Kurzmeldungen

Mail aus Jerus@lem

einsatz
Nach der Erdbebenkatastrophe hat die israelische Armee eine Hilfsdelegation nach Japan entsandt und in der Nähe des Katastrophengebiets ein Feldlazarett aufgebaut. Bei ihrem Einsatz sind aber nicht nur medizinische, sondern auch halachische Probleme zu lösen. So etwa muss die Kaschrut der Verpflegung sichergestellt werden. Der die Delegation begleitende Rabbiner der Heimatschutztruppe, Leutnant Zwi Jehuda Mansbach, hat im Lager auch einen Eruw aufgebaut, die durchgehende Umzäunung, die das Tragen von Gegenständen am Schabbat erlaubt. Und natürlich sind die Vorbereitungen für den Seder in vollem Gange. Allerdings hat der Rabbiner betont, dass die Rettung des Menschenlebens auch in Japan die Schabbatvorschriften bricht und die Hilfsarbeit der Delegation am heiligen Tag der Woche – mit rabbinischem Segen – unvermindert weitergeht.

Eilat
Von Tel Aviv nach Eilat in nur einer Stunde? Mit dem Zug? Der Plan wird zumindest erwogen. Ein chinesisches Unternehmen hat angeboten, eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen dem Landeszentrum und der Stadt am Roten Meer zu verlegen und die passenden Züge, die eine Reisegeschwindigkeit von 350 Stundenkilometern erreichen können, zu liefern. Damit wäre die Reise nicht nur schneller als mit Bus und Pkw (mindestens vier Stunden) zu bewältigen, sondern wegen der Sicherheitskontrollen am Flughafen auch zeitsparender als das Fliegen. Da wären sogar Tagesausflüge zum Tauchen im Korallenriff denkbar. Fragt sich nur, ob das Projekt die Milliarden, die es verschlingen würde, auch wert wäre. Diese Frage wird die Regierung zu beantworten haben. Bedenkt man, wie lange die Realisierung anderer Verkehrsprojekte gedauert hat, brauchen die Tel Aviver im kommenden Jahrzehnt nicht zum Bahnhof zu eilen.

Export
Die amtliche israelische Außenhandelsstatistik weist eine Besonderheit auf. Von den 22 Abschnitten, in die der Warenhandel nach der international verbindlichen Systematik unterteilt ist, fehlt in den israelischen Angaben der Abschnitt XIX: »Waffen und Munition, Teile davon und Zubehör«. Jetzt hat die amerikanische Zeitschrift Defense News das Geheimnis enthüllt. In der zweiten Hälfte des abgelaufenen Jahrzehnts haben sich die israelischen Waffenexporte von 3,5 Milliarden auf 7,4 Milliarden Dollar verdoppelt. Falls diese Zahlen stimmen, hat das kleine Israel im Jahr 2009 mit keinem Geringeren als Russland gleichgezogen. In den kommenden Jahren wird der Rekord wegen schrumpfender westeuropäischer Verteidigungsetats und der weggebrochenen Lieferungen an die Türkei jedoch kaum zu halten sein.

Einsicht
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Nach diesem Motto hat das israelische Verkehrsministerium mit der Aufstellung von Messgeräten begonnen, die dem nahenden Autofahrer die Geschwindigkeit seines Fahrzeugs anzeigen. Die Anlagen werden vor allem an unfallgefährdeten Stellen aufgestellt: vor Straßenkreuzungen und Ampeln oder auch Schulen und anderen Einrichtungen mit regem Besucherverkehr. Ein Pilotprojekt hat gezeigt, dass der israelische Kfz-Lenker durchaus einsichtsfähig ist. Obwohl die Radarfalle nur das Fahrttempo anzeigt, aber keine Bußgeldbescheide ausstellt, haben die Fahrer ihre Geschwindigkeit an den im Pilotprojekt aufgestellten Geräten um durchschnittlich elf Stundenkilometer gedrosselt. Das beweist allerdings auch, dass – wiederum im Durchschnitt – viel zu schnell gefahren wird.

Echsen
Wie israelische Tierschützer erfahren haben, hat ein Schwarzmarkthändler in der Stadt Bnei Brak zwölf junge Krokodile zum Verkauf angeboten. Der Stückpreis: 1.000 Schekel (umgerechnet 200 Euro). Als das Lager, in dem die Tiere versteckt wurden, entdeckt werden konnte, waren fünf der zwölf Echsen, die im Alter von einem Jahr 60 Zentimeter lang und durchaus gefährlich sind, bereits verkauft worden. Die Suche nach ihnen geht unvermindert weiter. Dabei geht es nicht nur um Tierschutz, sondern auch um die Sicherheit von Menschen. Falls nämlich eines der Krokodile entläuft, wird es nach Einschätzung von Experten eine Wasserquelle suchen. Und davon gibt es in der streng religiösen Stadt viele: nämlich Ritualbäder. Mit einem Krokodil zu tauchen, ist aber ein Abenteuer, auf das die Mikwe-Besucher sicherlich gern verzichten.

Eifer
Übermäßiger Eifer ist von Übel. Der 74-jährige Uzi Kroll, Kibbuzmitglied, unbescholtener Bürger und ehemaliger Fallschirmjäger, wurde im nordisraelischen Kirjat Schmona von einem Polizisten angehalten, festgenommen, aufs Revier gebracht, polizeilich erfasst und zwei Stunden lang vernommen. Der Grund: Der Ordnungshüter glaubte, Krolls verschlissener und bei der Arbeit in der Kibbuzschlosserei an vielen Stellen befleckter Parka sei ge-stohlenes Armeeeigentum. Da half auch der Hinweis nichts, an dem Kleidungsstück sei deutlich zu erkennen, dass es ziviler Provenienz ist. Und selbstverständlich durfte der Senior den wärmenden Parka während des Verhörs nicht anbehalten. Seine anschließend eingereichte Beschwerde schmetterte die Polizei mit dem Hinweis ab, es habe sich lediglich um eine ordnungsgemäße Überprüfung eines Verdachtsmoments gehandelt. Wenn das Routine ist...

Einkauf
Eigentlich hatte eine Bewohnerin Jerusalems nur einen neuen Tisch für den Sederabend kaufen wollen. Sie hoffte, beim Sonderangebot in einem Einkaufszentrum einige Hundert Schekel sparen zu können. Wie sich herausstellte, sollte ihr Gewinn an diesem Tag aber weitaus höher ausfallen. Als sie nämlich an einer Lottoannahmestelle vorbeiging, fiel ihr der seit einigen Monaten in der Handtasche lagernde Wettschein ein. Nach dem Einlesen des Scheins merkte die Einkaufsbummlerin den bohrenden Blick der Verkäuferin und erklärte mit Unbehangen: »Du starrst mich an, als hätte ich 700.000 Schekel gewonnen.« Statt sich zu entschuldigen, gab die Verkäuferin zurück: »Nicht 700.000, sondern 20 Millionen« – umgerechnet drei Millionen Euro. Man darf davon ausgehen, dass das Sedermahl der glücklichen Familie in diesem Jahr besonders gut schmecken wird.

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