20. Maccabiah

»Man kann nur gewinnen«

Vorfreude: die amerikanische Delegation bei der letzten Maccabiah vor vier Jahren Foto: Flash 90

Der Countdown läuft. Noch vier Tage, zehn Stunden, 23 Minuten, zwölf Sekunden, elf, zehn ... Unaufhörlich ticken die Sekunden auf der Website der 20. Makkabiade. Dann werden mehr als 7000 Athleten aus 80 Nationen nach Israel kommen und sich hier mit rund 2500 heimischen Sportlern in 47 Disziplinen unter dem Motto »80 Länder – ein Herz« messen. Das deutsche Team ist vom 4. bis zum 18. Juli mit 225 Teilnehmern dabei.

Die Maccabiah, auch jüdische Olympiade genannt, ist die größte jüdische und die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt überhaupt. Sie findet alle vier Jahre in Israel statt, die diesjährige wurde dank der Teilnehmerzahlen bereits jetzt zur größten Makkabiade in der Geschichte erklärt. Außerdem werden 22.000 Fans erwartet, die ihre Sportler anfeuern. Das freut besonders das Tourismusministerium, das davon ausgeht, dass die internationalen Besucher der israelischen Wirtschaft geschätzte 100 Millionen Dollar an Einnahmen bringen.

Die Veranstaltung fällt mit den Jerusalem-Feierlichkeiten zusammen. Bürgermeister Nir Barkat ist begeistert: »50 Jahre nach der Wiedervereinigung haben wir die Maccabiah dahin gebracht, wo sie hingehört: in die Hauptstadt von Israel.« Die Eröffnungszeremonie wird am 6. Juli im Teddy-Stadion der Stadt mit einer großen Show gefeiert.

Eröffnung Der Generaldirektor im Ministerium für Kultur und Sport, Yossi Sharabi, findet es logisch, dass die Feierlichkeiten der Maccabiah zum 50. Geburtstag der Wiedervereinigung Jerusalems hier stattfinden. »Denn es ist ein Meilenstein für Juden in der ganzen Welt.« Er ist sicher, dass die Makkabiade ihr Ziel noch immer erfüllt: die Verbindung zwischen Israel und den jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt sowie den Gemeinden untereinander zu stärken.

In 47 verschiedenen Disziplinen werden die Männer und Frauen um 2100 Medaillen kämpfen. Die Wettkämpfe, darunter Fußball, Schwimmen, Laufen, Reiten, Rudern, Gymnastik und Eishockey, werden in den Kategorien Jugend, Open, Masters und Paralympics in 68 Sportarenen im ganzen Land abgehalten. Doch es sind nicht nur junge und unbekannte Athleten, die bei der jüdischen Olympiade antreten und bei der Eröffnung mitfeiern. Es gehören auch international bekannte Stars der Sportszene dazu, darunter der israelische Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner im Judo, Ori Sasson, die Paralympics-Ruderin Moran Samuel und der NBA-Star Omri Casspi.

Aus dem Ausland werden der US-Goldmedaillengewinner im Schwimmen, Anthony Ervin, sowie sein französischer Kollege auf dem Treppchen, Fabien Gilot, erwartet. Die Disziplin mit den meisten Teilnehmern ist wie in jedem Jahr der Fußball. Mehr als 1400 Sportler aus 20 Ländern haben sich angemeldet.

Auch das deutsche Team hat Rekordgröße mit 225 mitreisenden Makkabäern. Zum ersten Mal sind die Sportarten Eishockey und Radrennfahren dabei. Der Präsident von Makkabi Deutschland und Mitglied der Delegation, Alon Meyer, gibt den Athleten ein Grußwort mit auf den Weg: »Makkabi Deutschland hat es geschafft, das neue deutsch-jüdische Selbstverständnis auch in den Sport zu integrieren.«

Erfolg Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, wünscht »für dieses großartige Sportevent allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Erfolg! Ich bin überzeugt, dass ihr ein spannendes und fröhliches Turnier vor euch habt, von dem ihr nicht nur Medaillen, sondern auch neue Freundschaften und einen reichen Erfahrungsschatz mit nach Hause bringen werdet. Auf friedliche und faire Spiele!« Auch Ringer David Gurov freut sich: »Alleine der Gedanke daran, die Juden aller Welt mit Sport und Israel zu kombinieren, macht mich glücklich. Drei Dinge, die in meinem Leben eine große Rolle spielen. Da kann man nicht verlieren – nur gewinnen.«

