache, dass Bahrain mit Israel ein Friedensabkommen abschließt, ist als Signal zu verstehen, dass man das Ganze in Saudi-Arabien durchaus positiv sieht. »Ohne Riads Zustimmung wäre dieser Deal sowieso nicht möglich. Auch die Freigabe des saudischen Luftraums ist so zu deuten.«
Für Dore Gold ähneln die Europäer in mancherlei Hinsicht den Palästinensern, weil sie in alten Deutungsmustern verharren, die mit den Realitäten der Region schon längst nichts mehr zu tun haben. Genau deshalb waren sie in Washington bei der Zeremonie allenfalls Zaungäste.

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