Kurzmeldungen

Mail aus Jerus@lem

Viagra: echt oder gefälscht? Foto: pr

Betrug
Gefälschte Markenware ist in Israel keine Seltenheit. Das gilt nicht nur für Mode und Musik, sondern auch für Medikamente. Einer Studie zufolge liegt Israel auf Rang acht der Liste von Ländern, in denen gefälschten Arzneimitteln am eifrigsten zugesprochen wird – sei es aus Sparsamkeit, sei es aus Unkenntnis. Das am häufigsten gefälschte medizinische Präparat ist übrigens das Potenzmittel Viagra. Weil viele Männer sich schämen, den Hausarzt um ein Rezept zu bitten, erwerben sie die Wunderdroge für sexuelle Leistungsfähigkeit auf dem Schwarzmarkt, auf dem eben nicht immer das Original angeboten wird. Fragt sich nur, ob es genauso hilft.

besucher
Hurra, die Touristen kommen. In diesem Jahr werden voraussichtlich 3,2 Millionen Besucher aus dem Ausland dem Judenstaat ihre Reverenz erweisen und damit einen neuen Rekord aufstellen. Allerdings ist die Freude nicht ungetrübt: Weil in den letzten Jahren nicht genug touristische Einrichtungen gebaut wurden, droht die Infrastruktur des Fremdenverkehrssektors zusammenzubrechen. Unter diesen Umständen, warnen Branchenexperten, könnte das von der Regierung für 2015 vorgegebene Ziel, fünf Millionen Touristen zu begrüßen, reine Wunschvorstellung bleiben. Da kann sich glücklich schätzen, wer Verwandtschaft im Lande hat: Sind alle Hotelzimmer belegt, kann man noch immer bei der Tante in Tel Aviv oder der Cousine in Eilat absteigen.

Beschützer
Deutsche Wertarbeit überzeugt: in diesem Fall den israelischen Personenschutz. Wie die Wirtschaftszeitung Globes zu berichten weiß, hat das Ministerpräsidentenamt einen neuen Dienstwagen für Regierungschef Benjamin Netanjahu geordert. Bei dem Fahrzeug, das laut dem Bericht nicht nur den höchsten europäischen Anforderungen an Panzerung und andere Sicherheitsmaßnahmen entspricht, sondern auch über besondere, auf Wunsch des israelischen Inlandssicherheitsdienstes Schabak eingebaute Sicherheitselemente verfügt, handelt es sich um einen Audi 8 Security. Der Importpreis des Fahrzeugs, so Globes, liege bei rund 800.000 Dollar. Rechne man die Pkw-Kaufsteuer hinzu, koste die rollende Festung eine Million Dollar und sei damit der teuerste Personenkraftwagen, der jemals in Israel zugelassen worden sei. Mit einem Hang zum Luxus hat das aber nichts zu tun. Wie Netanjahus Büro erklärte, sei das Fahrzeug von der Fachebene unter rein professionellen Gesichtspunkten ausgewählt worden; der Premier selbst sei an der Entscheidung nicht beteiligt gewesen.

Benehmen
Knessetabgeordnete sind in aller Regel keine Diplomaten. Das merkt man spätestens, wenn sie sich im Hohen Haus eine Unflätigkeit nach der anderen an den Kopf werfen. Wenigstens im Ausland jedoch sollten sie keine Schande über den Staat bringen. Daher haben zwei Knessetabgeordnete nun einen Knigge-Kurs für ihre Kollegen organisiert. Dabei lernen die Parlamentarier auch landesspezifische Benimmregeln kennen. So schenkt man in China niemandem eine Uhr, weil diese an den Tod erinnert. In Indien sollte man die einheimische Begrüßung durch Verbeugung als Fremder erst gar nicht nachahmen, in der arabischen Welt darf man nicht so sitzen, dass der Gesprächspartner die Schuhsohle zu sehen bekommt, und so weiter. Allerdings behaupten nicht nur Zyniker, dass der eine oder andere Parlamentarier auch in weltweit geltenden Höflichkeitsregeln – etwa zuhören, ohne den anderen zu unterbrechen – Nachhilfeunterricht gebrauchen könnte.

Bergung
Familie Broschi wusste sich keinen Rat. Die Hündin Lola, als Begleithund für den behinderten 13-jährigen Sohn dringend benötigt, war in den Nachbarort entlaufen. Das Problem: Die Broschis leben in der West-Bank-Siedlung Beit El, während es sich bei der benachbarten Ortschaft um das palästinensische Flüchtlingslager Dschelasun handelte. Somit war ein freundschaftlicher Besuch bei den Nachbarn nicht möglich. Glücklicherweise fand sich die von israelischen Kollegen angesprochene Polizei der Palästinensischen Nationalbehörde bereit, Amtshilfe zu leisten und Lola zu bergen. Kurze Zeit nach der Kontaktaufnahme konnten die palästinensischen Ordnungshüter die Hündin ihren überglücklichen israelischen Besitzern übergeben.
Beute
Es sah bedrohlich aus. Als ein Geschäftsinhaber seine Ware beim Kunden in Petach-Tikwa ablieferte, sprangen zwei Männer in den Wagen und fuhren davon. Im Auto befand sich allerdings auch ein Mitarbeiter der Firma, so dass die Polizei von einer möglichen Entführung durch Terroristen ausgehen musste und Großalarm auslöste. Glück im Unglück: Es handelte es sich um keine Kidnapper, sondern um gewöhnliche Diebe, die den »Fahrgast« sogleich an einem Autobahnkreuz absetzten und mit der übrigen Beute verschwanden. Dummerweise hatte der 18-Jährige kein Handy dabei und war obendrein verwirrt. So brauchte er zwei Stunden, um sich bei seinem Unternehmen telefonisch zu melden, während die hektische Fahndung weiterlief. Wie es scheint, haben nicht alle Israelis immer ein Handy dabei – erst recht nicht, wenn sie es wirklich brauchen.

Bräutigam
Schai Busaglo, 33-jähriger Einwohner der östlich von Netanja gelegenen Ortschaft Bat-Chefer, bereitete seiner Freundin Osnat Kadischai, von Beruf Lehrerin, eine doppelte Überraschung. An ihrem Geburtstag betrat er – mit Zustimmung der Schulleitung – das Klassenzimmer, um Osnat Blumen und bunte Ballons zu überreichen. Dann aber, als die Beschenkte sich für die Glückwünsche zum Geburtstag bedankte, holte Schai einen Trauring aus der Hosentasche, kniete nieder und hielt vor versammelter Klasse um Osnats Hand an – sehr zur Freude der Neunjährigen, die ihrer Erzieherin zuriefen: »Sag: Ja!« Von dem Geschrei angelockt, strömten auch andere Lehrer ins Klassenzimmer und richteten eine spontane Verlobungsparty aus. Jetzt bereitet das glückliche Paar die Hochzeit vor.

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