Vor den Spielen hatten sich europäische Motorradfahrer von London nach Jerusalem aufgemacht, um bei ihrem »Ride4Solidarity« Verbundenheit mit dem jüdischen Staat auf ihre Weise auszudrücken. Maximillian Marco Katz aus Bukarest, einer der Initiatoren und Aktivist im Kampf gegen Antisemitismus, sagte vor der Abfahrt: »Mit unserer Mission wollen wir um größere Unterstützung innerhalb Europas für Israel werben.« Die Biker werden am 4. Juli in Israel erwartet, wo sie dann das Olympische Feuer von den Golanhöhen bis nach Eilat fahren, um es rechtzeitig zur feierlichen Eröffnung am 6. Juli mitzubringen.

Essenz Auch der Vorsitzende der Maccabiah, Amir Peled, zeigt sich vor der Eröffnung der Spiele enthusiastisch: »Die Maccabiah ist die Essenz der Werte, an die ich glaube: Zionismus, Judentum, Brüderlichkeit, Menschlichkeit und Sport. Unsere Veranstaltung ist die einzige, bei der Juden aus der ganzen Welt zusammenkommen und eine Bindung eingehen. Und es gibt keinen besseren Ort dafür als Jerusalem.«

Einst wurde die Maccabiah auch als Mittel genutzt, um Juden aus der Diaspora in der ganzen Welt zur Alija aufzufordern. Vor allem in den 50er- und 60er-Jahren wurden die Aufforderungen, nach Israel zu immigrieren, lautstark bei den Eröffnungs- und Abschlussfeiern kundgetan. Es zeigte seine Wirkung – zu den Olim gehörten Basketballlegende Tal Brody sowie der Medaillengewinner im Rudern und spätere israelische Botschafter in den USA, Michael Oren.

Heute stehen der Sport und die Verbindung der Juden aus aller Welt klar im Vordergrund. Was nicht heißt, dass bei der Maccabiah nicht auch Herzen zusammenfinden. Wie Gene, der Kapitän des amerikanischen Judo-Teams, und Inese, Mitglied der russischen Delegation, die sich bei der 19. jüdischen Olympiade vor vier Jahren kennen- und lieben lernten. Gene und Inese sind mittlerweile verheiratet, leben in Chicago und sind Eltern einer Tochter. Eine Makkabi-Geschichte frei nach dem Motto: »80 Nationen – ein Herz«.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  08.09.2026

Reaktion

Israel schließt britisches Konsulat in Jerusalem

Die britische Labour-Regierung will einen härteren Kurs im Umgang mit Israels Siedlungspolitik einschlagen und beschließt Sanktionen. Nun reagiert Israel

 08.09.2026

Meinung

London belohnt die Verweigerungshaltung der Palästinenser

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  08.09.2026

Jerusalem

Gadi Eisenkot baut Vorsprung vor Netanjahu aus

Seine Partei Yashar könnte damit auf eine Mehrheit von 61 Sitzen kommen, ohne auf arabische Parteien angewiesen zu sein.

 08.09.2026

Luftfahrt

Delta und United fliegen wieder nach Israel

Auch europäische Linien bereiten eine Wiederaufnahme ihrer Routen zum Ben-Gurion-Flughafen vor

 08.09.2026

Jerusalem

Bericht: Netanjahu wurde vor dem 7. Oktober von den Vereinigten arabischen Emiraten gewarnt

»Seine Missachtung der Warnungen kommt einer strafrechtlich relevanten Fahrlässigkeit gleich«, erklärt der frühere Ministerpräsident Naftali Bennett

 08.09.2026

Jerusalem

Oberstes Gericht weist Klage von Israelis im Ausland wegen fehlendem Wahlrecht ab

Die Richter entschieden nicht über die grundsätzliche Frage, ob die Betroffenen zu Unrecht von der Wahl ausgeschlossen wurden, sondern verwarfen den Antrag aus verfahrensrechtlichen Gründen

 08.09.2026

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  08.09.2026

Deutschland

Schoa-Überlebende und Antisemitismusbeauftragte rechnen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Maha El Hissy ab

Die Hintergründe

 08.09.2026