Israel

Massengebet gegen das Virus

Der Oberrabbiner von Safed, Shmuel Eliyahu, beim Gebet an der Kotel Foto: Flash 90

Israel hat seine Quarantäne-Regeln verschärft, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Demnächst müssen sich auch Menschen, die kurz zuvor in Thailand, Hongkong, Singapur oder Macau waren, für 14 Tage in Isolierung begeben. Zuvor hatte dies nur für Reisende gegolten, die in China waren. Ein Massengebet in Jerusalem suchte derweil nach göttlicher Hilfe für die Bekämpfung der Infektionskrankheit.

Mehr als 1000 Menschen kamen am Sonntag an die Kotel in der Altstadt, um für die Gesundheit der Chinesen zu beten. Organisiert hatte die Veranstaltung der modern-orthodoxe Rabbi Schmuel Eliyahu, Oberster Rabbiner der Stadt Safed, gemeinsam mit der israelischen Zweigstelle der Orthodoxen Union in den USA. »Die Menschen in China sollen wissen, dass das jüdische Volk an sie denkt, für sie und mit ihnen betet«, sagte Eliyahu: »Möge diese unsägliche Plage aus China und der ganzen Welt verschwinden.«

Schofar Trotz Regen waren auch einige Dutzend chinesische Staatsangehörige dabei, die sich derzeit in Israel aufhalten. Eine der Fürbitten wurde in Mandarin gesprochen. Um die Gnade Gottes zu erflehen, wurde das Schofar geblasen. Auch Angehörige der Israelis, die sich auf einem Kreuzfahrtschiff vor Japan unter Quarantäne befinden, waren zur Kotel gekommen.

Drei der 15 israelischen Staatsangehörigen waren dort mit dem Virus COVID-19 diagnostiziert worden, bestätigte das Gesundheitsministerium am Sonntag. Eine Frau ist von der »Diamond Princess« in ein Krankenhaus in Japan verlegt worden und wird dort behandelt. Die drei Erkrankten zeigten nach Angaben japanischer Behörden lediglich »leichte Symptome«.

Die drei erkrankten Israelis auf dem Schiff zeigen nach Angaben japanischer Behörden lediglich »leichte Symptome«.

Panik Die anderen zwölf Israelis befinden sich nach wie vor auf dem Schiff. Eine von ihnen, Shalva Dahan, sagte israelischen Medien, dass Panik unter den verbleibenden Israelis ausgebrochen sei. Sie verlangen, dass sie das Schiff verlassen dürfen. Dahan kritisierte, dass die Behörden die Menschen nicht informieren würden. »Bringt uns hier weg und werft uns in irgendeine Halle in Israel. Es ist mir egal, ob wir dort für einen Monat bleiben müssen. Aber warum hier?«

Der stellvertretende Direktor im Gesundheitsministerium, Itamar Grotto, befindet sich derzeit in Japan und soll die Israelis nach Hause begleiten. In einem Fernsehinterview mit Kanal 12 erläuterte er, dass die verbleibenden Israelis derzeit getestet werden.

»Jeder, der ein negatives Ergebnis hat, kann das Schiff verlassen. Dann ist es mein Job, dass alle sicher nach Hause zurückkehren.« Am Mittwoch wird die Quarantäne enden. Premier Benjamin Netanjahu sagte bei der Kabinettseröffnung, dass sich all jene, die nach Israel kommen, in eine 14-tägige Isolierung begeben müssen.

Die Infizierten jedoch müssten in Japan verbleiben, das sei die Entscheidung der Regierung in Tokio. Insgesamt sind 355 Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff infiziert. Die US-Regierung flog mehr als 300 ihrer Staatsangehörigen zurück in die USA.

Oberrabbiner Die neuen Regeln der Quarantäne, die von der Regierung in Jerusalem herausgegeben wurden, werden Hunderte, wenn nicht sogar Tausende von Israelis treffen, die sich derzeit in einem der aufgelisteten Länder befinden. Besonders nach Thailand reisen Israelis besonders gern in den Wintermonaten.

Unter den Betroffenen ist auch der Jerusalemer Oberrabbiner Schlomo Amar, der sich derzeit in Singapur befindet, um die Eröffnung eines neuen jüdischen Friedhofs zu überwachen. Die Quarantäne soll in den eigenen vier Wänden stattfinden. Jegliches Aufsuchen von öffentlichen Plätzen oder Einrichtungen sowie Treffen mit anderen Menschen ist dabei untersagt.

Die nationale Fluggesellschaft EL AL reduziert vorübergehend ihre Flüge von und nach Bangkok um die Hälfte. Die Route nach China ist bereits seit Januar für einen Zeitraum von zwei Monaten komplett gestrichen. Derzeit darf kein chinesischer Staatsangehöriger nach Israel einreisen. Mehr als 71.000 Menschen weltweit sollen mit dem Coronavirus infiziert sein. 1775 sind daran gestorben, fünf davon außerhalb von China. In Europa wurde der erste Todesfall bestätigt: ein chinesischer Tourist, der sich in Frankreich aufhielt und erkrankte.

Nachrichten

Erfrischung, Iran, Design

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  24.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  24.06.2026

Nachruf

Der Mann, der die Farben bewegte

Yaacov Agam, Israels wohl berühmtester Künstler, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Bekannt wurde der Pionier der kinetischen Kunst vor allem durch seinen Brunnen auf dem Dizengoff-Platz in Tel Aviv

von Sabine Brandes  24.06.2026

Jerusalem

Schin Bet ermittelt wegen Betäubungsmitteln in Babynahrung

Seit einer Woche versuchen das israelische Gesundheitsministerium und die Polizei zu ergründen, wie Sedative in Babynahrung landen konnten. Jetzt ist auch der Inlandsgeheimdienst beteiligt

 24.06.2026

Massaker des 7. Oktobers

»Ich stehe hier nicht als Statistik, ich bin Überlebende«

Ilana Gritzewsky, ehemalige Geisel in Gaza und Überlebende sexualisierter Gewalt, sprach vor dem UN-Menschenrechtsrat

von Sabine Brandes  24.06.2026

Wahlkampf

»Neuer Gesellschaftsvertrag«: Bennett stellt Reformprogramm vor

Ein Schwerpunkt seines Plans liegt im Bildungsbereich. Bennett fordert ein System, das sich am Niveau privater Schulen orientiert, aber öffentlich finanziert bleibt

 24.06.2026

Genf/Jerusalem

Neuer UN-Bericht beschuldigt Israel schwer – Jerusalem weist Vorwürfe entschieden zurück

Der UNHRC bezichtigt den jüdischen Staat schwerer Verstöße bis hin zu einem angeblichen Völkermord. Die Israelis wehren sich

 24.06.2026

Israel

Schönheit mit Narben

Designer entwerfen Kleidung für kriegsversehrte Soldaten, um im öffentlichen Raum auf ihre Schicksale aufmerksam zu machen. Zu Besuch bei einer Modenschau in Tel Aviv

von Sabine Brandes  23.06.2026

Terrorgefahr

Schin Bet warnt vor möglichem Angriff auf Eilat im Stil des 7. Oktobers 

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes soll führende Mitarbeiter der Behörde angewiesen haben, mögliche Angriffsszenarien für die Hafenstadt im Süden zu untersuchen

 23.06.2026