Kurzmeldungen

Mail aus Jerusalem

Gewarnt, gesucht, geurteilt

von Wladimir Struminski  20.07.2010 11:24 Uhr

Israelische Soldatin: Meisterin im Tarnen Foto: israelimages

Gewarnt, gesucht, geurteilt

von Wladimir Struminski  20.07.2010 11:24 Uhr

Gewählt
Jerusalem ist die attraktivste Stadt in Afrika und Nahost. So lautet jedenfalls das Ergebnis der jährlichen Leserumfrage des prestigereichen amerikanischen Magazins Travel and Leisure. Mit dieser Benotung konnte Israels Hauptstadt ihren Platz gegenüber dem Vorjahr um zwei Ränge verbessern. Auch Tel Aviv kann sich – im Wortsinne – sehen lassen: Es belegte in der diesjährigen Umfrage Rang drei. Auf Platz zwei liegt Kapstadt. Auf den nachfolgenden Rängen vier bis zehn sind Marrakesch, Kairo, Petra in Jordanien, Dubai. Alexandrien, Nairobi und Amman zu finden.

Gewarnt
Hotels – auch israelische – können die strenge religiöse Moral ultraorthodoxer Juden unterwandern, etwa durch Fernsehen, Internet, die Vermischung der Geschlechter oder den Anblick unzüchtig gekleideter Zeitgnossinnen. Deshalb hat eine Gruppe strenggläubiger Rabbiner die ultraorthodoxe Presse aufgerufen, keine Anzeigen für Hotels mehr zu veröffentlichen. Wer für solche Etablissements werbe, warnten die Koryphäen, verführe die Leser zur Sünde. Das gelte auch für viele Herbergen, die von anderen, weniger rigiden Rabbinern für erlaubt erklärt wurden. Lediglich drei Hotels in ganz Israel, so die Schriftgelehrten, erfüllen die strengen Anforderungen ultraorthodoxer Kunden und dürfen beworben werden.

Gelauert
Wüstensoldaten sind harte Burschen. Oder auch nicht. Dieser Tage hat die israelische Armee die Existenz einer rein weiblichen Wüsteneinheit mit dem Namen Nachschol – zu Deutsch: reißende Woge – enthüllt. Die jungen Frauen, allesamt Kampfsoldatinnen, sind auf Feldaufklärung spezialisiert, vor allem auf die Beobachtung der israelisch‐ägyptischen Grenze und sollen unter anderem den Menschenhandel und Drogenschmuggel unterbinden. Dank ihres Einsatzes konnte die Armee schon manche Schmugglerbande stellen. Die Soldatinnen verbringen bis zu drei Tage ohne Pause im Hinterhalt und sind Meisterinnen der Tarnung. Selbst wer wenige Meter vor ihrem Versteck steht, bemerkt sie kaum. Wo es dennoch Unterschiede zu einem männlichen Aufklärungstrupp gibt: Die Soldatinnen dürfen Sturmgepäck nur bis zu einem Gewicht von 33 Prozent ihres eigenen Körpergewichts aufladen – bei Männern sind es 50 Prozent – und sie tragen Nagellack.

Gesucht
Asmi Bischara wusste bisher aus allem das Beste für sich zu machen und zu genießen. Er war arabischer Nationalist, der aus seinem Hass auf Israel keinen Hehl machte. Zugleich war er aber auch Mitglied der Knesset. Während des Libanonkrieges hat er, wenn der Verdacht zutrifft, für die Hisbollah spioniert – gegen den Staat, dessen Bürger er war. Danach flüchtete er ins Ausland um der drohenden Verhaftung zu entgehen. Seitdem lebt er unter Israels Feinden. Aber auf die ihm zustehende Knesset‐Pension will er bis zum heutigen Tag nicht verzichten. Wenigstens der Geldfluss soll jetzt versiegen. Die Regierung bereitet ein Gesetz vor, das flüchtigen Knessetmitgliedern, auf deren mutmaßliche Straftaten eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren steht, die Pensionsrechte aberkennt.

Gestrichen
Wegen der Spannungen im israelisch‐türkischen Verhältnis müssen streng fromme Haushalte in Israel viele türkische Nahrungsmittel vom Speisezettel streichen. Der Grund: Strenggläubige Haushalte kaufen nur solche Produkte ein, die nicht bloß koscher, sondern streng koscher sind (nicht mit dem nur für Fleisch geltenden Prädikat »glatt koscher« zu verwechseln). Ein Streng‐Koscher‐Zertifikat wird aber nur ausgestellt, wenn sich der Kaschrutaufseher ständig im Betrieb befindet und die Herstellung überwacht. Die für die Zertifizierung zuständigen israelischen Organisationen haben aber Angst um ihre Experten und lassen sie nicht mehr für längere Zeit in die Türkei reisen. Dagegen ist die Einfuhr von Produkten mit normaler Kaschrut, für die nur Besuche der Aufseher, aber keine ständige Präsenz bei der Herstellung erforderlich ist, von der Krise nicht betroffen.

Geurteilt
Vielleicht hatte die Geschäftsführung der Buchhandelskette Tzomet Sfarim zu viele Thriller gelesen. Auf jeden Fall beschloss das Unternehmen vor einigen Monaten, für seine Mitarbeiter eine biometrische Stechuhr einzuführen, bei der sich die Lohnempfänger mithilfe des Fingerabdrucks identifizieren sollten. Als eine Gruppe von 14 Mitarbeitern dies unter dem Hinweis auf den Schutz ihrer Privatsphäre verweigerte, drohte die Firma einer der Betroffenen mit Kündigung. Jetzt gab ein Arbeitsgericht den Verweigerern Recht und lehnte das Argument der Firma ab, die biometrische Identifizierung der Mitarbeiter sei erforderlich. Die Buchläden hüteten schließlich keine Staatsgeheimnisse, urteilte der Richter, und befänden sich auch nicht an der Grenze zum Iran.

Geschafft
Beharrlichkeit zahlt sich aus. Das kann Zemach Chamus aus Tiberias bezeugen. Der 59‐Jährige hat soeben die Fahrprüfung bestanden und einen Führerschein ausgehändigt bekommen. Dass dies erst in diesem Alter geschah, liegt schlicht daran, dass Chamus bisher bei der Fahrprüfung 28 Mal durchgefallen ist – aus Angst vor den Prüfern, wie er sagt, auch wenn er die meisten von früheren Versuchen her kannte. Allerdings gab er die Hoffnung auf Erfolg nie auf und trat immer wieder zur Prüfung an. Nach dem erfolgreichen 29. Versuch konnte der ewige Kandidat sein Glück kaum fassen.

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